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Interview mit Christian Uhl

Logging in einer Microservice-Welt: „Loggt um euer Leben!“

Hartmut Schlosser

Christian Uhl

Microservice-Architekturen sind im Kommen, bringen aber auch eine ganze Reihe neuer Herausforderungen mit sich. Beispielsweise das Thema Logging, dem sich Christian Uhl (codecentric) in seiner DevOpsCon-Session widmet. Im Interview zeigt er typische Probleme auf und gibt Hinweise, wie sich das „Biest verteiltes Logging“ bändigen lässt.

JAXenter: DevOps ist eines der Trendthemen schlechthin. Wenn man einmal den Hype darum abzieht – worum geht es dabei im Kern? Was ist für dich das Spannende daran?

Christian Uhl: DevOps ist für mich so unglaublich spannend, weil es eigentlich mit Technik erstmal überhaupt nichts zu tun hat. ­ DevOps ist ein Kulturthema, es geht im Kern für mich um Menschen und Zusammenarbeit. Was unter diesem Schlagwort passiert, ändert die Art, wie wir tagtäglich zusammenarbeiten! Bisher treffen hier unterschiedliche Zielrichtungen aufeinander: Die Entwickler müssen möglichst schnell liefern und der Betrieb hat den Fokus, die Produktionsumgebungen stabil und am Laufen zu halten. Hier entstehen Reibungverluste und oftmals mehr ein Gegeneinander als ein Miteinander. Durch das Fördern der Zusammenarbeit im Unternehmen entsteht nun eine neue Kultur. Das ist eine riesige Chance, um bisherige Reibungverluste loszuwerden und gemeinsam statt gegeneinander zu arbeiten.

Das Zusammentreffen verschiedenster Disziplinen hat zu einer Explosion an neuen Werkzeugen geführt, die uns die schnelle Entwicklung und den stabilen Betrieb von immer komplexeren Softwaresystemen erlauben. ­ Aber man darf nicht Ursache und Wirkung verwechseln: Es war die Kultur, die die Werkzeuge geschaffen hat.

Das Schwierige daran ist jetzt natürlich wieder, wie schon bei der agilen Softwareentwicklung, dass man das nicht halb machen kann. Weder irgendwelche neuen Jobtitel noch irgendwelche Tools helfen, wenn man sich nicht traut, die Kultur der Zusammenarbeit anzugehen.

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JAXenter: Du beschäftigst dich auf der DevOpsCon ja mit Logging. Wo liegen da die neuen Herausforderungen im Kontext der viel beschworenen Microservice­-Architekturen?

Christian Uhl: Eine Microservice­-Architektur besteht aus mehr beweglichen Teilen als eine monolithische. ­ Das führt zu mehr Elementen, die man im Blick behalten muss. Weiterhin gilt, dass das Verhalten eines verteilten Systems von seiner Natur her schwerer zu durchblicken ist.

Die Logs der verschiedenen Services sind ein wertvoller Informationsschatz, einerseits zur Fehlerbehebung, aber auch zur Überwachung des laufenden Systems. Neben diesen technischen Information verstecken sich auch wichtige fachliche Informationen in den Loggingdaten. Es lässt sich viel über das Nutzungverhalten der fachlichen Prozesse eines Systems erkennen und dahingehend optimieren. Für beide Anwendungsfälle muss man die Logs aggregieren und Informationen daraus extrahieren, denn ein Logfile steht nicht mehr für sich allein, sondern muss im Kontext betrachtet werden können. Die bewährte Toolkette des Sysadmins – ​ssh​, grep​, ​awk​, ​sed ​und Konsorten – sind hier überfordert. Wir brauchen passendere Werkzeuge, die genauso flexibel und skalierbar sind.

JAXenter: Welche Lösungsansätze schlägst du vor?

Christian Uhl: Wir betrachten hier einen Teilaspekt einer Microservice­-Architektur, daher gibt es ausnahmsweise mal eine Antwort ohne „Kommt drauf an.“ In zwei Worten: „zentrales Logging.“ Der konkrete Technologiestack dafür muss zum System passen, das man damit überwacht und betreibt. Wichtig ist zuallererst, dass es eines gibt.

Und da ja wir über DevOps sprechen: Die Logs eines Produktivsystems müssen allen zur Verfügung stehen: den Entwicklern zur Fehlersuche, den Betreibenden zur Generierung von Metriken, den Stakeholdern aggregiert als Dashboard. ­ Die Zeit der geheimen Logs ist vorbei. Natürlich sollte man hier nicht naiv sein. Es gibt auch Informationen, die Datenschutz­-relevant sind, und diese sollten auch entsprechend geschützt werden. Aber grundsätzlich schafft ein zentralisiertes Logging einen hohen Grad an Transparenz und Mehrwert für alle Beteiligten.

JAXenter: Elasticsearch, Logstash, Kibana – weshalb hat dieses Trio in letzter Zeit so dermaßen an Popularität gewonnen, dass man sogar einen Technologie­-Stack danach benannt hat?

Christian Uhl: Wir als Industrie lieben Akronyme! Aber im Ernst: Elastic hat es als Unternehmen geschafft, aus den Einzelkomponenten ein stimmiges Gesamtpaket zu schnüren, das einfach zu bedienen aber doch mächtig ist, und das sich gut auf die verschiedensten Infrastrukturen anpassen lässt. Das senkt die Einstieghürde und erklärt den Erfolg.

JAXenter: Welche Rolle spielt Docker in Sachen Logging?

Christian Uhl: Docker bringt als zusätzliche Komplexitätsebene im System neben all den Vorteilen auch Herausforderungen mit: Das Log einer Applikation verweilt nicht mehr direkt bei der Applikation selbst, sondern Daten und Applikation werden infrastrukturell entkoppelt. Immutable Container verstehen sich nicht mit persistenten Logs. ­ Aber das ist nicht so schlimm, wie es klingt. In meinem Vortrag zeige ich auf, wie man dies sauber abbilden kann.

JAXenter: Worum geht es dir in deiner Session – was ist die Kernbotschaft, die du den Besuchern mit auf den Weg geben möchtest?

Christian Uhl: Loggt um euer Leben! ;­) Ernsthaft: Logging ist ein zentraler Aspekt einer Microservice­Architektur, den man stark im Fokus behalten muss. Für diese neue Herausforderungen gibt es aber auch neue Werkzeuge. ­ Der ELK-Stack hilft uns dabei, diesen zu begegnen.

JAXenter: Vielen Dank für dieses Interview!

Christian Uhl works as a consultant for codecentric AG and spends most of his time with Elasticsearch, the ELK Stack, Microservices and Scala. He has seen a lot of Situations gone awry because noone knew what happened and spent too much of his life searching for the right log entry.

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Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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