M2M Minutes: DeepMind, Bridge Alliance, David Cameron und der Pi

Redaktion JAXenter
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Köpfe und Strategien stehen im Fokus dieser Ausgabe unserer wöchentlichen Kurznachrichten rund um das Internet der Dinge.

Postscapes Internet of Things Awards

First things first: Nur noch wenige Stunden kann man bei den 2013 Internet of Things Awards auf der Internet-Plattform Postscapes für seinen Favoriten stimmen. Ein Sieger wird in den folgenden zwölf Kategorien gesucht: Connected Home Product, Connected Body Product, Smart City Application, Technical Enabler, Enterprise Application, DIY-Project, Open Source Project, Networked Art, Design Fiction, Biggest Social Impact, Breakout Startup of the Year und Must-Follow Company. In jeder Kategorie gibt es neben dem Editor’s Choice Award zwei People’s Choice Awards, bei denen jeder mitstimmten kann. Die Awards werden zum dritten Mal verliehen. Unter den Open-Source-Projekten wird der geneigte JAXenter-Leser mit Sicherheit den einen oder anderen Bekannten antreffen…

Googles DeepMind-Kauf: menschliche über künstliche Intelligenz

Google im Kaufrausch: Gut einen Monat nach der Übernahme von Boston Dynamics und zwei Wochen nach der von Nest Labs wurde Anfang dieser Woche die neueste Eroberung des Suchgiganten aus Mountain View bekannt: DeepMind Technologies, ein Londoner Startup, das sich auf künstliche Intelligenz spezialisiert hat. Facebook soll verschiedenen Quellen zufolge (darunter Re/code und The Information) mitgeboten haben, ging aber leer aus. Google zahlte 400 Millionen US-Dollar für das 2011 gegründete Unternehmen, nur etwa ein Achtel der Summe, die der Suchmaschinenriese für Nest Labs auf den Tisch blätterte. Nicht verwunderlich, denn im Vergleich zu Nest ist DeepMind noch ein relativ unbeschriebenes Blatt ohne nennenswerte Vorzeigeprodukte. Allerdings sollte man – ähnlich wie bei Nest – das Humankapital nicht unterschätzen: Einer der Gründer ist der hochintelligente Neurowissenschaftler, Videospieldesigner und ehemalige Schach-Wunderknabe Demis Hassabis. Für Google scheinen auch dieses Mal die kreativen Köpfe an erster Stelle zu stehen.

Zu den DeepMind-Investoren gehört der Skype-und Fast Track-/Kazaa-Entwickler Jaan Tallin. Nach Angaben von Re/code erhielt DeepMind in der Vergangenheit auch finanzielle Zuwendungen von Founders Fund und Horizon Ventures.

Der spartanischen Webpräsenz ist zu entnehmen, dass DeepMind das Ziel verfolgt, maschinelles Lernen mit System-Neurowissenschaft zu kombinieren, um selbstlernende Algorithmen zu erschaffen. „Learning Algorithms“ – genau das ist die Schnittstelle zu Google, die den Kauf motiviert haben dürfte, glaubt z. B. Jamie Condliffe von Gizmodo. Denn: Obwohl Google mit dem Kauf von Boston Dynamics. Schaft Inc., Industrial Perception oder Redwood Robotics seine Robotik-Abteilung unverkennbar ausbauen möchte, werden die DeepMind-Arbeiter nicht dem Leiter der Roboterforschung Andy Rubin unterstellt sein, sondern dem System- und Infrastruktur-Chef Jeff Dean. Der mischt nicht nur bei Such- und Datenbanktechnologien wie BigTable oder MapReduce mit, sondern ist auch an Google Brain beteiligt. Dieses vom Google-Vordenker Ray „Singularity“ Kurzweil angestoßene Projekt verfolgt das nicht gerade bescheidene Ziel, menschliche Kognition mit all ihren komplexen neuronalen Verknüpfungen durch Algorithmen zu imitieren. In DeepMind dürften Larry Page & Co. also einen weiteren Wegbereiter für ihre Anticipatory-Computing-Strategie à la Google Now entdeckt haben: „the right thing at the right time, even before you ask for it“, wie es während der letztjährigen Google-I/O-Keynote auf den Punkt gebracht wurde. Bedenken gegenüber diesem Vorhaben versucht Google durch eine Ethikkommission auszuräumen. Diese soll sicherstellen, dass die KI-Technologie nicht für unlautere Zwecke missbraucht wird.

Sierra Wireless kauft In Motion

Auch Sierra Wireless zeigt sich in Kauflaune. Die Firma, die der Eclipse M2M Working Group mit initialen Beiträgen zum Koneki- und zum Mihini-Framework Leben einhauchte, übernimmt die kanadische Firma In Motion Technology für 21 Millionen US-Dollar. In Motion, 2002 gegründet und in Vancouver ansässig, hat sich als Anbieter mobiler Enterprise-Lösungen einen Namen gemacht. Robuste Router für Drahtlosnetzwerke in Fahrzeugen und darauf abgestimmte Sicherheitssyteme gehören zu den Königsdisziplinen der Kanadier. Sierra Wireless hofft, durch den Zusammenschluss sein Enterprise-Profil schärfen und ausgereifte Device-to-Cloud-Lösungen anbieten zu können.

ARM um einen Chef ärmer

Sir John Buchanan, Vorstandsvorsitzender des britischen Mikrochipherstellers ARM, gab vor wenigen Tagen bekannt, von seiner Position zurücktreten zu wollen. Buchanan, früher stellvertretender Vorsitzender bei Vodafone, agiert seit Mai 2012 in dieser Funktion. Er führte gesundheitliche Probleme als Grund für seinen Rückzug an. Allerdings ist ein Zusammenhang mit den Gewinneinbrüchen im 3. Quartal 2013 nicht ganz unwahrscheinlich. Anfang Juli hatte die Aktie der ARM Holding einen dramatischen Absturz erlebt. Mit dem angekündigten Rückzug begann die Suche nach einem Nachfolger. Headhunter halten bereits nach einem geeigneten Kandidaten Ausschau. Dieser soll am 1. März das Zepter übernehmen.

Contour Crafting: Fertighaus aus dem 3-D-Drucker

Wenn die nächste Immobilienkrise naht oder die eigene Baufinanzierung auf allzu wackeligen Säulen steht, könnte es von Vorteil sein, das folgende Projekt im Hinterkopf zu haben: Forscher der University of Southern California (USC) arbeiten schon seit einiger Zeit an einem gigantischen 3-D-Drucker, der ganze Häuser mit einer Grundfläche von bis zu 232 Quadratmetern binnen 24 Stunden bauen könnte. Bei der „Contour Crafting“ genannten Drucktechnik, die Behrokh Khoshnevis, Professor an der USC, bereits 2012 in einem TED-Talk vorstellte (s. Video), wird statt thermoplastischer Materialien Beton eingesetzt. Eine hängende Düse errichtet die Wände gemäß dem computergenerierten Bauplan Schicht für Schicht. In Katastrophengebieten und Slums könnte sich diese Technologie als Heilsbringerin erweisen. Zudem lotet die NASA Möglichkeiten aus, das Contour Crafting für Landeflächen und Lebensräume auf dem Mond und dem Mars einzusetzen.

Bridge Alliance: Neues M2M-Konsortium in Ostasien

Der Aufstieg der IoT-Imperien hat längst begonnen. Nach dem Zusammenschluss der Eclipse M2M Working Group mit der M2M Alliance und der Gründung der AllSeen-Alliance unter dem Dach der Linux Foundation bündelt nun auch eine Liga ostasiatischer Konzerne mit starkem M2M-Fokus ihre Kräfte: die Bridge Alliance. Mit dabei: Globe Telecom (Philippinen), Airtel (Indien), AIS (Thailand), CSL (Hongkong) Maxis (Malaysia), MobiFone (Vietnam), Optus (Australien), SingTel (Singapur) SK Telecom (Südkorea), Taiwan Mobile und Telkomsel (Indonesien). Wie der Name verrät, möchte die Bridge Alliance Brücken zwischen den höchst unterschiedlichen ökonomischen Entwicklungsniveaus und Rahmenbedingungen der beteiligten Länder bauen. Als bislang größte M2M-Allianz der Asien-Pazifik-Region stehen ihre Erfolgsaussichten nicht schlecht.

David Cameron: Auf den Pi gekommen

Reshoring – zu Deutsch: das Zurückholen industrieller Produktion ins eigene Land – hat Konjunktur. Davon kann sich jeder überzeugen, der den Begriff in Google Trends eingibt. So nimmt es nicht wunder, dass sich der Britische Premier David Cameron sich jüngst auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos in einer Lobhudelei auf britische Firmen erging, die hier mit gutem Beispiel vorangehen. Die Raspberry Pi Foundation staunte allerdings nicht schlecht, als Cameron auch ihren Namen nannte bzw. vom Manuskript ablas. Dabei sind Eben Upton & Co. in der Tat mustergültige „Reshorer“: 2012 begann die Produktion der populären Einplatinenrechner in China, wurde dann aber peu à peu nach Wales zurückgeholt.

My N3RD: Internet der Dinge ohne Internet?

Stellen Sie sich Ihr Smartphone als Universalfernbedienung für jedes erdenkliche Gerät und Gadget vor – und Sie haben die Grundidee des Crowdfunding-Projekts der Woche erfasst. Ob Garagentor, Kaffeemaschine oder das Verdeck eines Cabriolets: Jeder beliebige Schalter soll sich mit My N3RD in einen intelligenten Switch umwandeln lassen. Und jedes Smartphone soll Zugriff darauf haben können. Jedes Smartphone? Nun, bislang gibt es nur eine iOS-App. Ein Android-Pendant ist in Arbeit. Auch der Claim „No internet or router required“ gilt erst, sobald das zu steuernde Gerät präpariert ist. Und dazu braucht es schon etwas handwerkliches Geschick. Die Empfangsstation, die die Signale des Smartphones an das Gerät aufnimmt und verarbeitet, muss erst installiert werden – ein Schritt, der im Imagevideo kurz und knapp mit den Worten „Now let’s wire it all together“ abgehandelt wird und so ganz und gar nicht nachvollziehbar ist. Trotzdem ist das Projekt auf einem guten Weg: 24 Tage kann noch gespendet werden, und bereits jetzt sind fast 40 000 von den benötigten 50 000 US-Dollar eingenommen worden.

  

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