Künstliche Intelligenz, so weit das Auge reicht

Machine Learning, Automatisierung & Co: Die wichtigsten Trends der digitalen Transformation

Dirk Pohla

© Shutterstock / metamorworks

Auch im Jahr 2019 ist die Digitale Transformation noch ein Kernthema im Unternehmensumfeld. Besonderes Augenmerk liegt hierbei allerdings nicht mehr allgemein auf dem „Sprung ins digitale Zeitalter“, womit ursprünglich ja die grundlegende Unterstützung der Arbeitsprozesse durch den Computer gemeint war. Stattdessen geht es immer mehr um Möglichkeiten, den Computer in Form von Machine Learning und intelligenter Automatisierung die Arbeit nicht nur zu unterstützen, sondern möglich gleich selbst machen zu lassen. Was in diesem Jahr (und darüber hinaus) wichtig wird, bespricht Dirk Pohla, Director für die DACH-Region der Appian Software Deutschland GmbH, in diesem Artikel.

In der Vergangenheit reichte es meist aus, ein Produkt oder einen Service leicht zu verbessern, zu aktualisieren oder den Preis zu reduzieren. Unternehmen waren mit diesem Rezept jahrelang erfolgreich und fuhren Gewinne ein. Doch damit ist es nun vorbei. Auch durch die rasante Evolution von künstlicher Intelligenz (KI) sind Wettbewerbsvorteile schnell vergänglich. So ist beispielsweise das Durchschnittsalter eines Unternehmens im Standard & Poor’s (S&P) 500 Index von 60 in den 1950er Jahren auf heute nur noch 20 Jahre gesunken, wie eine Studie der Credit Suisse zeigt. Darüber hinaus sind fast die Hälfte aller Fortune-500-Unternehmen der vergangenen 20 Jahren nicht mehr auf dem Markt. Weitere geschätzte 40 Prozent der heutigen Liste werden in den kommenden zehn Jahren nicht mehr existieren. Die Frage ist daher: Wie können Unternehmen der Gefahr einer solchen Disruption zuvorkommen?

Und wie sind Organisationen dann in der Lage, ihr Geschäft auf Jahre erfolgreich weiterzuentwickeln? Denn selbst die vielversprechendsten Unternehmen wissen um die Disruption und die Veränderungen, die sie mit sich bringt. Sie sind sich allerdings auch der Chancen bewusst, diesen Wandel für Innovationen und Wachstum zu nutzen. Appian hat daher einige der renommiertesten Denker weltweit befragt, wie die wichtigsten digitalen Trends für das Jahr 2019 und darüber hinaus aussehen.
Ein kurzer Überblick:

  • Bis 2019 werden 30 Prozent aller Großunternehmen dank künstlicher Intelligenz Umsätze aus einem Data-as-a-Service (DaaS)-Angebot generieren.
  • Insgesamt 40 Prozent aller Initiativen im Bereich digitale Transformation nutzen in diesem Jahr KI-Services.
  • In den nächsten drei Jahren, bis 2021, werden 75 Prozent aller kommerziellen Unternehmensanwendungen KI integrieren und mehr als 50 Prozent der Verbraucher werden mit künstlicher Intelligenz interagieren.
  • Personal Digital Assistants und Bots beeinflussen bis 2020 bereits zehn Prozent aller Verkäufe.

Bis dahin werden sich die künstliche Intelligenz und die entsprechenden Algorithmen stetig weiterentwickeln – ihre Aufgaben werden bald über das Abrufen von Informationen hinausgehen. Die KI wird im Alltag eine immer größere Rolle spielen. So treffen intelligente Systeme bereits heute Milliarden von Entscheidungen, die viele Aspekte des Lebens beeinflussen. Dazu gehören augenscheinlich banale Dinge wie die Frage, wer Seife aus einem Seifenspender erhält. Aber auch wichtige Entscheidungen werden durch KI getroffen oder zumindest faktengestützt und vorbereitet. Beispiele, in denen KI Unternehmen oder Mitarbeiter unterstützt, reichen von Kreditfreigaben bis hin zu Entscheidungen, welcher Bewerber den Zuschlag für einen Job bekommt, welcher Häftling auf Bewährung entlassen wird oder vieles mehr. Experten warnen jedoch vor einem Ansatz, bei dem KI nur möglichst schnell und ohne genaue Überlegungen eingeführt wird.

