Meinungsbild: Copyrights auf APIs? Nein Danke!

Hartmut Schlosser

„Der Urheberrechtsschutz auf Programmierschnittstellen (APIs) auszudehnen, würde die Interoperabilität und Interaktion unterminieren, die eine Hauptquelle von Innovation darstellen“, schreibt die Los Angeles Times in ihrem Editorial vom 29. Mai. Im Visier ist natürlich der Fall Oracle gegen Google, bei dem noch die Entscheidung aussteht, ob APIs im US-amerikanischen Recht durch ein Copyright geschützt werden können (eine Frage, die übrigens vom Europäischen Gerichtshof schon verneint worden ist). Folge eines solchen Copyright-Schutzes auf APIs wäre laut Los Angeles Times eine Klagewelle der IT-Riesen, um von den Nutzern der APIs Lizenzgebühren einzufordern – besonders von solchen Nutzern, deren Programme eine starke Marktposition erreicht haben.

Das Fazit der Los Angeles Times:

Google earns no plaudits for creating a version of Java that doesn’t inter-operate with the ones Sun championed. But that doesn’t justify stretching the bounds of copyright law to give Oracle control over Java’s APIs.

Ähnlich sieht es Java-Magazin-Chefredakteur Sebastian Meyen, der im aktuellen Java-Magazin-Editorial schreibt, dass derzeit ein im Software-Bereich pervertiertes Patentrecht für die Großen der Branche zu einer alltäglichen Waffe im Kampf um Marktanteile geworden ist.

Es sieht so aus, als steuerten wir auf eine Periode zu, in der nicht die bessere Technologie oder das innovativere Produkt über den Erfolg entscheiden, sondern erstrangig die Frage, wer das größere Portfolio an Patenten besitzt, die gegen den Gegner in Stellung gebracht werden können.

Ursprünglich entwickelt, um Erfindergeist zu schützen und dem Markt einen kontinuierlichen Fluss an Innovationen zukommen zu lassen, dienten die Softwarepatente heute dazu, Innovation zu verhindern.

Und so haben auch Sie sich im letzten Quickvote klar gegen die Möglichkeit ausgesprochen, APIs durch ein Copyright zu schützen. 80 Prozent votierten mit „Nein“. Hier das Ergebnis im Überblick:

Sollten APIs durch Copyright geschützt werden können?

  • Ja (6%)
  • Nein (80%)
  • Das kommt auf die jeweiligen APIs an (12%)
  • Dazu habe ich keine Meinung (3%)
  • Teilnehmer: 283

Bisher deuten die Zeichen in die Richtung, dass Richter William Alsup dazu tendiert, sich der Meinung des Europäischen Gerichtshofes – und wohl des Gros‘ der Entwicklerzunft – anzuschließen. Von Oracles angemeldeten Ansprüchen sind vor Gericht jedenfalls nicht mehr viele übrig geblieben: zurückgewiesene Patente und lediglich neun Zeilen Code, die das Copyright verletzt haben könnten. Die Entscheidung wird in den nächsten Wochen erwartet.

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Hartmut Schlosser
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