M2M Minutes: Connected Cars, DIY-Solarenergie und Eclipse IoT

Redaktion JAXenter
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Die wöchentlichen M2M-Nachrichten mit aktuellen Highlights aus dem Bereich Internet of Things. Auch abseits der CES ereignete sich Berichtenswertes.

Connected Cars: Alle mischen mit

Der Connected-Car-Markt kommt ins Rollen. Nicht zuletzt die Ausstellungen und Demos auf der Consumer Electronic Show in Las Vegas führten vor Augen, wie viele Autohersteller mittlerweile bemüht sind, diesen neuen Markt zu erschließen, um sich rechtzeitig darin zu positionieren. Und nicht nur die Autohersteller: Google gründete mit Audi, General Motors, Honda, Hyundai und NVIDIA zusammen die Open Automotive Alliance, um sein Betriebssystem Android im Automobilbereich zu stärken – immerhin ist eine gemeinsame Softwareplattform der Grundstein für vernetzte Kraftfahrzeuge. Ebenfalls auf der CES gaben Audi, General Motors sowie Tesla Motors bekannt, in Sachen Konnektivität mit AT&T die Kräfte bündeln zu wollen. Hintergrund ist das gut ausgebaute 4G-LTE-Netzwerk des nordamerikanischen Telekommunikationsunternehmens, das sich, was Zuverlässigkeit und Schnelligkeit betrifft, in den letzten Monaten ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Rivalen Verizon Wireless geliefert hat.  Auch mit Ericsson ging AT&T jüngst ein Bündnis ein, um der Connected Vehicle Cloud des schwedischen Konzerns eine bessere Drahtlos-Vernetzung beizusteuern. Im Bereich Autovernetzung scheint sich das Telko-Unternehmen derzeit keine Gelegenheit entgehen zu lassen, einen Fuß in die Tür zu bekommen.  

Himbeerkuchen mit Wein

Bei all den neu geschlossenen Partnerschaften, vorgeführten Gadgets und Wearables war die CES in diesem Jahr das reinste IoT-Eldorado. Aber auch jenseits von Glamour und Show, in Bastlerstuben und kleineren Unternehmen, entstehen immer wieder originelle und leicht nachbaubare Instrumente, die den Alltag durch Automatisierung erleichtern. Auf ein solches Konstrukt sind wir auf dem Raspberry-Pi-Blog gestoßen: Die Firma logi.cals hat mithilfe seiner Programmierumgebung logi.CAD einen automatischen, Raspberry-Pi-basierten Weindekanter erstellt (s. Video). Der wirkt mit seinem riesigen Zahnrad auf den ersten Blick etwas sperrig und „over-engineered“, könnte sich aber als nützliches Helferlein für Gaststättenbetriebe herausstellen. Etwa, wenn Wein aus besonders schweren Flaschen in Gläser gefüllt wird. Der Prozess wird auf der logi.cals-Projektseite folgendermaßen beschrieben:

Während de[s] Vorgang[s] wird die Flasche zunächst soweit hinunter geschwenkt, bis ein Sensor registriert, dass Wein aus der Flasche fließt. Dies ist dann das Signal für die Maschine die Position zu halten, bis ein weiterer Sensor erkennt, dass der gewünschte Füllstand beinahe erreicht ist. Daraufhin wird der Motor erneut gestartet, um die Maschine so lange wieder zurück zu bewegen, bis entweder der Wein aufgehört hat zu fließen, oder die Initialposition erreicht wurde.

 Eine kostenlose Version von logi.CAD für den Raspberry Pi kann man gegen eine Registrierung herunterladen.

Vom Kühlschrank zum Food-Management-System: Diskussion um LGs neuen „Smart Fridge“

