M2M Minutes: Überirdisches und Transhumanes

Diana Kupfer
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Die wöchentlichen M2M- und IoT-Kurznachrichten, wie immer kompakt und teilweise kurios.

Internet der Dinge? Alter Hut!

Die Intelligence Unit der britischen Zeitschrift The Economist hat gerade eine neue Studie veröffentlicht, nach der bereits mehr als drei Viertel aller befragten Unternehmen das Internet der Dinge für sich entdeckt haben – entweder, indem sie Möglichkeiten in diesem Wachstumsmarkt ausloten oder indem sie bereits IoT-Lösungen erarbeiten. 96 % gaben an, innerhalb der nächsten drei Jahre von IoT-Technologien Gebrauch zu machen. Laut der Studie haben sich allerdings nur in 30 % der Unternehmen die Investitionen in das IoT, die seit 2012 getätigt wurden, um einen zweistelligen Betrag erhöht. Nicht ganz zufällig liest man hier zwischen den Zeilen liest man den Appell an die Unternehmens-Adressaten, mehr Ressourcen in den IoT-Markt zu stecken: Gesponsert wurde die Befragung vom britischen Prozessorhersteller ARM, dessen Geschäftsinteressen in Bezug auf den IoT-Markt vermutlich keiner weiteren Ausführung bedürfen.

Biohacking: Willkommen bei den Borg

Die Quantified-Self-Bewegung treibt mitunter kuriose Blüten, besonders dort, wo sie auf die Do-it-Yourself-Kultur und Biohacker trifft: Zur Vermessung der Innenwelt hat sich der US-Amerikaner und Bio-Hacker Tim Cannon gerade als vermutlich erster Mensch im Alleingang einen Computerchip der Marke Eigenbau in den Unterarm implantiert. Ohne Betäubung, wohlgemerkt. Der Chip, ein Stück Open-Source-Hardware, trägt den Namen Circadia 1.0 und ist eine Kreation der von Cannon mitgegründeten Firma Grindhouse Wetware – Tarantino lässt grüßen. Was der Chip kann? Bis jetzt nur die Körpertemperatur aufzeichnen und über Bluetooth an ein Android-Gerät senden, immerhin in Echtzeit. Ist das einen amateurhaften medizinischen Eingriff wert? Aus Sicht des Biohackers allemal: Schließlich geht es in dieser Bewegung darum, der Evolution durch gezielte Modifikationen des eigenen Körpers einen Schritt voraus zu sein: Transhumanismus, für die Philosophen unter uns. Was zählt, ist der Pioniergeist, die prinzipielle Bereitschaft und Machbarkeit. Der konkrete Mehrwert der subkutanen Elektronik scheint dagegen zweitrangig.

Satelliten für jedermann: Arduino goes Space

Sie wollten schon immer wissen, wie es sich anfühlt, in der NASA-Kommandozentrale zu sitzen? Das Projekt ArduSat, im August vom kalifornischen Startup NanoSatisfi gestartet, bietet ab sofort die Möglichkeit, für umgerechnet etwa 25 bis 33 Euro pro Tag mit einem von zwei kleinen für jedermann zugänglichen Satelliten zu experimentieren. Ardusat-1 und Ardusat-X wurden Anfang August zur International Space Station befördert (s. Video). Die beiden Satelliten sind würfelförmig und haben eine Kantenlänge von gerade mal 10 cm, sind aber bestens ausgestattet: Ein Magnetometer, ein Spektrometer, Temperatursensoren, ein Gammastrahlen-Detektor, ein Geiger-Zähler und eine Digitalkamera befinden sich an Bord. Interessant dürfte das Projekt vor allem für Schulklassen sein. Wie der Name vermuten lässt, basiert die Konstruktion auf Arduino-Hardware. Sowohl Soft- als auch Hardware sind Open Source.

Neues Smart-Home-Projekt

Unser Kickstarter-Projekt der Woche wartet mit einer Smart-Home-Lösung à la openHAB auf: „Neurio“ stellt ein offenes API bereit, über das sich Sensoren unterschiedlicher Hersteller, Raspberry Pis und andere Geräte miteinander integrieren lassen. Kombiniert wird das Ganze mit einem Cloud Service, der die Speicherung, Analyse und Bearbeitung der gesammelten Haushalts-Daten – mit Python oder Matlab – ermöglicht. Im Lieferumfang enthalten sind außerdem die Energie-Spar-App Wattson für iOS und Android sowie ein WiFi-Sensor. Durch die Erweiterbarkeit über das offene API und die mitgelieferte Open-Source-Anwendung „Trigger“ (für Raspberry Pi und Android) gibt sich Neurino besonders Hacker- und Bastler-freundlich. Das scheint anzukommen: Neurio liegt bereits zwei Wochen vor Ende der offiziellen Crowdfunding-Frist weit oberhalb des Finanzierungsziels von 95 000 kanadischen Dollar.

Sicherer dank Smart Cars?

Menschliches Versagen – ist dieses Sicherheitsrisiko erst einmal ausgeschlossen, könnten die Straßen wesentlich sicherer werden. Laut einer Studie des Thinktanks Eno Center for Transportation werden 90 Prozent aller Verkehrsunfälle durch Fahrerfehler verursacht – bei 40 Prozent aller tödlichen Unfälle seien Alkohol, Drogen, Müdigkeit oder Ablenkung im Spiel. Folglich würden Smart Cars wie die bisher erprobten Modelle von Nissan, Toyota oder Mercedes die Unfallkosten um 450 Milliarden US-Dollar pro Jahr reduzieren. Schöne Aussichten, aber ob diese einfache Logik der Realität entsprechen wird, ist leider noch nicht abzusehen. Zu hoch sind bislang die Entwicklungskosten, ergo: Preise von Smart Cars. Um das Risiko des menschlichen Versagens zu reduzieren, müsste es zunächst eine kritische Masse an Smart-Car-Adoptern geben. Und selbst dann ist noch niemand vor technischen Ausfällen gefeit, die in der Eno-Studie keine Berücksichtigung fanden.

Geschrieben von
Diana Kupfer
Diana Kupfer
Diana Kupfer war Redakteurin bei S&S Media für die Zeitschriften Java Magazin, Eclipse Magazin und das Portal JAXenter. 
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