Microsoft und das IoT, MQTT im Debattierklub und die Quadratur von Linux [M2M Minutes]

Redaktion JAXenter
© S&S Media

Neue Studie von Ericsson Mobility zeigt Dominanz von GSM-Standard im M2M-Sektor – Apple kündigt Smart-Home-App HomeKit an – ARM möchte Prozessoren für Wearables entwickeln – Microsoft im IoT: Status quo – kontroverse Diskussion um MQTT – VoCore: winziges Linux-Board auf Indiegogo

GSM beherrscht M2M

Laut einer neuen Studie von Ericsson Mobility wird sich die Zahl der aktiven M2M-Geräte, die über Mobilfunkstandards kommunizieren, bis 2019 verdreifachen, möglicherweise sogar vervierfachen. Ende 2013 waren 200 Millionen solcher Geräte ans Mobilfunknetz angeschlossen. Kommuniziert der größte Teil davon heute über GSM, so wird der Großteil bis 2016 auf 3G- oder 4G-Kommunikation umgestellt haben.

Ericsson Mobility Studie Juni 2014

Weitere Ergebnisse der Studie, die als PDF heruntergeladen werden kann: Im ersten Quartal 2014 waren 65 Prozent aller weltweit verkauften Telefone Smartphones. Die Menge an mobilen Daten, die ein durchschnittlicher Smartphone-Nutzer konsumiert, könnte 2019 viermal so hoch sein wie heute. Den Weg dorthin bereitet nicht zuletzt der Ausbau von LTE-Netzen, die bis 2019 voraussichtlich etwa 80 Prozent des europäischen Kontinents und 95 Prozent von Nordostasien abdecken werden. Allerdings werden der Studie nach nur 30 Prozent der europäischen Bevölkerung LTE-Netze nutzen, in Nordamerika voraussichtlich 85 Prozent. Bis 2019 werden chinesische Mobilfunkteilnehmer für 25 Prozent des weltweiten Datenverkehrs über LTE-Netzwerke verantwortlich sein. 

Heimautomatisierung bei Apple: HomeKit für iOS angekündigt

Wir hatten vergangene Woche auf den Namen „iHome“ spekuliert, lagen damit allerdings etwas daneben. Bewahrheitet hat sich jedoch das Gerücht, dass Apple diese Woche auf der Worldwide Developers Conference eine Smart-Home-Lösung ankündigen würde. Und die wird sogar von dem Lautsprecherhersteller iHome – neben vielen weiteren Partnern wie netatmo und Broadcom – unterstützt. „HomeKit“, so heißt Apples neue Smart-Home-App tatsächlich, soll zur Schaltzentrale für intelligente Heimaccessoires werden – mit Siri als Ansprechpartnerin. Türschlösser, Lampen, Thermostate, Steckdosen, Kameras und mehr sollen sich damit über ein gemeinsames Protokoll bedienen lassen. HomeKit wird voraussichtlich mit iOS 8 im Herbst erscheinen. Auf der Webseite kann man sich bereits jetzt umsehen. Eine zehnminütige Kurzfassung der gesamten Keynote stellte The Verge bereits kurz nach dem Live-Event zur Verfügung. Ab ca. Minute 8:35 wird HomeKit vorgestellt.

Apple HomeKit

ARM-Prozessoren für „unsichtbare“ Wearables 

Der britische Chipdesigner ARM arbeitet angeblich an besonders kleinen, leichtgewichtigen und energiesparenden CPUs und Mikrocontrollern, die speziell für den Einsatz in Wearables vorgesehen sind. Sensoren sollen in dieser neuen Architektur möglichst nah an digitalen Signalprozessoren platziert werden, um die Datenverarbeitung und –weitergabe an Endgeräte zu beschleunigen. Der Energieverbrauch wird voraussichtlich im Nanowatt-Bereich liegen.

Geringer Stromverbrauch und ein kompaktes Design sind das A und O bei der Entwicklung von Technologien, die am Körper getragen werden. So wundert es nicht, dass das amerikanische Startup Psikick mit seinen winzigen batterie- und drahtlosen Sensoren Investoren auf sich aufmerksam macht: Vom Venturekapital-Unternehmen New Enterprise Associates erhielt es vor Kurzem eine erste Finanzspritze.

Microsoft und das IoT: War da nicht was…? 

Wer denkt, Microsoft würde den IoT-Hype an sich vorüberziehen lassen, der irrt. Und wer glaubt, Redmond verkenne den Wert von Open-Source-Technologien, liegt ebenfalls falsch. Nur zwei Beispiele: Mit dem Netduino steht seit längerer Zeit ein Open-Source-Mikrocontroller zur Verfügung, der über das .NET-Framework programmiert werden kann. Und mit Nitrogen hob der Microsoft-Entwickler und ehemalige Nest-Labs-Ingenieur Tim Park 2013 ein Projekt aus der Taufe, das eine – ebenfalls quelloffene – IoT-Plattform für vernetzte Geräte bereitstellt. Beide Technologien werden auf der Berliner Internet of Things Conference im September vorgestellt.

Was zudem wenig bekannt ist oder leicht in Vergessenheit gerät: Bereits vor drei Jahren lancierte Microsoft die Plattform Gadgeteer (s. Video). Auf Basis des .NET-Micro-Frameworks und Visual Studio bzw. Visual C# Express lassen sich mit diesem Open-Source-Baukasten Gadgets erstellen – fürs Prototyping oder für IT-pädagogische Projekte. Ein eigenes Hardware-Ensemble steht zu diesem Zweck bereit, mit Komponenten von Elektronikherstellern wie GHI Electronics, Love Electronics, oder Micromint.