Nicht nur wegen der gerade verkündeten Nest-Übernahme, mit der Google sich weitere wichtige Anteile am M2M-Markt sichert, ist der Begriff „Smart Home“ derzeit in aller Munde. Auf der CES machte der koreanische Elektronikhersteller LG durch seinen neuen Kühlschrank mit Internet-Anbindung von sich reden. Über den Service HomeChat, der auf Natural Language Processing und der Messenger-App LINE basiert, kann der Nutzer per Smartphone mit seinem Kühlschrank und anderen intelligenten Haushaltsgeräten kommunizieren. In den letzten Jahren sind LG und andere Hersteller immer wieder kläglich an dem Versuch gescheitert, ein solches Gadget an den Mann zu bringen. Manch einer erinnert sich vielleicht noch an die LG-Produktlinie SmartThinQ. Die schiere Kühnheit LGs, der Öffentlichkeit nun eine weitere „Smart Fridge“-Generation zu präsentieren, sorgte deshalb nicht ganz unerwartet für reichlich Gesprächsstoff. Mit einem Beitrag zum Thema heizte Guardian-Journalist Charles Arthur die Diskussion um Sinn und Unsinn vernetzter Kühlschränke zusätzlich an. Seiner Ansicht nach ist dieses Gadget eine Totgeburt – und war es schon immer. Nüchtern verweist der Autor auf den ersten Smart-Fridge-Hype anno 1999, Marketing-Kampagnen aus dem letzten Jahrzehnt und mehrere Anläufe von LG und Samsung, um das beispiellose Scheitern vernetzter Kühlschränke mit einer Erkenntnis zu erklären, die sich aus dieser technologischen Lebenserfahrung speist: „Because people don’t use fridges in that way.“ Vom Preis einmal abgesehen sei das Programmieren und Scannen von RFID-Chips einzelner Lebensmittel viel zu aufwändig und nutzerfeindlich. Und wie sonst sollte der Kühlschrank Bestandsaufnahmen seiner Inhalte vornehmen? Etwa per Webcam, wie einige Kommentatoren anregten? Das erfordere aber dann aber eine Infrarot-Kamera, entgegnet Arthur. Andernfalls müsse wohl das Licht selbst bei geschlossener Tür eingeschaltet bleiben. Wie man es auch dreht und wendet, aus dem Kühlschrank würde bei dieser Herangehensweise eine hoffnungslos überteuerte Rube-Goldberg-Maschine.

Vielleicht wird aber ein Schuh daraus, wenn man komplett umdenkt – und den Kühlschrank nicht als isoliertes Gadget, sondern als Teil eines größeren Heim-Management-Systems begreift, wie es ein schlauer Kommentator auf den Punkt bringt. Genau darauf scheint LG mit seinem so etikettierten „Food Management System“ abzuzielen. Ist die gesamte Versorgungskette inklusive Inventur, Einkauf und Entsorgung von Lebensmitteln erst einmal automatisiert, muss auch niemand mehr RFID-Chips manuell einscannen. Doch bis dahin wird die Kategorie „Smart Fridge“ wohl noch einige Flops hervorbringen…

Solarenergie für Selbstversorger

2014 soll nicht nur zum Boomjahr für das Internet der Dinge, sondern auch für die Solarenergie werden, wenn man einer Studie der Deutschen Bank glaubt. Dass Photovoltaikanlagen nicht zwangsläufig die Dimensionen der Wüsten-Solarfarm Desertec aufweisen müssen, sondern bereits in den eigenen vier Wänden entstehen können, zeigt unser Crowdfunding-Projekt der Woche. „Solar Liberator“ stellt ein Modul mit Solarpanele und eingebettetem Prozessor zur Verfügung, das man in Plug-and-Play-Manier als zusätzliche Stromquelle nutzen können soll. Mit einem 500-Watt-Gerät können pro Jahr angeblich 1100 kWh Energie produziert werden – immerhin fast ein Siebtel des durchschnittlichen Pro-Kopf-Stromverbrauchs in Deutschland. Die zugehörige App lässt sich auf den Betriebssystemen Android, iOS und Windows verwenden und überwacht rund um die Uhr den Verbrauchsstatus des Moduls und der angeschlossenen Geräte. Noch sechs Tage läuft die Kampagne und hat ihr Finanzierungsziel bereits um mehr als das Zehnfache überschritten. Das liegt wohl auch an den großzügigen Prämien für Unterstützer: Für eine Spende von 79 Dollar erhält man bereits ein kleines 25-Watt-Modul.

© solarliberator.com

Aus Eclipse M2M wird Eclipse IoT

Zum Schluss sei noch auf einen Blogpost von Ian Skerrett, Marketing-Leiter der Eclipse Foundation, verwiesen. Darin zieht Skerrett Bilanz über das IoT-Jahr bei Eclipse und entwirft einen Fahrplan für die M2M-Community und die mittlerweile 13 einschlägigen Projekte. Sein Fazit des letzten Jahres:

  • MQTT, als zukünftiger OASIS-Standard aktuell im Public Review, sei derzeit das wichtigste Protokoll im IoT-Umfeld, dennoch keineswegs eine Allzwecklösung. Andere Protokollimplementierungen wie ETSI M2M bzw. OneM2M, CoAP oder DLTS spielten eine ebenso tragende Rolle.
  • Mit den Projekten Kura, SmartHome, OM2M und Californium habe die Eclipse M2M Working Group nun ein wesentlich schärferes Java-Profil – eine interessante Entwicklung, wenn man sich an die Technologie-agnostische Anfangsphase dieser Arbeitsgruppe erinnert.

Die Ziele für 2014, die Skerrett skizziert, betreffen neben den Bereichen Big Data, IoT-Services und Communitybildung auch eine nicht unwesentliche Begrifflichkeit: „Eclipse M2M“ soll im Laufe der nächsten Monate durch das – so Skerrett – „ganzheitlichere“ Label „Eclipse IoT“ ersetzt werden.

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