Auf die Strafbank

Mit Vorsicht genießen: ThoughtWorks Technology Radar setzt Application Server auf „Hold“

Hartmut Schlosser

(c) shutterstock/argus

Die Cloud hat der Disziplin der Software-Architektur zu einer Renaissance verholfen; Microsofts neue Offenheit könnte C# in Konkurrenz zu JVM-Sprachen setzen; das Problem der Software-Sicherheit bleibt trotz erhöhter Aufmerksamkeit ungelöst. Diese drei Diagnosen stellt die neue Auflage des ThoughtWorks Technology Radars, in dem das Beratungsunternehmen aktuelle Trends der IT-Szene beleuchtet.

Wie in jeder Ausgabe stellt das halbjährlich erscheinende Technology Radar eine kommentierte Rangliste an Techniken, Plattformen, Tools und Sprachen heraus.

Application Server on hold

Interessant ist die Platzierung von „Application Server“ in die „Hold“-Kategorie – die Strafbank sozusagen, auf die es fraglich gewordene Konzepte zieht („proceed with caution“). Es sind die einfachere Automatisierung, das schnellere Deployment und der geringere Wartungsaufwand, die ThoughtWorks statt zu einem traditionellen Application Server zu einem eingebetteten Server raten lassen. Application Server are dead – würde Eberhard Wolff dazu sagen.

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Application Servers in der „Hold“-Kategorie. Quelle: ThoughtWorks Technology Radar

Neu in die „Adopt“-Kategorie der Techniken hat es das „Consumer-driven contract testing“ geschafft. Worum geht es dabei? Vergleicht beim „klassischen“ Contract Testing die QA-Abteilung den Output eines Services mit Test-Werten, ist es beim „Consumer-driven contract testing“ der Service-Output, der direkt von den Konsumenten generiert wird. ThoughtWorks sieht solche Konsumenten-getriebenen Tests als wesentlichen Bestandteil eines ausgereiften Microservice Testportfolios an.

Microservices

A propos Microservices: Eine neue Innovationswelle sieht ThoughtWorks den Bereich der Software-Architektur durchziehen. Grund dafür ist das Cloud Computing, das laut ThoughtWorks von Unternehmen mittlerweile als Zukunftsplattform akzeptiert wird. Als erste „Cloud native“ Architekturspielart wird nun der Microservices-Ansatz identifiziert. Auch Continuous Delivery sieht ThoughtWorks in diesem Licht als Methode, die besonders in Cloud-Infrastrukturen zum Tragen kommt – und die darüber hinaus die Art und Weise, wie Technologie-affine Unternehmen sich weiterentwickeln, radikal verändern soll. Die Prognose lautet hier: Neue, innovative Architekturansätze werden sich auch in Zukunft zeigen. Container-Technologien und Software-seitiges Networking weisen in diese Richtung.

Hatte sich Microsoft dem Thema Open Source bisher nur halbherzig gewidmet (man denke an die wenig aktive CodePlex-Plattform), so scheinen sich in Mountain View die Vorzeichen geändert zu haben: In den letzten Monaten wurden große Teil der .NET-Plattform quelloffen auf GitHub veröffentlicht. ThoughtWorks bringt hier die Überlegung ins Spiel, dass damit auch Linux-Systeme als Hosting-Plattform für .NET in Frage kommen. C# würde dann womöglich sogar in Konkurrenz zu den JVM-Sprachen treten.

Tools & Security

Bewegung bei den Tools gibt es jede Menge: Neu oder in neuen Kategorien landen: Brighter, Hamms, Polly, REST-assured, ZAP, Apache Kafka, Bokeh/Vega, Gor, Origami, pdfmake, PlantUML, Prometheus, Quick, Security Monkey.

Und dann das Thema Security: Zweifellos haben NSA/BND-Skandale und Softwarelöcher wie Heartbleed dazu beigetragen, dass das Thema „Software-Sicherheit“ mittlerweile ernst genommen wird. Doch hat die Industrie hier in den letzten Monaten tatsächlich Fortschritte erzielt? Nein, lautet das Urteil von ThoughtWorks. Zwar hätten Entwickler mit erweiterten Security-Infrastrukturen und Tools reagiert. Doch können solche Tools nur ein Baustein eines ganzheitlichen Sicherheitsansatzes sein: „We believe all organizations need to “raise their game” in this space.“

Methode

Dem Technology Radar liegt keine umfassende Marktanalyse zugrunde, sondern eine subjektive Einschätzung eines ca. 20-köpfigen Teams aus ThoughtWorks-Mitarbeitern. Der Expertise sowie langjährigen Marktbeobachtung und Erfahrung der ThoughtWorks-Analysten ist es zu verdanken, dass die Studie sich dennoch ein gewisses Renommee in der Szene erarbeitet hat.

Wie immer steht der Technology Radar auf den ThoughWorks-Seiten kostenlos zum Download bereit.

Aufmacherbild: dangerous world on a dark blue background von Shutterstock / Urheberrecht: argus

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. #java #eclipse #devops #machinelearning #seo. Zum Lächeln bringen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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