M2M Minutes: Roboter gegen Automatisierung und 3-D-Drucker dank Obama

Diana Kupfer
© S&S Media

Nach einer Spezialfolge zur Embedded Night auf der W-JAX präsentieren wir Ihnen diese Woche wieder die gewohnten Kurznachrichten aus der IoT-Welt.

Internet of Things? Nie gehört

Die weltweite IT-Security-Vereinigung ISACA hat im Rahmen ihres 2013 IT Risk/Reward Barometer eine Studie mit dem Titel „Risks and Rewards for the Internet of Things“ veröffentlicht. Diese ist dem Spannungsfeld zwischen Datenschutz und Komfort in einer immer vernetzteren Welt gewidmet. Immerhin die Hälfte der befragten IT-Professionals, so geht daraus hervor, ist der Meinung, dass die Vorteile des Internets der Dinge die Risiken für Consumer überwiegen. Das Misstrauen der Consumer gegenüber App-Herstellern überrascht allerdings: In den USA vertraut ihnen nur ein Prozent der Befragten, in Großbritannien 4 Prozent, in Indien immerhin 8. Obwohl die überwiegende Mehrheit der Consumer (90 Prozent in den USA) Bedenken äußert, was die Datensammlung über internetfähige Geräte betrifft, sind viele Nutzer mobiler Geräte noch in alten – und mitunter riskanten – Nutzungsgewohnheiten verhaftet. So gibt etwa die Hälfte aller Befragten an, nur zwei oder drei Passwörter für mehrere Accounts oder Plattformen zu verwenden. Eine weitere Erkenntnis der Studie: Nicht einmal einem von fünf Amerikanern ist der Begriff „Internet of Things“ geläufig.

Intel-Net der Dinge

Intel ist derzeit eines der ambitionierteren Unternehmen, was die Erschließung des IoT-Marktes betrifft. Das hat der kalifornische Chiphersteller jetzt mit der Gründung eines neuen Geschäftsbereiches erneut bewiesen. Die „Internet of Things Solutions Group“ soll laut einem Bericht von Reuters Intels Königsdisziplin, die Chipherstellung, mit dem IoT-Software-Portfolio der Intel-Tochter Wind River zusammenführen. Erst kürzlich stellte Wind River seine neue Intelligent Device Platform vor (wir berichteten), die u. a. auch das Protokoll MQTT als Technologiebaustein verwendet.

MQTT erobert Schweden

Apropos: MQTT, so scheint es, erobert die IoT-Welt. Die Liste der Unternehmen, die das kleine Protokoll aktiv in Projekten einsetzen, wird immer länger. So auch die der verfügbaren Broker (d. h. Server): Nach Mosquitto, RabbitMQ, moquette-mqtt, HiveMQ, ActiveMQ und anderen hat nun CloudMQTT das Licht der Welt erblickt. Dahinter steht das schwedische Cloud-Hosting-Unternehmen 84codes, das u.a. auch RabbitMQ as a Service und PostgreSQL as a Service im Angebot hat. „MQTT ist das M2M-Protokoll der Zukunft“, heißt es auf der Webpräsenz. Auffällig ist, dass gerade junge Unternehmen und Startups MQTT ihr Vertrauen aussprechen. Weitere Beispiele dieser Art sind Atomic Data Labs, die Macher des Smart-City-Projekts opensensors.io sowie DC Square, das Unternehmen, das den Broker HiveMQ entwickelt.

…with liberty and justice and 3 D printers for all…

Der amerikanische Hardware-Hersteller MakerBot, spezialisiert auf 3-D-Druck, schließt sich mit  der gemeinnützigen Organisation Donors Choose zur Initiative „MakerBot Academy“ zusammen, um US-amerikanische Schulen mit MakerBot-Replicator-2-Druckern auszustatten – sogar jede Schule, die dies beantragt. Um in das Programm aufgenommen zu werden, muss ein Lehrer seine Klasse bei Donors Choose anmelden. Sobald eine erste Spende von 22,54 US-Dollar auf das Konto der Organisation eingegangen ist, kann die Schulklasse den Drucker gemeinsam für einen ermäßigten Preis von 98 Dollar erwerben. Ideengeber des Projekts war laut der offiziellen Mitteilung US-Präsident Barack Obama. Der sieht 3-D-Druck bekanntlich als Motor der nächsten industriellen Revolution.  Wer weiß – vielleicht kann jedes amerikanische Schulkind den morgendlichen Treueschwur „Pledge of Allegiance“ bald nicht nur mit der amerikanischen Flagge, sondern auch einem 3-D-Drucker im Blickfeld leisten… „with liberty and justice and printers for all.“

I, Anti-Robot

Menschliche Geistesgeschichte zeichnete sich schon immer durch Pendelbewegungen zwischen unterschiedlichen, ja gegensätzlichen Ideen aus. So gesehen ist nicht verwunderlich, dass es, kaum dass die moderne Robotik richtig an Fahrt aufgenommen hat, bereits den ersten „Anti-Roboter“ gibt. Das ehrgeizige Crowdfunding-Projekt der Woche könnte wieder einmal von einem Science-Fiction-Blockbuster wie „Pacific Rim“ inspiriert sein – „Prosthesis“, ein überdimensionaler Laufroboter, der von einem menschlichen Piloten gesteuert wird. Seit drei Jahren schraubt und bastelt ein buntes Projektteam um den „mad-scientist“ Jonathan Tippet an dem vierbeinigen Metallgerüst, das eine Höhe von mehr als fünf Metern messen und dreieinhalb Tonnen auf die Waage bringen wird. 100 000 US-Dollar sind nötig, um das Projekt umzusetzen. Wer es unterstützen möchte, kann dies auf der Indiegogo-Seite tun.

Zum philosophischen Überbau der selbsternannten „Anti-Roboter-Revolution“: Hinterfragt werden Automatisierung und Mechanisierung rein um der Technik willen, ins Zentrum rückt der Mensch, genauer: der menschliche Körper, wie es auf der Webpräsenz heißt:

It asks us to remember our bodies—remember how it felt when we first rode a bike—when we fist did a cartwheel—when we first landed a jump.  It puts the human back in the driver’s seat, and then makes them learn to walk again.

Geschrieben von
Diana Kupfer
Diana Kupfer
Diana Kupfer war Redakteurin bei S&S Media für die Zeitschriften Java Magazin, Eclipse Magazin und das Portal JAXenter. 
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