Interview mit Ian Skerrett und Benjamin Cabé

M2M bleibt spannend

©Shutterstock/PlusONE

Die M2M Industry Working Group der Eclipse Foundation hat in den letzten Monaten mächtig Fahrt aufgenommen. Bei Eclipse sind mittlerweile einige interessante M2M-Projekte gehosted, neue Projektvorschläge kommen in hoher Frequenz – beispielsweise das Service-Gateway-Projekt „Kura“, das letzte Woche vorgeschlagen wurde. Wir sprachen mit Ian Skerrett, Vice President of Marketing and Ecosystem bei der Eclipse Foundation, und Benjamin Cabé, Open-Source-Evangelist bei Sierra Wireless, über die neuesten M2M-Entwicklungen und darüber, warum das derzeitige M2M-Portfolio der Eclipse Foundation erst die Spitze des Eisberges dessen darstellt, was da noch kommen wird.

JAXenter: Letztes Jahr auf der EclipseCon Europe haben wir uns über die M2M Working Group unterhalten, dessen Gründung die Initialzündung zu einer Reihe von Aktivitäten unter dem Dach der Eclipse Foundation gegeben hat. Bevor wir gleich zu den News dieser Woche kommen – wie hat sich die IWG seit unserem letzten Gespräch entwickelt?

Ian Skerrett: Es war ein großartiges Jahr für M2M. Die drei Projekte Paho, Mihini und Koneki verfügen über Sourcecode in ihren Repositorys und bauen vielversprechende Communitys auf. Es ist toll zu beobachten, wie die Leute an den Projekten mitarbeiten und experimentieren, was machbar ist. Firmen wie IBM, Sierra Wireless, Eurotech und Axeda bieten bereits kommerzielle Produkte in dem Umfeld an und unterstützen den Einsatz von Eclipse M2M-Technologie. 

JAXenter: Die Eclipse Foundation hat jetzt einen weiteren Meilenstein bekannt gegeben und neue M2M-Projekte sowie Updates für die bestehenden vorgestellt. Könnt ihr uns die neuen Projekte kurz vorstellen?

Ian Skerrett: Ja, wir haben vier neue Projekt-Proposals: Ponte [1] ist ein Framework, welches das Lesen und Schreiben von Daten ermöglicht, die von Sensoren und Bedienteilen über M2M-Protokolle stammen. Sie sind über ein REST API erreichbar. Es ist im Grunde eine Brücke zwischen der M2M- und der Web-Welt. Die zunächst unterstützten Protokolle sind MQTT (ein vorgeschlagener OASIS-Standard) und CoAP, das steht für Constrained Application Protocol. Eclipse Paho bietet die Referenzimplementierung von MQTT.

Als zweites haben wir Eclipse SCADA [2], eine Open Source verfügbare Implementierung eines Systems für Fernwirksender und Datenerhebung. Das wird normalerweise dazu genutzt, große Industrie-Prozesse zu überwachen und zu kontrollieren, zum Beispiel von Solar-Farmen. Eclipse SCADA wird die Konnektivität zu einer Vielzahl industrieller Geräte bereitstellen, ein Kontrollsystem, um Alarme und Ereignisse auszulösen, historische Daten aufzunehmen und mit dem Framework User Interfaces und Visualisierungen für all diese Funktionen zu erstellen.

Das dritte neue Projekt-Proposal ist Concierge [3], eine Implementierung der OSGi Kern-Spezifikationen, die gut geeignet ist für Embedded- und mobile Geräte. Concierge zielt darauf ab, ein jar-File mit maximal 400 KB zu haben, so dass es auf Geräten laufen kann, die eingeschränkte Ressourcen haben.

Last but not least haben wir Kura [4] vorgestellt, ein Application Framework, das auf Java und OSGi basiert und für M2M Service-Gateways gedacht ist. Dank Kura wird es ein Set von Services für Java-Entwickler geben, die M2M-Anwendungen bauen, inklusive I/O-Zugriff, Data Services, Netzwerk-Konfiguration und Remote-Management.

JAXenter: Die bereits bestehenden Projekte Mihini, Paho und Koneki haben einige Updates vorzuweisen – war das Kepler Release hier der wichtige Meilenstein für ihre Roadmap?

Ian Skerrett: Koneki war Teil des Kepler Release Train mit seiner 1.0-Version. Mihini hat gerade erst den initialen Code-Beitrag von Sierra Wireless erhalten und macht große Fortschritte in Richtung Release. Paho hat schon einige Beiträge aus der Community erhalten, für verschiedene Sprach-Implementierungen der MQTT-Clients, zum Beispiel JavaScript, Python und Objective-C.

