Interview mit Patrick Reinhart

Mercurial oder Git als VCS für Java 12? „Der Umstieg auf ein anderes VCS hätte auf den Workflow wenig Auswirkungen“

Dominik Mohilo

© Shutterstock / Denis Mikheev

Traditionell läuft die Versionskontrolle für das Java Development Kit (JDK) über Mercurial. Das neue Projekt Skara wurde ins Leben gerufen, um möglicherweise bessere Alternativen zu dem bislang verwendeten SCM-System zu finden. Doch ist dies wirklich eine gute Idee? Wir sprachen mit Patrick Reinhart, OpenJDK Author und führendes Mitglied der Adopt-OpenJDK-Initiative, über die aktuelle Diskussion um den Wechsel.

JAXenter: Hallo Patrick und danke, dass du dir Zeit genommen hast! Derzeit wird diskutiert, ob es eine gute Idee wäre, für das JDK ein neues Versionskontrollsystem zu nutzen. Glaubst du, dass ein Umzug des JDKs von Mercurial auf ein anderes System eine gute Idee wäre?

Patrick Reinhart: Aus der Sicht eines potentiellen Committers ist Git definitiv die populärere Wahl. Nicht nur wegen den entsprechenden Tools, sondern auch, wenn man sich die Open-Source-Landschaft anschaut, die damit verbunden ist. Auf der anderen Seite ist OpenJDK natürlich nicht nur irgendein Open-Source-Projekt, wie die meisten anderen.

JAXenter: Welche Vorteile hätte ein Umzug auf beispielsweise Git?

Der Umstieg auf ein anderes VCS hätte auf den Workflow wenig Auswirkungen.

Patrick Reinhart: Wie ich bereits sagte, ist Git wohl für neue Mitstreiter als Tool etwas nutzerfreundlicher als Mercurial. Allerdings sieht der ganze Review-Prozess derzeit für das OpenJDK völlig anders aus, als es etwa bei GitHub der Fall wäre: Der Löwenanteil, was die Mitarbeit angeht, findet auf einer der vielen Mailing-Listen statt. Dieser Teil der Entwicklungsarbeit ist genau so wichtig, wie das tatsächliche SCM-Tool selbst.

JAXenter: Welche Probleme würden sich durch einen Umzug ergeben?

Patrick Reinhart: Das kommt, denke ich, darauf an, für welches Tool sich letztlich entschieden wird. Nimmt man beispielsweise Git, könnte das JDK dort einfach gehostet werden, wie man das auch in der Linux-Welt macht, für die es ursprünglich entwickelt wurde. Das hat aber auf den Workflow nicht unbedingt eine Auswirkung, ganz anders, als es der Umstieg auf GitHub für den Review-Prozess hätte.

Welches Versionskontrollsystem soll ab Java 12 verwendet werden?

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JAXenter: Gibt es denn auch andere Mercurial-Alternativen außer Git?

Patrick Reinhart: Wenn das neue SCM Tool Open Source sein soll, sehe ich da nicht wirklich eine Alternative zu Git oder vielleicht Subversion.

JAXenter: Wie sieht es mit dem Review-Prozess aus? Sollte er weiterhin über die Mailing-Listen durchgeführt werden, oder sollte dieser auch verändert werden?

Patrick Reinhart: Der Review-Prozess, so wie er heute existiert, deckt eigentlich die Anforderungen gut ab. Ich könnte mir aber vorstellen, dass man in Sachen Tools versucht, ein wenig die Schwelle für tatsächliche Code-Beiträge zu verringern. Wenn weniger Schritte dafür nötig wären, wäre das sehr hilfreich. Aber um es noch einmal klar zu sagen, der größte Teil der Mitarbeit am JDK findet auf den Mailing-Listen statt und das Versionskontrollsystem hat da unterm Strich wenig Einfluss darauf.

JAXenter: Vielen Dank für das Interview!

Patrick Reinhart hat sich in der IT-Branche von ganz unten hervorgearbeitet und besitzt über 15 Jahre Erfahrung als Java-Entwickler. Er genoss die Programmierung mit Java so sehr, dass er sich ab Java 7 dazu entschloss, am OpenJDK (das Open-Source-Projekt, aus dem Java letztlich besteht) und anderen Open-Source-Projekten rund um die Java-Plattform mitzuarbeiten. Seit Java 8 ist er einer der wenigen Entwickler, die offiziell den Status als „OpenJDK Author“ innehaben. Patrick ist zudem ein führendes Mitglied der Adopt-OpenJDK-Initiative und der Kopf hinter jsplitpkgscan, einem Tool für die Migration auf das Modulsystem von Java.

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Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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