Mit Terracotta in die Cloud

Seit den Zeiten als XML-Company liegt der Software AG die Einhaltung von Industriestandards am Herzen, gerade im Cloud-Bereich sind in dieser Hinsicht viele Fragen noch nicht geklärt. Wie sieht hier die Strategie der Software AG für Standards und offene Services aus?

Dr. Jost: Wir sind Verfechter von Standards, weil sie die Welt einfacher machen. Wir sehen das im Mobil-Bereich, wo es noch keine Standards gibt. Momentan hat jeder Anbieter von mobilen Endgeräten eigene Betriebssysteme, eigene Programmiersprachen und das ist ein Bereich, in dem Standards helfen könnten, das Zusammenspiel der Technologien einfacher zu machen. Aber nicht nur im Mobil-Bereich fehlen die Standards, sondern auch noch im Cloud-Bereich. Ich denke, dass sie sich dort sukzessive durchsetzten werden. HTML5 scheint ja jetzt schon in diese Richtung zu gehen, was uns übrigens auch im Mobil-Bereich helfen wird.
Oder nehmen Sie BPMN als Beispiel, das ist zwar kein Standard für die Cloud, aber für unsere Technologie ist er wichtig und daher halten wir uns daran. Wir müssen sehen, wie sich die Standards entwickeln. Grundsätzlich ist die Software AG also ein großer Befürworter von Standards, weil sie uns als Softwarehersteller die Welt einfacher machen.

Seit der IDS-Scheer-Übernahme liegt der Fokus auf dem was Sie „Business Process Excellence“ nennen. Inwieweit unterstützt die aktuelle Übernahme diese Strategie, und wo wird die Terracotta-Technologie zum Einsatz kommen?

Dr. Jost: Letztendlich, wenn man sich mal so eine der Platform-as-a-Service-Architekturen anschaut, geht es immer darum, End-to-End-Prozesse zu unterstützen. Das heißt alles, was wir tun, dient der Process Exellence. Alles was nicht im Prozess ankommt, ist unserer Meinung nach auch nicht von Bedeutung. Im Fußball würde man sagen: Es zählt, was auf dem Platz passiert, und hier muss man sagen, es zählt, was im Prozess ankommt. Prozesse werden größer, die Prozessvolumina steigen. Um also Prozesse zunehmend effizient zu unterstützen, braucht man im Hintergrund genau diese Terracotta-Technologie. Damit lässt sich das massive Datenvolumen, das von Prozessen erzeugt und konsumiert wird, auch managen. Im Prinzip dient diese gesamte technologische Plattform also der effizienten Unterstützung von End-to-End-Prozessen. Deswegen passt sie auch sehr gut in die Process-Exellence-Initiative, die wir seit der IDS-Scheer-Übernahme gestartet haben.

Governance ist spätestens seit der WebMethods-Übernahme ein Thema für die Software AG, das technisch wie methodisch wichtig ist. Lässt sich Governance jetzt in die Cloud „skalieren“?

Dr. Jost: Governance ist für uns eine ganz wichtige Sache. Zukünftig laufen Services sowohl on premise und in der Cloud, und wir sind fest davon überzeugt, dass Governance auch in der Cloud von großer Bedeutung ist. Aber die Governance wird sicherlich dreiteilig sein: Es gibt eine Governance für die On-Premise-Modelle, eine Governance in der Cloud und eine Governance zwischen On Premise und Cloud. Allerdings müssen die Services der gleichen Governance unterliegen, und deshalb haben wir eine Lösung angekündigt, die wir Cloud Governance nennen, mit der wir die Governance für On Premise Services und Cloud Services realisieren.

Momentan kommen wir von der On Premise Governance, wir gehen dann als nächstes in die Verbindung von On Premise und Cloud, und die reine Cloud Governance wird dann erst der dritte Schritt sein.

Ist da ein Zeitraum absehbar?

Dr. Jost: Das ist schwer zu sagen. Wir glauben, dass diese Verbindung von On Premise Governance zu On Demand Services bis Ende des Jahres bei uns verfügbar sein wird. Bei der Cloud Governance ist auch eine Frage, wer dafür verantwortlich ist. Im Prinzip haben Sie ja drei Rollen in einem Cloud-Modell: den Endkunden, also den Consumer des Service, den Provider des Service und den Infrastrukturanbieter des Service. In diesem Dreigestirn muss sich jetzt erst noch herausstellen, wer welche Governance-Aufgaben übernimmt, aber auch das entwickelt sich gerade.

Vielen Dank für dieses Gespräch!

Dr. rer. nat. Wolfram Jost ist seit August 2010 Mitglied des Vorstandes der Software AG und verantwortlich für Forschung und Entwicklung sowie das Produktmanagement und -marketing. Jost ist Autor zahlreicher Fach- und Zeitschriftenartikel sowie (Mit)-Herausgeber von mehr als zehn Fachbüchern.
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