JAXenter: Der M2M-Stack hat seine Komponenten also mittlerweile mehr als verdoppelt, das ist ein großer Erfolg. Sind alle entscheidenden Puzzlestücke jetzt verfügbar oder sind noch Lücken zu schließen?

Ian Skerrett: Ich denke, wir sehen momentan noch den Beginn dessen, was gebraucht wird, um uns die Entwicklung von M2M-Anwendungen zu erleichtern. Es gibt immer noch Protokolle wie CoAP und LightweightM2M, die eine gute Open-Source-Implementierung benötigen. Mein Wunsch wäre ein MQTT-Server, der bei Eclipse gehostet wird.

Benjamin Cabé: … wobei wir bereits eine Mosquitto-Instanz auf m2m.eclipse.org hosten.

Ian Skerrett: Richtig. Eclipse SCADA ist übrigens das erste Projekt, das auf eine vertikale Lösung abzielt, aber ich erwarte, dass wir bald mehr M2M-Frameworks sehen werden, die Open Source implementiert werden. Außerdem bin ich der festen Überzeugung, dass M2M eine große Chance für Datenvisualisierung und Big Data ist. Ich bin mir sicher, dass wir hier einiges an Technologie-Entwicklungen sehen werden. M2M wird in den nächsten Jahren noch ein spannendes Thema sein.

JAXenter: Der nächste Schritt ist die kommerzielle Unterstützung, und alle Mitglieder der Industry Working Group bieten das mittlerweile an. Benjamin, wie sieht dieser Support bei Sierra Wireless aus?

Benjamin Cabé: Wir haben die AirVantage M2M Cloud [5], mit der sich große Geräte-Gruppen verwalten lassen. Dafür bieten wir Gateways wie Airlink GX und die LS-Serien an, die über das Aleos Application Framework programmiert werden können. Das ist sozusagen das kommerzielle Bundle des Mihini-Frameworks und der Koneki Tools. Wir zeigen den Entwicklern einen Weg, die Eclipse-M2M-Technologien zu erkunden, indem sie mit den Open-Source-Projekten starten und später eventuell auf das kommerzielle Angebot wechseln.

Außerdem haben wir kürzlich unser neues Portal live geschalten [6], das unsere Open-Source-Initiativen vorstellt, und wir bieten auch schon ein paar Beispiele und Tutorials für die Nutzung von AirVantage mit Mihini und anderen coolen Open-Source-Technologien. Ich bin auch vom Developer Kit [7] begeistert, das wir kreiert haben. Damit können Entwickler die offene Hardware und AirVantage testen und damit experimentieren, und zwar in Form eines verbundenen Gewächshauses. Ist das nicht cool (lacht)?

JAXenter: Ja, wir haben schon den Live Stream auf http://m2m.eclipse.org gesehen – dort kann man als Besucher der Seite sogar mit dem Gewächshaus interagieren und die Dachklappe öffnen und wieder schließen!

Benjamin Cabè: Genau! Momentan kann man sich schon registrieren, die Kits sollten dann in wenigen Wochen verfügbar sein. Auf jeden Fall ermutigen wir Entwickler, einen kostenlosten Trial-Account für AirVantage anzulegen [8] und die Geräte ihrer Wahl, sei es Raspberry Pi, BeagleBone oder Co. mit Mihini zu verbinden.

JAXenter: Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview wurde von der Redaktion aus dem Englischen übersetzt.

Ian Skerrett ist Vice President of Marketing and Ecosystem bei der Eclipse Foundation. Seit acht Jahren promotet er Eclipse-Projekte und spannende Technologien im Eclipse-Ökosystem.

Benjamin Cabé ist Open-Source-Evangelist bei Sierra Wireless. Eclipse und sein Ökosystem begeistern ihn schon seit Langem. Er ist Committer bei zahlreichen Eclipse-Projekten (u. a. e4, PDE) und trägt zu zahlreichen anderen Open-Source-Projekten bei. Er leitet das Koneki- und das Mihini-Projekt und ist aktives Mitglied der M2M IWG. Bei seiner täglichen Arbeit unterstützt er die Community und setzt sich für die Verwendung von innovativen Technologien (u. a. Lua, Modeling) im Rahmen des Internet of Things ein. Wenn er sich nicht gerade im Koneki-Forum aufhält, baut er miteinander kommunizierende Geräte mit Arduino-Kits. Online ist er auf Twitter (@kartben) zu finden. Er bloggt außerdem unter http://blog.benjamin-cabe.com.

Aufmacherbild: INTERNET OF THINGS | Concept Wallpaper von Shutterstock / Urheberrecht: PlusONE

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.