7.5 Milliarden US-Dollar für die Octocat

Milliardendeal: Microsoft kauft GitHub

Dominik Mohilo

© Shutterstock.com / Andrey_Popov

Die Gerüchte, die seit dem Wochenende die Runde machten, wurden heute offiziell bestätigt: Microsoft hat bekanntgegeben, die Entwicklerplattform GitHub für sage und schreibe 7.5 Milliarden US-Dollar gekauft zu haben. Was steckt dahinter?
 

Vergleicht man den Kauf der Entwicklerplattform GitHub mit dem von LinkedIn, kam der Gigant aus Redmond noch relativ günstig davon. 26 Milliarden zahlte Microsoft damals für das soziale (Business-)Netzwerk. Im Vergleich dazu ist GitHub geradezu ein Schnäppchen, doch welches Ziel verfolgt Microsoft mit dem Kauf?

„Die Stärkung der Freiheit für Entwickler“

Über 28 Millionen Entwickler aus allen möglichen Bereichen tummeln sich auf GitHub, verwalten dort ihre Repositorys und arbeiten gemeinsam an Projekten in quasi jedweder Programmiersprache. Es ist also nicht übertrieben zu sagen, dass GitHub ein sehr populäres Pflaster in der Entwicklerwelt ist. Dabei dient GitHub aber nicht nur der Kollaboration für private Projekte: Auch riesige Projekte wie bspw. Jakarta EE (ehem. Java EE) werden auf GitHub gehostet und vorangetrieben.

Die erste Frage, die sich nun natürlich stellt ist: „Droht Entwicklern, die sich auf GitHub als neutrale und kostenfreie Hosting-Plattform verlassen haben, der Super-GAU?“ Laut der offiziellen Pressemitteilung von Microsoft ist diese Frage klar mit „Nein!“ zu beantworten. Im Gegenteil wolle man den „developer-first Ethos beibehalten“, GitHub solle zudem weiterhin „unabhängig geführt werden, um eine offene Plattform für alle Entwickler aus allen Industriezweigen zur Verfügung zu stellen“.

Von links: Chris Wanstrath, Github CEO & Co-Founder; Satya Nadella, Microsoft CEO und Nat Friedman, Microsoft Corporate Vice President, Developer Services / Quelle: Microsoft

Personelle Veränderungen

Das Zepter von GitHub wird allerdings nicht mehr in der Hand von Chris Wanstrath bleiben, der derzeit als CEO verantwortlich für die Geschicke des Unternehmens ist. Stattdessen wird der derzeitige Gründer von Xamarin und Microsoft Corporate Vice President, Open-Source-Veteran Nat Friedman, GitHubs neuer CEO werden. Wanstrath hingegen winkt eine (sicherlich lukrative) Position als Technical Fellow bei Microsoft, wo er gemeinsam mit Executive Vice President Scott Guthrie an strategischen Software-Initiativen arbeiten wird.

I’m extremely proud of what GitHub and our community have accomplished over the past decade, and I can’t wait to see what lies ahead. The future of software development is bright, and I’m thrilled to be joining forces with Microsoft to help make it a reality. Their focus on developers lines up perfectly with our own, and their scale, tools and global cloud will play a huge role in making GitHub even more valuable for developers everywhere.

Chris Wanstrath, CEO GitHub

Ausblick

Nun, da sich die Parteien einig sind und die Positionen geklärt scheinen, wird die Finanz- und Justizmaschinerie in Gang gesetzt: Bis zum Ende des laufenden Kalenderjahres soll der Kauf dann in trockenen Tüchern sein.

Das erklärte Ziel ist es, wie man der Pressemitteilung von Microsoft entnehmen kann, Entwicklern die Chance zu geben, mehr auf jeder Ebene des Entwicklungszyklus zu erreichen. In einem kleinen Nebensatz wird zudem auf den Wunsch hingewiesen, die Nutzung von GitHub in Unternehmen voranzutreiben. Außerdem möchte Microsoft offenbar, so jedenfalls die derzeitige Informationslage, seine eigenen Tools einer breiteren Masse vorstellen, bzw. verfügbar machen.

Das alles klingt eigentlich gar nicht schlecht und würde zu Microsofts stärker werdendem Commitment zu Open Source durchaus gut zu Gesichte stehen. Was genau Microsoft mit GitHub vorhat und ob die Entwicklerplattform wirklich unabhängig bleibt, bleibt allerdings natürlich zunächst abzuwarten.

Wird der Kauf von GitHub durch Microsoft die Open-Source-Bewegung negativ beeinflussen?

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Weitere Informationen zum aktuellen Geschehen gibt es in der Pressemitteilung zum Kauf von GitHub durch Microsoft.

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Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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