„Man gewinnt, indem man loslässt“

EM: Ist es Ihrer Erfahrung nach schwieriger, die technologische Seite davon zu überzeugen, dass Zusammenarbeit Sinn macht, oder die Unternehmen?

Milinkovich: Es ist definitiv schwieriger, die Unternehmen davon zu überzeugen. Die Unternehmen sind manchmal so in ihrer eigenen Kultur gefangen, dass es ihnen nur um den Wettbewerb geht. Auf der Universität gibt es ja auch keine Kurse, die z.B. „Die Strategie der Zusammenarbeit“ heißen oder so was. Die akademische Forschung in der Betriebswirtschaft hinkt da mittlerweile der Realität hinterher.

EM: Gerade unter dem Aspekt der Kooperation betrachtet, wird deutlich, dass die IT-Industrie anderen Industrien hinterherhinkt. Im Automobilsektor wird seit vielen Jahren eng zusammengearbeitet, weil in bestimmten Bereichen einfach ein Zwang dazu besteht.

Deutscher: Es kommt darauf an, welchen Teil der IT-Industrie man betrachtet. Als Open Source Distribution Provider ist es zum Beispiel das Kerngeschäft von Sopera, die richtigen Open-Source-Komponenten auf dem Markt zu finden, sie zu integrieren und zu zertifizieren, und darauf aufbauend Services anzubieten. Ein solches Geschäftsmodell ist Ausdruck eines hohen Levels an Vernetzung und Wiederverwendung. Wenn die traditionellen Händler hier nicht aufholen, werden sie an Boden verlieren. Ich persönlich denke, dass zum Beispiel SAP aufgrund von Open-Source-Business-Anwendungen in fünf bis zehn Jahren ein ernsthaftes Problem haben wird. SugarCRM z.B. fangen mit dem Mittelstand als Zielgruppe an, aber sie werden wachsen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie SAP-Konkurrenten sein werden. Die Dinge ändern sich mit Open Source – und das ist genau, was Sopera auf dem SOA-Markt erreichen will.

EM: Vielen Dank für das Gespräch.

Dr. Ricco Deutscher ist Geschäftsführender Gesellschafter von Sopera. Bevor er zu Sopera kam, hat Deutscher als Architektur- und Technologie-Experte bei der Unternehmensberatung McKinsey internationale Architekturprojekte geleitet. In dieser Funktion hat er insbesondere die Themen SOA und Open Source innerhalb von McKinsey entwickelt. Darüber hinaus war Deutscher Mitgründer und Vorstand der flatfox AG, einem Anbieter für E-Mail-Marketing-Technologien. Seine berufliche Laufbahn startete er als Software-Architekt bei der SAP AG in Walldorf. Dr. Ricco Deutscher hat Physik an den Universitäten Leipzig und Moskau studiert und im Bereich Theoretische Physik in Hannover promoviert.

Mike Milinkovich ist Executive Director der Eclipse Foundation. Zuvor war er Vice President der Development Group bei Oracle und hat das Application Server Technical Services Team geleitet, welches die strategischen Kunden und Partner von Oracle im Bereich der Application Server unterstützt. Bevor er zu Oracle kam, war Milinkovich bei WebGain als Vice President of Worldwide Services und als Kanada-Leiter von WebGain beschäftigt. Des Weiteren arbeitete er für The Object People, ein weltweites auf technisches Consulting und Training spezialisiertes Unternehmen, und für IBM, wo er für das internationale Produktmarketing einer Software-Produktfamilie zuständig war. Er hat einen Master of Science in Informations- und Systemwissenschaften und einen wirtschaftswissenschaftlichen Hochschulabschluss an der Carleton University gemacht.

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