JAX-Interview mit Dr. Norman Lahme-Hütig

„Mit TypeScript kann JavaScript auch einem Java-Entwickler Spaß machen“

Hartmut Schlosser

Dr. Norman Lahme-Hütig

JavaScript ist ein Thema, an dem auch Java-Entwickler kaum mehr vorbei kommen. So bildet JavaScript auch einen festen Bestandteilt der JAX 2016, zum Beispiel in Form der beiden JavaScript Days am Dienstag und Mittwoch. Wie man Webanwendungen durchgängig mit JavaScript baut, zeigt Dr. Norman Lahme-Hütig in seiner morgigen Session „MEAN-Stack – Durchgängige JavaScript-Entwicklung von der Datenbank bis zum Frontend.“ Wir haben uns vorab mit ihm über Sinn und Unsinn dieses Unterfangens unterhalten.

JAXenter: JavaScript wurde lange Zeit nur im Frontend eingesetzt. Heute hat sich das geändert: JavaScript ist längst auch für Dinge wie Backend-Logik oder Datenbankabfragen im Einsatz. Welche Faktoren haben dazu geführt? Hat sich die Sprache weiterentwickelt, das Ökosystem, das Web – oder gar etwas ganz anderes?

Norman Lahme-Hütig: Es gab schon erstaunlich früh Ansätze, JavaScript auch im Backend einzusetzen – so z. B. das Rhino-Projekt, das schon 1997 gestartet wurde. So richtig in Schwung kam das Thema jedoch erst zwölf Jahre später mit der serverseitigen JavaScript-Ablaufumgebung Node.js und dem zwei Jahre später eingeführten Package Manager von Node.js (npm), der einen unkomplizierten Zugang zu Open-Source-Modulen sowie deren Verbreitung ermöglicht. Darüber hinaus hat sich die Sprache und vor allem das Verständnis dafür weiterentwickelt, wie die Sprache effizient auch in größeren Projekten eingesetzt werden kann.

JAXenter: Nur weil es geht, muss man es ja nicht machen. Was sind aus deiner Sicht aber die Vorteile, wenn man z.B. mit dem MEAN Stack voll auf JS setzt?

Norman Lahme-Hütig: Wenn man mit einer einzigen Programmiersprache sowohl die Client- als auch die Server-Seite einer Web App entwickeln kann, dann hat das schon mehrere Vorteile. So muss z.B. Anwendungslogik, die auf dem Client und auf dem Server benötigt wird, nur einmal entwickelt werden. Darüber hinaus sind die Know How-Hürden für Full-Stack-Entwickler geringer. Wer den gesamten Stack abdecken kann, der ist flexibler einsetzbar, was insbesondere in agilen Teams sehr vorteilhaft ist.

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JAXenter: In der Java-Welt ist JavaScript ja immer noch ein wenig verschrieen: Viele finden die Sprache inkonsistent, fehleranfällig, untauglich für Enterprise-Projekte, etc. Verstehst du das? Wieviel Spaß macht es dir selbst, mit JavaScript zu entwickeln?

Blickt man auf das gesamte Ökosystem, lassen sich einige der Kritikpunkte an JavaScript entkräften.

Norman Lahme-Hütig: Ich kann verstehen, dass es diese Meinungen gibt, wenn man nur auf die Sprache selbst schaut. Blickt man jedoch auf das gesamte Ökosystem und den inzwischen etablierten Patterns und Idioms, so lassen sich einige der verbreiteten Kritikpunkte entkräften. Und mit dem Einsatz von TypeScript kann dann JavaScript auch einem Java-Entwickler Spaß machen – so ist es zumindest bei mir.

JAXenter: Würdest du sagen, dass durch die Möglichkeiten des MEAN-Stack traditionelle Programmierparadigmata wie z.B. der klassische Java Application Server obsolet werden?

Norman Lahme-Hütig: Keine Technologie und keine Programmiersprache kann den Anspruch erheben, für alle Fragestellungen die beste Wahl zu sein. Es hängt immer von den konkreten Anforderungen und dem Umfeld ab. Insofern würde ich nie einen Technologiestack pauschal empfehlen – auch nicht den MEAN-Stack.

JAXenter: Welche Entwicklungen in der JavaScript-Welt sind für dich momentan am spannendsten?

Norman Lahme-Hütig: Das sind zum einen die Vorschläge für ECMAScript 7 und die Weiterentwicklungen von TypeScript, da ich denke, dass es für die Akzeptanz von JavaScript vorteilhaft ist, die Sprache selbst weiter auszubauen. Zum anderen verfolge ich derzeit die Entwicklungen um Angular 2, Ionic 2 und NativeScript mit besonderem Interesse.

JAXenter: Vielen Dank für dieses Interview!

56a8ca5cdcb76c08727da2fdversion160sizefullDr. Norman Lahme-Hütig ist promovierter Wirtschaftsinformatiker und Berater bei der viadee Unternehmensberatung. Im Rahmen vieler Projekteinsätze konnte er Erfahrungen in mittelständischen Unternehmen wie auch in Großkonzernen in verschiedenen Rollen sammeln (Entwickler, Softwarearchitekt, Teamleiter und technischer Projektleiter). Seine Schwerpunkte sind die Architektur und Entwicklung von Java-Backends und mobilen Apps für iOS und Android. Sein Wissen und seine Erfahrungen vermittelt er bereits seit 1998 in verschiedenen Seminarformen an interessierte Teilnehmer aus der Praxis. Derzeit entwickelt er für einen großen Finanzdienstleister hybride mobile und stationäre bankfachliche Anwendungen mit JavaScript und Apache Cordova.
Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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