Interview mit dem neuen Projektleiter Florian Waibel

Mehr Engagement für Eclipse Virgo

Diana Kupfer
Florian Waibel

Florian Waibel arbeitet für EclipseSource in Deutschland an OSGi-basierten Projekten. Er ist außerdem langjähriger Committer des Eclipse-Projekts Virgo und hat die Rolle der Projektleitung im Spätjahr 2013 übernommen. Wir haben ihn nach seinen bisherigen Aufgaben im Projekt und seinen Plänen für Virgo gefragt.

JAXenter: Seit wann bist du am Virgo-Projekt beteiligt?

Florian Waibel: Es begann vor drei Jahren, als ich versuchte, Virgo als weitere Plattform für RAP-Anwendungen [Remote Application Platform, ein von EclipseSource entwickeltes Open-Source-Framework] zu erschließen. Im gleichen Jahr noch traf ich mich im verschneiten Southampton mit Gleichgesinnten zum Virgo-Face-to-Face.

JAXenter: Worauf lag bei der Projektentwicklung bislang dein Fokus?

Waibel: Zu Beginn war der Fokus ganz klar, den Einsatz von RAP unter Virgo zu ermöglichen und kontinuierlich zu vereinfachen. Im weiteren Verlauf arbeitete ich hauptsächlich am Virgo Kernel. Aktuell migriere ich den Virgo-Unterbau auf das neueste Equinox API.

JAXenter: Aus Zeitmangel wolltest du zunächst nicht als neuer Virgo-Projektleiter antreten. Wieso hast du dich dann doch anders entschieden – war es die einzig mögliche Rettung vor der Archivierung des Projekts?

Waibel: Als Glyn mich fragte, ob ich die Projektleitung übernehmen will, war meine spontane Reaktion: Klar will ich das! Ich zögerte jedoch, da ich diese Entscheidung nicht leichtfertig treffen wollte. Bei gleichbleibendem Zeitbudget hätte dies bedeutet, dass ich vermehrt administrative Aufgaben statt Coding übernehmen müsste. Verglichen mit den anderen aktiven Committern hatte ich bis dato weniger Zeit in das Projekt investiert und wollte hier nicht vorschnell eine Entscheidung herbeiführen. In den nachfolgenden Wochen evaluierten wir bei EclipseSource die Möglichkeiten, unser Engagement in Virgo zu erweitern und haben uns dafür entschieden.

Ob es die einzig mögliche Rettung war, will mir meine Kristallkugel nicht sagen. Mein Bauchgefühl sagt mir jedoch, dass die aktive Community um Virgo eine Lösung gefunden hätte.

JAXenter: Bist du nun froh, die Projektleitung innezuhaben und bereit für die Aufgabe?

Waibel: Definitiv, ja. Aufgrund meines Interesses am Springframework und OSGi verfolge ich seit der Ankündigung der Spring Application Platform vor fünf Jahren mit regem Interesse die Entwicklung über den SpringSource dm Server hin zu Virgo. Ich freue mich darauf, mehr Verantwortung für Virgo übernehmen zu dürfen.

JAXenter: Für jemanden, der das Projekt noch nicht kennt: Wie genau ist EclipseSource mit Virgo verbandelt, wofür wird kommerzielle Unterstützung geboten?

Waibel: Für alle Nutzer, die Virgo in geschäftskritischen Prozessen einsetzen, bieten wir professionellen Support mit flexiblen SLAs an. Nachdem Eclipse mit der Long Term Support Working Group jetzt auch eine Infrastruktur für erweiterte Maintenance geschaffen hat, werden wir auf dieser Basis auch langjährige Wartung für Virgo-Releases anbieten.

Unter dem Begriff „Sponsored Development“ ermöglichen wir die Zusammenarbeit zwischen Anwender und Hersteller. Dabei erhält der Anwender die zugesicherten Funktionalitäten, und der Hersteller profitiert von der finanziellen Unterstützung der Weiterentwicklung sowie dem praxisnahen Input von Anforderungen. Die Community als Ganzes wiederum profitiert von den Verbesserungen. Beispielsweise haben wir Nebula Grid Support in RAP als Sponsored Development für die Allianz implementiert, davon profitiert die gesamte RAP Community.

Nachdem Eclipse mit der Long Term Support Working Group jetzt auch eine Infrastruktur für erweiterte Maintenance geschaffen hat, werden wir auf dieser Basis auch langjährige Wartung für Virgo-Releases anbieten.

JAXenter: Wie eng sind die Beziehungen zum Gemini-Blueprint-Projekt, das ebenfalls eine Zeit lang führerlos war?

Waibel: Neben Gemini Blueprint ist auch das Virgo-„Schwester“-Projekt Gemini Web eine integrale Komponente von Virgo. Gerade deshalb bin ich so glücklich, dass sie von den aktiven Virgo-Committern Dmitry Sklyut und Violeta Georgieva geleitet werden, die ich beim Virgo-Face-to-Face in Southampton persönlich kennen gelernt habe.

JAXenter: Wie stark ist der ehemalige Leiter Glyn Normington noch am Projekt beteiligt?

Waibel: Er ist der allgegenwärtige gute Geist im Virgo Forum und hilft bei besonders kniffligen Fragen gerne aus. Darüber hinaus ist er federführend an der Entwicklung einer auf Virgo basierenden Demo-Anwendung für Juju, dem Service-Orchestrierungs-Tool von Ubuntu beteiligt.

JAXenter: Was sind nun die nächsten Schritte im Projekt?

Waibel: Das Hauptaugenmerk wird in nächster Zeit auf der Fertigstellung des aktuellen Entwicklungszweigs mit dem Upgrade auf Gemini Blueprint 2.0 liegen.

Geschrieben von
Diana Kupfer
Diana Kupfer
Diana Kupfer war Redakteurin bei S&S Media für die Zeitschriften Java Magazin, Eclipse Magazin und das Portal JAXenter. 
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