License to Code: Java EE 7, GlassFish 4.0, NetBeans 7.3.1

Hartmut Schlosser

Java EE 7 ist da. Nach drei Jahren kann die Java Community auf einen neuen Enterprise-Standard zurückgreifen. Zwar wurde bekanntlich das große Thema „Cloud“ ausgeklammert – zu unreif seien die Technologien für Provisioning, Multi-Tenancy und Elastizität in der Cloud derzeit noch, hatte Oracle’s Linda DeMichiel im September 2012 erklärt. Nichtsdestotrotz sind zahlreiche, teils seit langem überfällige Aktualisierungen vorgenommen und neue Komponenten wie WebSocket, JSON und das von Spring Batch inspirierte Batch API integriert worden.

Die Liste der 14 neuen bzw. aktualisierten JSRs nimmt sich wie folgt aus:

  • JSR 236: Concurrency Utilities for Java EE 1.0
  • JSR 338: Java Persistence API 2.1
  • JSR 339: Java API for RESTful Web Services 2.0
  • JSR 340: Java Servlet 3.1
  • JSR 341: Expression Language 3.0
  • JSR 342: Java Platform, Enterprise Edition 7
  • JSR 343: Java Message Service 2.0
  • JSR 344: JavaServer Faces 2.2
  • JSR 345: Enterprise JavaBeans 3.2
  • JSR 346: Contexts and Dependency Injection for Java EE 1.1
  • JSR 349: Bean Validation 1.1
  • JSR 352: Batch Applications for the Java Platform 1.0
  • JSR 353: Java API for JSON Processing 1.0
  • JSR 356: Java API for WebSocket 1.0

Im Gespräch mit JAXenter nennt Oracles Anil Gaur (Vice President Software Development) drei Hauptthemen für das Java EE 7 Release: HTML5 Support, Steigerung der Entwickler-Produktivität und die Umsetzung wichtiger Enterprise-Anforderungen. Gaur betont die Nähe des Standards zu realen Entwickler-Problemen (wohl im Gegensatz zu den eher esoterischen, weil selten genutzten Cloud-Specs) und die bessere Integration der Komponenten beispielsweise durch die Generalisierung des Annotations-Konzeptes.

Viel Arbeit floss auch in die Verbesserung der Integration von JSRs, um Java EE 7 zu einer noch besser abgestimmten Plattform zu machen. Beispielsweise kann Bean Validation nun in Methoden-Deklarationen genutzt werden, um Parameter zu validieren und Werte zurückzugeben.

Fast zeitgleich mit der Freigabe der Java-EE-7-Spezifikationen wurden auch zwei reale Codeartefakte mit Java EE 7 Support released: Zum einen die Java-EE-7-Referenzimplementierung Glassfish 4.0, die ab sofort auf einer neu aufgemachten Homepage zur Verfügung steht. Zum anderen wurde die NetBeans-Entwicklungsumgebung in ihrer Version 7.3.1 auf Java EE 7 eingestellt.

Apropos IDEs – wo NetBeans steht, ist meist auch Eclipse nicht weit. Und so kommt in Oracles offizieller Pressemitteilung Eclipse-Foundation-Direktor Mike Milinkovich zu Wort, der den vollen Java EE 7 Support im kommenden Eclipse Kepler verspricht:

Eclipse Kepler will ship with Java EE 7 support, thanks to the hard work of the Eclipse Web Tools Project (WTP) team. Early builds are available today, with a final build expected by the end of June, making this the quickest we have ever supported a new Java EE platform release.

Der Form halber wollen wir auch das offizielle Statement von Oracles Cameron Purdy (Vice President of Development, Oracle) nennen:

Java EE continues to be hugely popular, with continuing strong developer adoption and we’re very excited about Java EE 7. This is a great release with strong technology updates that meets the demands of today’s enterprises. Oracle has a strong vested interest in the success of Java and we are firmly committed to working with the community to deliver a consistent, high-performance, high-quality Java EE implementation.

Trotz einiger Ausfälle – wie etwa auch das JCache API, das nachgeliefert werden soll – kann sich die Liste der in Java EE 7 standardisierten Technologien sehen lassen.

Java EE 7 Architekturplan

Java EE 7 ist da – ein Grund zur Freude für die Java Community, auch wenn sich der ein oder andere ein „mutigeres“ Release gewünscht hätte. Beispielsweise kommentierte die London Java Community die JMS-2.0-Spezifikation mit den Worten, JMS 2.0 hätte durchaus einen umfangreicheren und ambitionierteren Scope haben können:

The LJC views the messaging space as one in which further standardisation is possible and desirable, and urges interested JCP members to explore possibilities in this space.

Doch immerhin kommt JMS 2.0 nach über neun Jahren der Stagnation zustande – und so manch einer hätte das nicht mehr für möglich gehalten. 

Nun drehen sich die Evangelisierungs- und Marketing-Mühlen – Oracle selbst hat weder Kosten noch Mühen gescheut und einen Trailer zu Java EE 7 gedreht. Wer’s mag: Bühne frei für „License to Code“!

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, JavaFX, Eclipse und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
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