Technisch sind damit bereits viele Möglichkeiten geschaffen. Was noch wichtiger ist: Diese Plattformen sind Open Source und entsprechend erweiterbar. Weshalb bewegen sie sich dann meist unterhalb des Radars einer prinzipiell aufgeschlossenen und experimentierfreudigen IoT-Gemeinde? Zumindest hinter Gadgeteer scheint eine Community zu fehlen, die sich in Größe und Aktivität mit der um Arduino oder Raspberry Pi messen kann. Die Neuigkeiten auf der Gadgeteer-Webpräsenz sind spärlich, der letzte Eintrag im Forum wurde vor 26 Tagen gepostet. Zweifelsohne fehlt es auch an charismatischen Fürsprechern und inspirierenden Persönlichkeiten wie Eben Upton oder Massimo Banzi.

Vielleicht ist es aber auch ein Problem der öffentlichen Wahrnehmung: Microsofts dominante Stellung auf anderen Märkten überschattet womöglich jene Bemühungen im IoT-Sektor, die naturgemäß klein anfangen. Während man mit „Arduino“ mehr oder minder direkt das Internet der Dinge assoziiert, hat sich die Verknüpfung zwischen Microsoft und IoT noch nicht im Ansatz etabliert. Hier ist, so viel ist sicher, Öffentlichkeitsarbeit gefragt. Auch ein wenig Grundlagenarbeit in Sachen Smart Home käme jetzt zum richtigen Zeitpunkt.

MQTT im Debattierklub

Der folgende Netzlektüre-Tipp kann ebenfalls Spuren von Microsoft enthalten: Bei all dem Hype um das IoT-Protokoll war es nur eine Frage der Zeit, bis der erste Gegenwind kommen würde. Und der blies Anfang der Woche kräftig. In einem detaillierten Blogpost meldete sich Clemens Vasters, der MQTT probeweise implementiert hatte, zu Wort. Sein vernichtendes Urteil:

MQTT is an old, recycled, and often weirdly inconsistent mess. It’s not a good protocol, and certainly not a good protocol for the Internet of Things where we will look connect devices with long-haul links with unpredictable network conditions, and I believe it’s unfixable without becoming something different entirely. We ought to know better, and OASIS also ought to know better.

Das versetzte, wie nicht anders zu erwarten, all jenen einen Stich, die sich für MQTT stark machen und seine Standardisierung durch OASIS befürworten. Darunter auch Tim Kellogg, der schnell reagierte und eine Gegenrede verfasste. Die endet mit einem Vorwurf:

I don’t understand why Clemens chose to publically destroy the reputation of MQTT rather than simply offering to help fix it. The MQTT Technical Committee has always been very open to hearing and addressing concerns.

Wer nur einige der Vorträge und Diskussionen über MQTT verfolgt hat, weiß, dass sein Einsatz nicht generell der Weisheit letzter Schluss ist. MQTT ist kein Protokoll für alle Fälle. Vasters hingegen erwartete offenbar ein Äquivalent zum proprietären SBMP-Protokoll des Azure Service Bus, das er als Maßstab an MQTT anlegt. Ferner sieht er in MQTT weniger eine Open-Source-Technologie, die unter Beteiligung zahlreicher Firmen entsteht und konstant erweitert wird, als die proprietäre IBM-Technologie, die es anfangs war und die Vasters Anspruch nach bereits alle Features für eine breite Palette an Use Cases und komplexen Infrastrukturen mitzubringen hat.

Der berufliche Hintergrund der beiden Debattanten – Vasters ist Architekt bei Microsoft, Kellogg arbeitet beim Eclipse-Mitgliedunternehmen 2lemetry – und der oben zitierte Vorwurf von Kellogg zeigen, dass hier unterschiedliche Entwicklerkulturen aufeinanderprallen – und Firmeninteressen, wie Vasters an einer Stelle selbst einräumt. Auch wenn die Lektüre der beiden Blogeinträge interessant und in vielerlei Hinsicht erhellend sein mag: Die Welt der Protokolle ist mitnichten zweigeteilt, sondern genauso bunt und vielfältig wie Use Cases im IoT (s. die Präsentation von Julien Vermillard weiter unten). Ob man für MQTT den Daumen nun hebt oder senkt – keine Beurteilung sollte den Anspruch erheben, allgemeingültig zu sein.

VoCore: Linux in Münzgröße

Arduino und Raspberry Pi bekommen immer mehr Gesellschaft. Man könnte auch sagen: Open Hardware is eating the world. Auf indiegogo.com bewirbt sich unser Crowdfunding-Projekt der Woche um Geldzusagen – und hat 44 Tage vor Kampagnenende bereits das Zehnfache des Betrags erreicht, den die chinesischen Hersteller als Finanzierungsziel angegeben hatten. Die Folge: Es ist bereits ausverkauft. VoCore ist eine münzgroße Platine, die drahtlos kommunizieren kann und somit auch als Router einsetzbar ist. 32 MB SDRAM, 8 MB Flashspeicher und ein RT5350-MIPS-Prozessor mit 360MHz sind einige seiner Spezifikationen. Neben den 20 GPIOs ist das kleine Quadrat noch mit zahlreichen weiteren Schnittstellen ausgestattet (s. Bild). Als Software kommt die Embedded-Linux-Distribution OpenWrt zum Einsatz. Nur in großen Stückzahlen produziert ist das Board richtig günstig. Dann kosten 20 Stück gerade einmal 250 US-Dollar. Sammelbestellungen werden sich also lohnen, sobald das Board wieder verfügbar ist.

VoCore

Geschrieben von
Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

avatar
400
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: