Interview mit Thomas Stüfe

Mercurial oder Git als VCS für Java 12? „Der einzige Grund für einen Wechsel zu Git wäre, es Neueinsteigern leichter zu machen“

Dominik Mohilo
© Shutterstock / Denis Mikheev

Traditionell läuft die Versionskontrolle für das Java Development Kit (JDK) über Mercurial. Das neue Projekt Skara wurde ins Leben gerufen, um möglicherweise bessere Alternativen zu dem bislang verwendeten SCM-System zu finden. Doch ist dies wirklich eine gute Idee? Wir sprachen mit Thomas Stüfe, Entwickler bei SAP, über die aktuelle Diskussion um den Wechsel.

JAXenter: Hallo Thomas und danke, dass du dir Zeit genommen hast! Derzeit wird diskutiert, ob es eine gute Idee wäre, für das JDK ein neues Versionskontrollsystem zu nutzen. Glaubst du, dass ein Umzug des JDKs von Mercurial auf ein anderes System eine gute Idee wäre?

Thomas Stüfe: Lass uns die Frage eingrenzen: Wäre es eine gute Idee, Mercurial gegen Git auszutauschen, wenn alle anderen Prozesse gleich blieben?

JAXenter: Und wäre es unter den Voraussetzungen eine gute Idee? Welche Vorteile hätte ein Umzug auf beispielsweise Git?

Thomas Stüfe: Ich sehe keine dringenden technischen Gründe für einen Wechsel. Ich arbeite mit beiden Tools und sehe nicht, dass eines signifikant besser wäre.

Meiner Meinung nach wäre der einzige Grund, nach Git zu wechseln, der, es Neueinsteigern leichter zu machen. Git ist inzwischen mehr Mainstream als Mercurial, und eine größere Anzahl von Entwicklern kennen es. Obwohl Mercurial vom Konzept her sehr ähnlich ist, ist es eine kleine zusätzliche Hürde für Neueinsteiger.

JAXenter: Welche Probleme würden sich durch einen Umzug ergeben?

Thomas Stüfe: So eine Änderung erzeugt natürlich Aufwände. Da wir alle genug zu tun haben, sollte man sich so einen Wechsel gut überlegen. Unterm Strich kann ich keine starken Gründe erkennen, die für oder gegen so einen Wechsel sprechen würden. Ich kann mit beiden Systemen leben.

Welches Versionskontrollsystem soll ab Java 12 verwendet werden?

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JAXenter: Gibt es denn auch andere Mercurial-Alternativen außer Git?

Thomas Stüfe: Keine, die ich sinnvoll finde.

JAXenter: Wie sieht es mit dem Review-Prozess aus? Sollte er weiterhin über die Mailing-Listen durchgeführt werden, oder sollte dieser auch verändert werden?

Thomas Stüfe: Was wäre die Alternative? GitHub wurde in den Diskussionen erwähnt, also lass uns das als Vergleich nehmen. Ich sehe viele Probleme mit so einem Umzug. Persönlich wäre mein größtes Problem, auf Mailing-Listen zu verzichten Folgendes:

Die Mailinglisten enthalten jahrelang gesammeltes Wissen. Die Archive reichen weit zurück, meist über eine Dekade, und sind unentbehrlich für unsere Arbeit. Das JDK wird kontinuierlich modernisiert, und dabei muss man sehr oft in der Historie graben. Ohne diese Archive würden wir wahrscheinlich das Rad immer wieder neu erfinden und dieselben Fehler wiederholen. Oder wären paralysiert und der Code würde langsam verfilzen.

Ich würde die Hoheit über diese Mailing-Listen nur sehr ungern einem zentralen Provider wie z.B. GitHub überlassen.

Ich würde die Hoheit über diese Mailing-Listen nur sehr ungern einem zentralen Provider wie z.B. GitHub überlassen. Mailing-Listen sind von Natur aus demokratisch: der Inhalt gehört allen und kann von jedem gelesen, verarbeitet und archiviert werden, mit welchen Tools auch immer. So mag ich es und meiner Meinung nach wäre ein zentraler Provider da ein Schritt zurück.

Ausserdem glaube ich, dass die Plattform, die man nutzt, den Diskussionsstil beeinflusst. Mailing-Listen begünstigen sorgfältig formulierte, präzise Kommunikation. Auf GitHub und anderen Hostern beobachte ich oft einen anderen Stil: Flüssiger, „chattiger“, aber auch weniger präzise und mit weniger Informationsgehalt. Ich bin natürlich nicht sicher, inwieweit das durch die Plattform verursacht wird. Aber alles in allem würde ich gerne bei den alten Mailing-Listen bleiben.

JAXenter: Vielen Dank für das Interview!

Thomas Stüfe arbeitet für SAP am OpenJDK-Projekt. Er ist Committer sowie Reviewer und hat bereits etwa 130 Patches auf dem Buckel. Seit über einem Jahrzehnt arbeitet er mit wechselnder Intensität an OracleJDK/OpenJDK, meistens in den Bereichen Hotspot Runtime, OS Porting und Memory Management.
 

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Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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