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LocationTech: Einmarsch der Geodaten-Giganten bei Eclipse

Diana Kupfer

„Die Geodatenindustrie lebt von Kollaboration“, brachte Eddie Pickle, CEO der Open-Source-Geodatenfirma Boundless (früher: OpenGeo) die Motivation hinter der LocationTech Working Group im Interview mit uns auf den Punkt. Erst im Februar hatte sich die Eclipse-Arbeitsgruppe für ortsabhängige Technologien gegründet, um in Sachen Ortsdatenverarbeitung und anknüpfenden Big Data und Business-Intelligence-Technologien die Kräfte zu bündeln und von gemeinsamen Standards zu profitieren. Ganz vorne marschieren IBM, Oracle, Actuate und Boundless mit. Inzwischen tummeln sich bereits sieben Projektvorschläge auf der Webpräsenz – das Geodaten-Ökosystem bei Eclipse wächst geradezu explosionsartig.

Da wäre zum Beispiel das Projekt GeoMesa, das die Speicherung von Geodaten im Key-Value-Store Accumulo regeln soll. Letzte Woche berichteten wir über SpatialHadoop und GeoGit mit den Basistechnologien Hadoop und Git.

GeoScript und Geoff

Dem Datum des Eintrags nach war GeoScript das erste LocationTech-Proposal. Ziel dieser Initiative ist ein einheitliches API für GeoTools, eine Java-Bibliothek für Geoinformationssysteme (GIS). Bislang stehen Implementierungen in Groovy, JavaScript, Python und Scala zur Verfügung.

Der Visualisierung von Ortsdaten in Eclipse-RCP-Anwendungen hat sich das Projekt Geoff (Geo Fast Forward) verschrieben, das einschlägige Werkzeuge zur Verfügung stellen möchte. Denn: 80 % aller gesammelten Daten, so die Projektinitiatoren, sind geographisch relevant.

GeoTrellis

Ein weiterer Projektvorschlag wurde Ende September gepostet: GeoTrellis. Dessen Fokus liegt auf der Latenzverringerung bei der Übertragung und Auswertung von Geodaten. Die Vision ist es, ein Framework zu entwickeln, mit dem sich große Mengen an Raster- und Vektordaten verteilt und in Echtzeit verarbeiten lassen. Da Skalierbarkeit und Parallelisierung groß geschrieben werden, entschied man sich für die Sprache Scala und das Aktoren-Framework Akka:

Like an RDBS that can optimize queries, GeoTrellis will automatically parallelize and optimize geoprocessing models where possible.  In the spirit of the object-functional style of Scala, it is easy to both create new operations and compose new operations with existing operations.

Initiiert wurde GeoTrellis vom US-amerikanischen GIS-Unternehmen Azavea, das sich im Proposal auf seine zehnjährige Erfahrung in puncto schnelle Geodatenverarbeitung und entsprechende Vorarbeiten beruft. Auf GitHub kann man sich bereits einen Eindruck vom Code verschaffen.

JTS Topology Suite

Projekt Nummer sieben ist eine Open-Source-Java-Bibliothek, die ein Objektmodell für Flächengeometrie nebst grundlegenden geometrischen Funktionen bereitstellt: die JTS Topology Suite. Man hält man sich dabei an die OpenGIS Simple Features Specification for SQL, ein Standard für die Verwaltung von Geodaten über das SQL-basierte ODBC-API. Auf die Fahnen schreibt sich das Projekt außerdem konsistente, schnelle und zuverlässige Algorithmen für die Berechnung von Vektorgeometriedaten. Die Suite enthält zusätzlich ein Tool für Unit Tests sowie ein GUI-Werkzeug zur Bearbeitung und Visualisierung der Daten.

Java + reife Technologien – ein Erfolgsrezept?

Was auffällt: Java mischt diesem neuen Geodaten-Konsortium kräftig mit. So findet sich im Projektvorschlag zur JTS Topology Suite der Hinweis, dass die Technologie mit „100% reinem Java“ entwickelt wurde. Und GeoTrellis setzt ganz offensichtlich auf JVM-Sprachen.

Was die Projekte außerdem eint: Sie wurden nicht erst mit Gründung der LocationTech aus dem Boden gestampft, sondern gehen allesamt aus ausgesprochen reifen und ausgiebig erprobten Technologien hervor, an denen die beteiligten GIS-Unternehmen und -Forscher jahrelang in der eigenen Softwareschmiede gefeilt haben. Das weckt hohe Erwartungen an diese Allianz, die ganz im Zeichen von Open Source geschmiedet wurde. Wer weiß, vielleicht avanciert die noch junge LocationTech zu einer der mächtigsten Working Groups unter der Schirmherrschaft von Eclipse?

Geschrieben von
Diana Kupfer
Diana Kupfer
Diana Kupfer war Redakteurin bei S&S Media für die Zeitschriften Java Magazin, Eclipse Magazin und das Portal JAXenter. 
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