Mit Color Modelling farbige Domänenmodellen erstellen

Jetzt wird’s bunt

Aber wo sind denn nun die Farben? Coad verwendete während Modellierungsworkshops mit Domäneexperten anfänglich Post-It-Zettelchen in unterschiedlichen Farben, um die jeweiligen Archetypes hervorzuheben. Dies stellte sich als sehr hilfreich heraus, und insbesondere Modellierungseinsteiger konnten sich anschließend oftmals schwer vorstellen, wie man ohne Farben überhaupt modellieren soll.

Farbe erlaubt es, zusätzliche Schichten von Informationen im Modell zu kodieren. Sinnvoll eingesetzt, können Farben somit die Informationsmenge erhöhen, die mit einem Modell ausgedrückt werden kann. Ein farbiges Modell kann beispielsweise aus der Ferne betrachtet werden, um einen Grobüberblick über die Struktur des Modells zu erhalten, ohne dass man die Detailbeschreibungen bereits lesen müsste. Coad nennt diesen Effekte „räumliche Schichtung“. Dies soll zum Ausdruck bringen, dass ein und dasselbe Modell sowohl einen Überblick als auch eine Detailansicht liefern kann, und zwar ohne Bruch des visuellen Kontexts. Durch die Verwendung von Farben bei der Modellierung können beispielsweise die Zusammengehörigkeit von Artefakten mit ähnlichen Charakteristiken oder Fortschritt über Zeit (etwa durch unterschiedliche Schattierungen der gleichen Farbe) dargestellt werden.

Basierend auf den vier identifizierten Archetypes wählte Coad daher vier gut harmonierende und leicht zu unterscheidende Farben aus (pink, pastellgelb, grün und blau) und wies diese den Archetypes zu. Den interessantesten Artefakten einer Domäne, nämlich jenen mit dem Moment-Interval Archetype, wurde die Farbe zugewiesen, die am meisten Aufmerksamkeit beim Betrachter erregt, nämlich pink. Von den verbleibenden drei Archetypes hat Role die interessantesten Verantwortlichkeiten, und erhält daher mit pastellgelb die zweitauffälligste Farbe. Es folgt der Archetype Party, Place or Thing mit grün. Description hat normalerweise die einfachsten Verantwortlichkeiten und bekommt daher mit blau die ruhigste der vier Farben.

Charakteristiken der Archetypes

Wie eingangs bereits erwähnt, repräsentiert jeder der vier Archetypes typische Charakteristiken, die auf alle Artefakte dieser Kategorie mehr oder weniger zutreffen. Dazu zählen unter anderem Attribute. So hat eine blaue Description typischerweise solche Attribute wie Typ, Beschreibung, Artikelnummer oder Standardwerte. Artefakte, die dem grünen Party, Place or Thing Archetype folgen, haben dagegen oft eine Seriennummer, einen Namen, eine Adresse oder benutzer- bzw. kundendefinierte Werte. Gelbe Rollen kennen ihren Status und haben oft eine zugeordnete Nummer (Kundennummer, Mitarbeiternummer etc). Typische Attribute für die pinken Moment-Intervals sind ebenfalls eine Nummer (z.B. Rechnungsnummer, Bestellnummer), ein Datum, eine Priorität, eine Gesamtsumme und ein Status. Mit diesen Attributen gehen natürlich auch Methoden einher, die für die jeweiligen Archetypes charakteristisch sind (Abb. 1 und 2).

Abb. 1: Archetypes und ihre charakteristischen Attribute

Abb. 2: Archetypes und ihre charakteristischen Methoden

Die Beobachtungen von Coad gingen jedoch noch weiter. Über die Jahre hatte sich herausgestellt, dass Artefakte der vier Archetypes interessanterweise fast immer in derselben Beziehung zueinander stehen. Als dritte wichtige Charakteristik haben die Archetypes daher typische Beziehungen untereinander, der Farbverlauf geht dabei von blau über grün und gelb zu pink. In machen Domänen haben die Moment-Interval-Artefakte zusätzliche Beziehungen zu anderen Artefakten des gleichen Archetypes, zum Beispiel im Falle von geplanten und tatsächlichen Abläufen.

Als Folge dieser Beobachtung lag es nahe, auch hier eine Abstraktion einzuführen, welche die typischen Beziehungen miteinander verbundener Archetypes modelliert. Daraus ergibt sich ein wiederverwendbarer, domäneneutraler Modellbaustein (domain-neutral building block, Abb. 3).

Abb. 3: Der domäneneutrale Modellbaustein

Mehrere domäneneutrale Bausteine lassen sich schließlich zu einem größeren Ganzen zusammensetzen. Coad nannte dieses abstrakte Modell zunächst „domäneneutrale Komponente“, später wurde jedoch stattdessen der Begriff „Archetypal Domain Shape“ (ADS) kreiert. Diese neue Bezeichnung vermittelt besser, was das Modell darstellen soll: eine Vorlage für die Struktur beliebiger Domänen, der alle konkreten Domänemodelle mehr oder weniger folgen. Abbildung 4 zeigt eine vereinfachte Ansicht des ADS. Detaillierte Ansichten in Postergröße können unter www.nebulon.com/articles/fdd/adsposters.html kostenlos herunter geladen werden.

Abb. 4: Archetypal Domain Shape
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