Interview mit Artur Speth

Microsoft auf DevOps-Kurs: „Es geht darum, die Mitarbeiter auf eine Reise mitzunehmen“

Hartmut Schlosser

Traditionelle IT-Unternehmen sehen sich heute einer Dynamisierung der Märkte ausgesetzt, in der sich junge Startups mit neuen Business-Modellen und schnellen Release-Zyklen Wettbewerbsvorteile erarbeiten. Wie sich Microsoft diesen neuen Herausforderungen stellt und die Produktentwicklung durch die Einführung einer DevOps-Kultur radikal verändert hat, verrät uns DevOpsCon-Speaker Artur Speth im Interview.

JAXenter: Traditionelle Softwarehersteller haben nicht selten Probleme damit, der gestiegenen Markt-Dynamik gerecht zu werden. Das hat auch Microsoft erkannt und auf DevOps umgestellt, wovon du in deiner DevOpsCon-Session berichtest. Nun gibt es viele Definitionen für DevOps – was ist für dich der zentrale Aspekt daran?

DevOps soll eine kontinuierliche Wertschöpfung hin zum Endanwender ermöglichen.

Artur Speth: Mein Kollege Donovan Brown aus der Produktgruppe beschreibt DevOps als die Verbindung von Personen, Prozessen und Produkten, um eine kontinuierliche Wertschöpfung hin zum Endanwender zu ermöglichen. Ich denke, der zentrale Aspekt besteht dabei darin, die Bereitstellung von Software hin zum Anwender zu optimieren. Nur wenn wir es schaffen, in kurzen Zyklen zu liefern, können wir auch viel eher Feedback von unseren Anwendern erhalten und unser Produkt verbessern.

JAXenter: Nun hat sich also Microsoft auf den Weg hin zu einer DevOps-Kultur begebe. Kannst du uns hier einen kleinen Einblick gewähren? Wie arbeitet die Microsoft Developer Devision heute?

Artur Speth: Mit der Einführung von Team Services, unserem ALM-Produkt aus der Cloud, mussten auch unsere internen Softwareentwicklungsprozesse angepasst werden. Heute legen wir besonderen Fokus auf den Betrieb und die Bereitstellung von neuen Funktionen auf dem Dienst. Die Entwicklung ist sehr stark über Benutzerfeedback getrieben. Dazu betreiben wir mit User Voice eine Platform, auf der unsere Kunden Vorschläge einstellen und bewerten können. Diese übernehmen wir in unser Backlog. Die Entwicklung ist dadurch viel transparenter geworden. Auch haben wir eine „Live-Site“ Kultur innerhalb der Organisation etabliert. Die Verfügbarkeit und der Betrieb des Dienstes hat oberste Priorität, daher brauchen wir Prozesse und Tools, um im Falle eines Fehlers schnell reagieren zu können und entsprechende Maßnahmen zur Behebung von Störungen zu ergreifen. Einen Einblick gebe ich in meiner Session.

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JAXenter: Wie kam es dazu, dass Microsoft den DevOps-Kurs eingeschlagen hat?

Artur Speth: Wir kommen aus einer klassischen Wasserfall-Organisation, die in 2- bis 3-jährigen Produktzyklen Boxprodukte hergestellt und vertrieben hat. Das funktioniert heute nicht mehr. Entwickler möchten schnelles Feedback zu ihrem Code erhalten. Andererseites wollen unsere Kunden nicht 2 bis 3 Jahre auf bestimmte Funktionalitäten im Produkt warten. Aber auch die gesamte Industrie hat sich stark verändert. Es kommen neue innovative Mitbewerber auf den Markt. Hier müssen wir einfach viel agiler und schneller auf sich ändernde Markgegebenheiten reagieren. Das kann nur mit einem Kulturwechsel hin zu DevOps passieren.

JAXenter: Bei der Einführung von DevOps gilt es, lange gepflegte Prozesse und Organisationsformen aufzubrechen, was für viele traditionelle Unternehmen nicht einfach ist. Wie war das bei Microsoft – welche Hürden bzw. Widerstände gab es zu überwinden?

Artur Speth: In der Vergangenheit gab es eine Trennung der Entwicklungsprozesse und Werkzeuge zwischen den einzelnen Organisationsbereichen wie Windows, Office und dem Rest. Heute haben wir über 43.000 interne Benutzer auf Team Services und die Möglichkeit, aus den Erfahrungen anderer Entwicklungsteams zu lernen. Ebenso pflegten wir in der Vergangenheit eine strikte Trennung der Disziplinen „Entwicklung“, „Test“ und „Program Management“. Der Betrieb war gar in einer ganz anderen Organisationseinheit komplett getrennt vom Engineering.

Wir wollten die Zeiten und Probleme bei der Übergabe von Software zwischen den einzelnen Organisationseinheiten verbessern und mussten daher die Organisationsstruktur an agile Prozesse anpassen. Das heißt aber auch, dass viele Verantwortlichkeiten auf die Entwicklungsteams übertragen wurden. Hier muss man erstmal adaptieren. Auch sind wir in dem Zuge auf Git als Versionsverwaltung umgestiegen. Das bedeutet zusätzlichen Lernaufwand und neue Herangehensweisen beim Build- und Releasemanagement.

JAXenter: Was lässt sich hier lernen? Welche Kernbotschaft möchtest du in deiner DevOpsCon-Session vermitteln?

DevOps ist kein Produkt, das ich mir kaufen kann.

Artur Speth: DevOps ist kein Produkt, das ich mir kaufen kann, um mein SW-Engineering zu verbessern. Es geht darum, die Mitarbeiter auf eine Reise mitzunehmen und auch die eigenen Prozesse immer wieder zu überdenken. Und vielleicht können die Zuhörer die ein- oder andere Idee auf ihr SW-Engineering übertragen und anwenden.

JAXenter: Vielen Dank für dieses Interview!

artur-spethArtur Speth arbeitet als ALM-Architect in der Microsoft Developer Experience Group (DX) und ist Spezialist für Visual Studio und Application Lifecycle Management. Nach seinem Aufenthalt in der Visual-Studio-Produktgruppe beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema DevOps und wie dieser Trend innerhalb von Microsoft adaptiert wird. Zuvor war er im Microsoft-Partner-Support als technischer Berater für die Visual-Studio-ALM-Plattform tätig. Aus dieser Zeit kann er auf umfangreiche Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Microsoft-Partnern im Bereich Softwareentwicklung und Software-Development-Lifecycle zurückgreifen. Online ist er über seinen Blog oder auf Twitter zu finden.

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Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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