Skål, Hr. Robot

KI-Whisky aus Schweden: Brennerei Mackmyra nutzt Machine Learning

Dominik Mohilo
© Shutterstock / Suslik1983

Machine Learning ist heutzutage in aller Munde – die schwedische Brennerei Mackmyra hat diese Aussage wörtlich genommen: Mit Hilfe von Machine-Learning-Algorithmen wurde der Mackmyra Intelligens AI:01 erschaffen, der erste von einer künstlichen Intelligenz geblendete Whisky. Wir haben mal gekostet…

Mit Machine Learning lassen sich heute viele Dinge automatisch durchführen, die sonst langwierig, subjektiv und arbeitsintensiv sind. Das maschinelle Lernen sorgt dabei natürlich auch für Kontroversen, denn ein Computer kann sehr viel zuverlässiger auf einen sehr viel größeren Speicher als der einzelne Mensch zurückgreifen. Dadurch – so die Angst bei vielen – wird der Mensch zunehmend obsolet. Ob das stimmt, haben wir uns am Beispiel des Mackmyra Intelligens AI:01 angesehen.

Intelligenz – powered by Microsoft Azure

Schon auf der entsprechenden Produktseite gibt die Brennerei an, dass der Einsatz künstlicher Intelligenz den zeitaufwendigen Prozess der Whisky-Kreation, also unterm Strich dem Erstellen eines Rezeptes, automatisieren kann. Natürlich ist das genau das, was normalerweise der oder die Master Blender/in macht. Und genau hier kommt das Dilemma ins Spiel: Sind die künstliche Intelligenz und die Machine-Learning-Modelle wirklich besser dazu in der Lage, am Ende des Prozesses ein Rezept für einen guten Geschmack auszuspucken?

Rein technisch basiert die künstliche Intelligenz erst einmal auf Machine-Learning-Modellen, die Daten analysieren. Diese Daten bestehen zum Beispiel aus den Rezepten der Brennerei, insbesondere derer von erfolgreichen und ausgezeichneten Whiskys. Hinzukommen Informationen über Absatzzahlen und die Vorlieben der Kunden. Mackmyra schreibt, dass die KI aus dem Datenset über 70 Millionen Rezepte erstellen kann – diese sollen besonders beliebt und höchsten Qualitätsansprüchen genügen. Aus all diesen Rezepten wurde dann die wohl beste ausgesucht.

Technische Grundlage für die Erschaffung dieses Sammelsuriums an Rezepten ist die Cloud-Plattform Microsoft Azure (als Infrastruktur und Hosting-Plattform) und die kognitiven AI-Services, die vom finnischen Beratungsunternehmen Fourkind entwickelt wurden. Natürlich stellt sich da die Frage, wie eine künstliche Intelligenz überhaupt in der Lage sein kann, ein Rezept zu erstellen. Was schmeckt für einen Computer „gut“? Jarno Kartela von Fourkind sagt dazu:

Algorithms don’t have senses so we need another take on how to understand something so complex as whisky. Although lacking human expertise, we can teach machines to understand what elements previous recipes and products are made of and how they are perceived and ranked by customers and experts. With this as a raw data asset, we can leverage a combination of explorative algorithms to generate endless new recipes and products and then use a set of discriminative algorithms to understand which of them might be great, repeating until better recipes are not found. This requires a lot from the computation side, as we need millions of iterations while keeping track of what worked and what did not before reaching a solid guess of a good new whisky.

Der Geschmackstest

Natürlich macht diese Antwort und auch das Gesamtkonzept neugierig. Mackmyra war daher so nett, der Redaktion von JAXenter, eine Flasche des Wassers des (künstlichen) Lebens zu schicken, die wir (natürlich nach Feierabend 😉 ) einer Untersuchung unterzogen haben.

Offiziell

Doch bevor ich meine persönlichen Geschmacksnoten teile, hier die offiziellen Tasting Notes von Mackmyra:

Nose (Geruch): Toffee und cremige Vanille, feine Oloroso-Noten und Zitrusfrucht, Birnen und Äpfel. Kräuternote mit Anis, Ingwer und weißem Pfeffer sowie ein leichter Geruch von ausgebrannten Eichenfässern.

Taste (Geschmack): Vanille mit feinen Eichennoten, fruchtig mit Zitrus und Birnen, Tabakblättern und ein ganz feiner Hauch von Rauch.

Aftertaste (Abgang): Fruchtig und nach Eiche schmeckend, leicht salzig mit einem eher trockenen Ende.

Dominik

Der Whisky in der Flasche und dann auch im Glas hat, das geben die offiziellen Geschmacksangaben nicht her, eine eher ölige Textur. Er liegt nicht so schwer im Glas wie eine sogenannte „Sherrybombe“, also ein Whisky, der für Jahrzehnte im Sherryfass gelagert wurde, doch für einen vermutlich recht jungen Vertreter der Zunft ist er eher dickflüssig. Die Farbe ist etwas dunkler als golden, aber noch kein Bernstein – die Wahrheit liegt dazwischen.

Nose (Geruch): In der Nase hat der Mackmyra Ingelligens AI:01 eine deutliche Fruchtigkeit und die Vanille kommt ebenfalls recht deutlich durch. Im Gegensatz zu den offiziellen Notes würde ich aber sagen, dass er eher etwas in Richtung Frühstücksflocken, nicht in Richtung Kräuterwürze tendiert.

Taste (Geschmack): Am Gaumen wieder Cerealien und leichte Vanille, diesmal abgerundet mit einer leichten Holzigkeit. Ich persönlich meine auch Nüsse herausgeschmeckt zu haben.

Aftertaste (Abgang): Der Geschmack setzt sich auch im Abgang fort – dieser ist allerdings eher kurz, das kennt man von jüngeren Whiskys, ältere Abfüllungen sind deutlich intensiver im Abgang.

AI:01 Intelligens from Fourkind on Vimeo.

Fazit

Der Mackmyra Intelligens AI:01 ist ein Experiment. Das merkt man dem Whisky allerdings nicht an – er stünde jeder guten Brennerei als junge Standardabfüllung gut zu Gesicht. Die Idee, eine künstliche Intelligenz den Blendvorgang durchführen und das Rezept erstellen zu lassen kommt allerdings mit genau dem stereotypischen Nachgeschmack, den man von so einer Abfüllung erwartet: der Geschmack ist massentauglich.

Damit meine ich, dass der Whisky zwar in der Tat sehr gut schmeckt, allerdings eben keine Ecken und Kanten hat, die man sich in dem Bereich erhofft: Die Maschine kann eben zwar eine herausragende Qualität und einen guten Geschmack garantieren, wenn allerdings die Datensets auf bestehenden Rezepten und der Vorliebe von vielen Menschen basiert, dann wird das Ergebnis zwangsläufig eben generisch und nicht speziell. Aber ist es nicht gerade das, was wir in unserem Lebenswasser suchen?

Interessant ist das Experiment allemal und zeigt, wofür künstliche Intelligenz genutzt werden kann. Wer sich gerne selbst ein Urteil erlauben möchte, der sollte auf jeden Fall auf der Webseite von Mackmyra vorbeischauen. Dort kann man den Whisky bestellen und auch weitere Informationen darüber erhalten.

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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