Deshalb sehen ethisch orientierte KI-Experten wie Joanna Bryson es als essenziell an, dass Unternehmen verstehen, wie die KI Entscheidungen trifft und damit festlegt, was Nutzer zu sehen bekommen (und was nicht) – und wer verantwortlich ist, wenn etwas schiefgeht. „Wir sollten von unserer Software überzeugt sein“, erklärt Bryson, Informatikerin an der University of Bath in Großbritannien. „Und wir sollten für ihre Ergebnisse verantwortlich sein.“

Künstliche Intelligenz wird heute schon überall eingesetzt – Unternehmen wie Verbraucher sollten dies nicht vergessen. Vielleicht eine der größten Herausforderungen, vor denen wir in Zukunft stehen werden: Wir müssen die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen berücksichtigen, wenn wir heute nicht der Sorgfaltspflicht nachkommen und KI keinen rechtlichen, politischen und sozialen Rahmen geben. „Zwischen 2007 und 2012 gab es einen großen Sprung hinsichtlich der KI-Fähigkeiten“, so Bryson. „Wir hatten eine deutlich größere Datenmenge zur Verfügung und verbesserten uns beim Machine Learning. Langfristig werden wir immer schnellere Fortschritte sehen… Daher ist jetzt der beste Zeitpunkt, um herauszufinden, wie wir KI in unser Leben integrieren.“

Intelligente Automatisierung – Künstliche Intelligenz praktisch eingesetzt

Der von KI angetriebene Trend der intelligenten Automatisierung (IA) ist ein weiterer Bereich, der an der Schwelle zu einem enormen Wachstum steht. In der Vergangenheit beschränkte sich die intelligente Automatisierung darauf, komplexe Back-Office-Prozesse zu übernehmen und so die Mitarbeiter von repetitiven Aufgaben zu entlasten. Darunter fällt beispielsweise die Finanzabwicklung in Banken oder die Provisionierung von Services in umfangreichen Telekommunikationsnetzen. Dank Cloud Computing lässt sich dies jetzt einfacher und kosteneffizienter realisieren. Unternehmen können damit ein breites Spektrum an Aufgaben über alle Abteilungen hinweg automatisieren, zum Beispiel bei der Bereitstellung eines besseren und schnelleren Kundenservice, bei dem Verbraucher direkt die gewünschten Antworten erhalten und nicht in einer Warteschleife landen. Andere Organisationen setzen IA dazu ein, ihre Vertriebskanäle, Betriebsmodelle und den Tagesbetrieb transparenter zu gestalten.

Mit anderen Worten: Unternehmen, die darauf warten, dass der IA-Hype nachlässt oder Pläne für IA-Pilotprojekte langsamer angehen, sollten dies sorgfältig hinterfragen. Organisationen, die nicht in Automatisierung investieren und diese einführen, gehen das Risiko ein, künftig nicht mehr erfolgreich am Markt zu sein und gegen Wettbewerber zu verlieren.

Viele CXOs nehmen daher von den früher gepredigten zehn Prozent Kostenersparnis Abstand. Sie konzentrieren sich eher darauf, die prognostizierten Einsparungen von 20 bis 40 Prozent zu realisieren, die ihnen der Einsatz von digitaler Arbeitskraft einbringt. Dieser Trend wird sich fortsetzen, so das Ergebnis der Appian Future of Work Studie, die von IDG durchgeführt wurde. Die Ergebnisse sind eindeutig:

  • 54 Prozent der Befragten haben Machine Learning bereits implementiert oder planen die Einführung.
  • 75 Prozent wollen eine intelligente Automatisierung im nächsten Jahr einführen oder haben dies bereits getan.
  • 41 Prozent planen die Einführung von intelligenter Automatisierung in diesem Jahr.

Fazit

Die rasanten Entwicklungen der Cloud, bei Robotik, künstlicher Intelligenz und Machine Learning hat uns an einen Punkt gebracht, an dem exponentielles Wachstum bei der intelligenten Automatisierung in vielen Branchen möglich ist. Dazu zählen die Automobil-, Öl- und Gasindustrie ebenso wie das Bankwesen, Finanzdienstleistungen und der Einzelhandel. Unternehmen, die entweder zu den 40 Prozent zählen, die den Einsatz von intelligenter Automatisierung bereits planen, oder zu den 38 Prozent, die auf die Automatisierung ihrer Betriebsabläufe warten, sollten ihre Anstrengungen jetzt verdoppeln. Dies wird den Unternehmen nicht nur kurzfristig einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, sondern sie auch in die Lage versetzen, langfristig erfolgreich zu sein.

Geschrieben von
Dirk Pohla

Dirk Pohla ist Managing Director für die DACH-Region der Appian Software Deutschland GmbH. In dieser Funktion ist er verantwortlich für die Geschäftsentwicklung des Unternehmens in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dazu gehören die Vertriebs- und Business Development-Aktivitäten wie auch der Teamausbau. Der Vertriebsexperte kam 2013 von IBM zu Appian, wo er seit 2003 verschiedenen Positionen innehatte.

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