JAX 2018

Redet mit dem Management! – DevOps bei der JAX 2018

Marcel Richters

© Shutterstock.com / Sky Motion

DevOps wird in immer mehr Unternehmen in die Prozessabläufe integriert. Soweit, so gut. Aber wie steht es mit der Rolle des Managements? Dieses bleibt noch zu oft außen vor. Auch wenn Devs und Ops miteinander reden, stehen sie jetzt gemeinsam vor der Mauer zum Management. Auch hier muss sich etwas tun, war der Tenor des DevOps Days auf der JAX 2018.

Die meisten Entwickler, Administratoren und Manager leben noch immer in Silos, so erscheint es. Während DevOps zunehmend dazu beiträgt, die Mauern zwischen Devs und Ops abzubauen, hat sich bei der dritten Spezies – den Managern – scheinbar noch nicht so viel getan. Daher lag der Fokus bei gleich mehreren DevOps-Sessions der JAX 2018 genau auf diesem Problem: Wie begeistere ich die Führungsetage für DevOps?

Hört auf, Pakete zu werfen!

DevOps ist keine Technologie, sondern ein Mindset, eine Philosophie. Das machte Jacob Tiedeman (direkt gruppe) gleich zu Beginn des DevOps Days der JAX 2018 klar. Doch eine neue Philosophie lässt sich oftmals schwieriger durchsetzen als eine neue Technologie. Denn dafür braucht es einen radikalen Bruch mit dem bisher Dagewesenen. Während Devs und Ops noch mehr oder weniger dieselbe Sprache sprechen, wird es bei CEOs schon schwieriger. Wir stellen uns einen durchschnittlichen Manager vor: Dieser kümmert sich um Unternehmenskennzahlen, Absatz und vielleicht noch das Marketing. Die IT läuft irgendwo „unter der Haube“ und soll tun, was man ihr sagt.

Oft werden Pakete über Mauern geworfen – eine neue Website konstruieren, den Kunden eine schickere App zur Verfügung stellen – und dann heißt es: Macht mal. Aber warum es die schickere App braucht oder die Website neu konstruiert werden muss, sagt der IT niemand. Diese macht dann ihren Job, schiebt vielleicht nebenbei noch haufenweise technologische Schulden vor sich her und wartet seit Monaten auf Updates ihrer Hard- und Software. Und das Management erfährt nichts davon und wundert sich, warum alles so lang dauert.

Das lässt sich nur ändern, indem die IT mit dem Management spricht. Auch mal von sich aus. Wer ständig mit einer „Cover your ass“-Mentalität Tickets abarbeitet, muss sich auch nicht wundern, wenn das erfüllende Gefühl beim Deployment von per DevOps und Continuous Delivery veredelten Produkten ausbleibt.

InnerSource und DevOps

Wie das gehen kann, zeigten Johannes Nicolai und Lilli Seyther-Besecke (GitHub). Denn DevOps lässt sich ganz hervorragend mit InnerSource verbinden, und sogar DAX-Konzerne setzen auf das Konzept. InnerSource entspricht dabei dem Open-Source-Gedanken, allerdings wird der Zugriff auf eine bestimmte Organisation beschränkt. So kann beispielsweise jeder Entwickler in einem großen Unternehmen an internen Projekten mitarbeiten, von außerhalb ist es aber nicht möglich, auf Repositories zuzugreifen. Natürlich gibt es dann noch immer die Möglichkeit, auch interne Projekte offen zugänglich zu machen.

Besonders für den Bereich DevOps bietet InnerSource mehrere Vorteile. Die Software kann von allen Nutzern und Entwicklern jederzeit eingesehen werden, Informationen fließen freier, Verbesserungen können ohne große Umwege per Pullrequest integriert werden. Die gesamte DevOps-Schleife braucht so sehr viel weniger Eingriffe von außen. Tests können anhand eigener Branches durchgeführt werden, Responds und Planung können über die Dokumentation erfolgen. Sogar das Release lässt sich mit InnerSource-Tools erledigen.

Die richtigen Tools nicht vergessen

À propos Tools: Wenn das Management überzeugt ist und die Builds gemeinsam entwickelt werden, dann fehlt es nur noch an den richtigen Werkzeugen, um Continuous Delivery und Automatisierung umzusetzen. Dafür hatten Henning Pausch und Manuel Weidmann (Seven Principles AG) wichtige Tipps auf Lager. Von der Nutzung von Ansible über Review-Apps bis zu (wenn notwendig) Rollback-Tools steht eine ganze Kette von Werkzeugen zur Verfügung, die für die erfolgreiche Umsetzung von DevOps notwendig und hilfreich sind. Und auch hier gilt: Bei der IT hört es noch lange nicht auf. Von angepassten Businessmetriken bis zum Monitoring braucht es Kommunikation und präzise Planung. Denn: Wer im Vorfeld ordentlich plant, muss später nicht so viel an seiner Pipeline schrauben.

Von der Schleife zur Triskele

Natürlich braucht es auch an dieser Stelle einiges an Überzeugungsarbeit, um für einige vielleicht abenteuerliche Ideen neue Tools in den DevOps-Kreislauf zu integrieren. Oder sollten wir lieber BizDevOps sagen? Denn eigentlich ist die DevOps-Schleife eine Triskele, die auch das Management miteinschließen sollte.

DevOps-Schleife

Die berühmte DevOps-Schleife muss um das Management ergänzt werden. Quelle: Shutterstock.com /
Kalakruthi

Diese Erkenntnis zieht sich wie ein roter Faden durch alle DevOps-Vorträge bei der JAX 2018: Die Kooperation zwischen Devs und Ops war lange Thema, es hat sich herumgesprochen, wie wichtig sie ist. Aber jetzt muss das Management mit ins Boot geholt werden. Nur mit deren Hilfe ist es nachhaltig möglich, eine Unternehmenskultur zu schaffen, die dabei hilft, DevOps umzusetzen. Ist die passende Kultur erst einmal etabliert, braucht es nur noch die entsprechenden Werkzeuge und Infrastruktur, um den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Wir sind gespannt, wie viel sich bis zur JAX 2019 in diesem Bereich getan hat!

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Marcel Richters
Marcel Richters
Marcel hat Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main studiert und danach als E-Commerce-Manager gearbeitet. Seit Februar 2018 unterstützt er das Team von JAXenter als Redakteur. Daneben arbeitet er als freier Journalist in der Mainmetropole.
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