Interview mit Stefan Tilkov

„Microservices = SOA, The Good Parts“

Claudia Fröhling
Stefan Tilkov über Architektur und Agilität

Architektur und Agilität – wie passen diese offenbar gegensätzlichen Gebiete zusammen? Darüber wird Stefan Tilkov in Kürze auf dem Software Architecture Summit sprechen. Die Wahrheit, so viel sei schon verraten, ist weder schwarz noch weiß. Wir sprachen mit Stefan über dieses Thema und auch über die Frage, warum Microservices derzeit bei Architekten so beliebt sind.

JAXenter: Stefan, du wirst den Software Architecture Summit mit der Keynnote „Architecture? Isn’t that the opposite of Agility?“ eröffnen. Das Verhältnis zwischen Architektur und agilem Vorgehen ist vorbelastet, aber ziehen sich Gegensätze nicht an?

Stefan Tilkov: Ich finde es eigentlich schon falsch, dass es überhaupt zu dieser Vorbelastung gekommen ist. Meiner Meinung nach ist Architekturarbeit, wenn sie gut gemacht wird, nicht nur nützlich, sondern notwendig für ein agiles Vorgehen. Abseits der dogmatischen Vorgehensweisen auf beiden Seiten liegt aus meiner Sicht die Wahrheit, wie so oft, in der Mitte. Darum wird’s natürlich auch in meiner Keynote gehen.

JAXenter: In einem Workshop wirst du außerdem über modulare Systeme sprechen, die man (auch) mit Microservices umsetzen kann. Wieso ist dieser Ansatz deiner Meinung nach momentan so populär?

Tilkov: Hochintegrierte Systeme mit homogenen Strukturen und einem hohen Grad an Wiederverwendung – das hört sich prima an – starten oft großartig und entarten dann in etwas, dass man dann gemeinhin wenig schmeichelhaft als Monolith bezeichnet. In der Situation, mit einem solchen Monolithen umgehen zu müssen, befinden sich immer mehr und insbesondere und gerade auch erfolgreiche Teams. Microservices (in vielen verschiedenen Spielarten) sind ein Mittel, um dem Monolithenproblem zu begegnen, und vielleicht deshalb sind sie deshalb für viele Architekten im Moment so spannend.

Software Architecture SummitEvent-Tipp
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JAXenter: Auf Twitter kursierte schon die Bezeichnung „Microservices = Hipster SOA“. Kannst du dem zustimmen?

Tilkov: Ein Körnchen Wahrheit steckt da auf jeden Fall drin: Viele der Konzepte, die man heute bei Microservices „entdeckt“, sind in Hochzeiten der SOA-Bewegung schon vor fast einem Jahrzehnt populär gewesen. Das ist für manche, die schon damals dabei waren, gelegentlich frustrierend. Auf der anderen Seite gab es und gibt es auch eine andere Interpretation von SOA, die auf schwergewichtige Middleware setzt, und davon emanzipieren sich Microservices sehr deutlich. Ich könnte daher durchaus auch mit Microservices: SOA – The Good Parts als Label umgehen.

„Viele der Konzepte, die man heute bei Microservices „entdeckt“, sind in Hochzeiten der SOA-Bewegung schon vor fast einem Jahrzehnt populär gewesen.“

JAXenter: Wem kannst du den Besuch des Software Architecture Summit empfehlen? Wo siehst du die Zielgruppe?

Tilkov: Ich sehe die Zielgruppe ziemlich klar umrissen angefangen bei erfahrenen, interessierten Entwicklern, die sich für Architekturaspekte interessieren, bis hin zu Architekten, die noch etwas mit Entwicklung zu tun haben wollen. Das muss natürlich in keiner Weise eine Hierarchiestufe oder auch nur verschiedene Rollen bedeuten: Es kommt sicher sehr viel mehr auf das an, was man tut, als darauf, welches Etikett man aufgeklebt bekommt. Wer bei der konkreten Gestaltung oder Integration von Systemen oder Systemlandschaften entscheidend mitredet, ist auf dem Summit bestimmt gut aufgehoben.

Stefan Tilkov ist Geschäftsführer und Principal Consultant bei der innoQ Deutschland GmbH, Autor von „REST und HTTP“, Verfasser diverser Fachartikel, häufiger Sprecher auf Konferenzen und enthusiastischer Anhänger der „Eine neue Programmiersprache pro Jahr“-Philosophie.

Geschrieben von
Claudia Fröhling
Claudia Fröhling
Claudia Fröhling hat in verschiedenen Redaktionen als TV- und Onlineredakteurin gearbeitet, bevor sie 2008 zur Software & Support Media GmbH kam und sich bis 2014 um alle Projekte des Verlages im Ressort Java kümmerte. Claudia hat einen Abschluss in Politikwissenschaften und Multimedia Producing. Ihr Google+ Profil findest du hier.
Kommentare

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2 Kommentare auf "„Microservices = SOA, The Good Parts“"

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john55
Gast

Da die Überschrift aussieht wie eine Gleichung kann der Gedankenstrich gut als Minus gelesen werden. Ändert den Sinn allerdings ein klein wenig 😉

Redaktion JAXenter
Gast

Guter Punkt 🙂 Wir haben den Bindestrich durch ein Komma ersetzt, um Verwechslungen zu vermeiden. Danke!