Interview mit Stephen Colebourne

Mercurial oder Git als VCS für Java 12? „Ich denke es wäre großartig, Git anstelle von Mercurial zu nutzen“

Dominik Mohilo

© Shutterstock / Denis Mikheev

Traditionell läuft die Versionskontrolle für das Java Development Kit (JDK) über Mercurial. Das neue Projekt Skara wurde ins Leben gerufen, um möglicherweise bessere Alternativen zu dem bislang verwendeten SCM-System zu finden. Doch ist dies wirklich eine gute Idee? Wir sprachen mit Java Champion Stephen Colebourne über die aktuelle Diskussion um den Wechsel.

JAXenter: Hallo Stephen und danke, dass du dir Zeit genommen hast! Derzeit wird diskutiert, ob es eine gute Idee wäre, für das JDK ein neues Versionskontrollsystem zu nutzen. Glaubst du, dass ein Umzug des JDKs von Mercurial auf ein anderes System eine gute Idee wäre?

Meiner Meinung nach wäre es eine großartige Idee, Git anstelle von Mercurial zu nutzen.

Stephen Colebourne: Was auch immer man über die Eigenschaften der einzelnen SCM-Systeme denken mag, ist es doch ziemlich deutlich, dass Git sich gegen Mercurial ultimativ durchgesetzt hat. Und da dies der Fall ist, macht es natürlich nur Sinn, den Umzug des JDKs auf die am weitesten verbreitete, populärste und von Entwicklern verstandene SCM-Plattform in Erwägung zu ziehen. Meiner Meinung nach wäre es eine großartige Idee, Git anstelle von Mercurial zu nutzen. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, das JDK auf irgendein anderes SCM-System umzuziehen.

JAXenter: Welche Vorteile hätte ein Umzug auf beispielsweise Git?

Stephen Colebourne: Git ist bekannter und wird deutlich öfter als Mercurial genutzt, auch das auf Git basierende Tooling ist wesentlich umfangreicher. Außerdem könnte man GitHub als Hoster nutzen oder einen anderen zentralen Host, was meist dazu führt, dass die Bekanntheit des Projektes steigt.

JAXenter: Welche Probleme würden sich durch einen Umzug ergeben?

Stephen Colebourne: Committer beim JDK (ich selbst bin übrigens keiner) müssten ihr Tooling auf das neue SCM-System umstellen und den Umgang mit diesem erlernen. Die Source History würde aber erhalten bleiben, das wäre also kein wirkliches Problem.

Welches Versionskontrollsystem soll ab Java 12 verwendet werden?

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JAXenter: Gibt es denn auch andere Mercurial-Alternativen außer Git?

Stephen Colebourne: Das denke ich nicht. Wenn Git als Ziel nicht in Frage kommt, dann kann man auch weiterhin auf Mercurial setzen.

JAXenter: Wie sieht es mit dem Review-Prozess aus? Sollte er weiterhin über die Mailing-Listen durchgeführt werden, oder sollte dieser auch verändert werden?

Stephen Colebourne: Viele Entwickler, die am JDK mitarbeiten, empfinden den aktuellen Review-Prozess über die Mailing-Listen als etwas Positives. Das kann ich zwar nachvollziehen, aber ich denke es fördert Missverständnisse, wenn man nicht einfach einen Kommentar zu einer bestimmten Antwort direkt hinzufügen kann. Pull Requests im GitHub-Stil sind für große Projekte eine Herausforderung, aber das ist bei Mailing-Listen auch nicht anders – Eine perfekte Lösung ist mir jedenfalls bislang nicht untergekommen.

Der erste Schritt jetzt sollte sein, das JDK auf Git umzuziehen, ohne den Review-Prozess zu ändern. Wenn wir die Diskussion um den Review-Prozess von der um das SCM-System abkoppeln, wird die ganze Geschichte deutlich einfacher.

JAXenter: Vielen Dank für das Interview!

Stephen Colebourne arbeitet seit Version 1.0 mit Java. Er ist ein Java Champion und JavaOne Rock Star Speaker. Bei OpenGamma produziert er Open Source Software für die Finanzindustrie, ist aber vor allem für seine Arbeit an Datum und Zeit in Java bekannt.

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Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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