Lean-Management in der Unternehmens-IT

Entscheidungen aufschieben

Entscheidungen trifft man am besten gut informiert, denn es gilt in der Regel viele Randbedingungen zu berücksichtigen. Auf der anderen Seite existieren auch viele Alternativen, die für sich genommen jeweils wieder viele Implikationen für das jeweilige Projekt mit sich bringen. Projektleiter und Manager versuchen oft die Komplexität mit frühzeitigen (Vor-)Entscheidungen zu reduzieren. Sie engen damit aber den Lösungsspielraum oft unnötig früh ein. Das Lean-Management schlägt vor, Entscheidungen maximal informiert zu treffen. Das bedeutet, dass man sie so spät wie möglich trifft. Allerdings ist dies nicht als Freibrief gemeint, sich ständig weiter zu informieren und immer neue Technologien, Konzepte und Tools zu evaluieren. Dies gilt analog für fachliche Entscheidungen. Immer die nächste Vorstandssitzung und die nächste strategische Ausrichtungen abzuwarten, verhindert ebenfalls Entscheidungen. Solch ein Vorgehen führt dazu, dass produktive Arbeit nie erfolgt.

Es geht hier vielmehr darum, dass zum Beispiel zu Beginn eines Projekts nicht als Erstes alle technologischen Festlegungen vorgenommen werden müssen. Viele davon können fundierter und besser entschieden werden, wenn der fachliche Hintergrund und der Einsatzkontext allen Beteiligten klarer geworden ist.

Wichtig bleibt aber, dass Entscheidungen dann getroffen werden, wenn sie anstehen. Gemeint ist nicht, dass erst dann ein umfangreicher Prozess des sich Informierens einsetzt. Zu diesem Zeitpunkt muss gegebenenfalls nach bestem Wissen und Gewissen entschieden werden. Im Lean-Management werden hier auch Metriken zur Unterstützung und Kontrolle von Entscheidungen angeboten. Trotzdem gilt, dass es leichter ist mit falschen Entscheidungen zu leben und diese später in einigen Fällen zu korrigieren, als gar keine Entscheidungen herbeizuführen.

Für alle IT-Projekte sollte gelten, dass wir bezüglich des angestrebten Projektziels genauso klar und entschieden sind, wie wir offen und flexibel bezüglich der Mittel sind, um dieses Ziel zu erreichen.

Fazit

Lean-Management strebt nach einfachen Lösungen. Einfache Lösungen sind aber keinesfalls einfach zu erreichen. Widerstehen Sie der Versuchung, einfach das zu tun, was für Sie gerade mit dem geringsten Aufwand machbar ist. Das ist zwar bequem, führt aber nur selten zur einfachsten Lösung.

Einfache Lösungen können nur gemeinsam von IT und Business erarbeitet werden. Denn woher soll die IT wissen, wie man den Geschäftsprozess ändern könnte? Woher das Business wissen, was IT-technisch aufwändig und was leichter zu realisieren ist? Dies bedeutet nicht nur Kooperation auf der Management-Ebene, sondern auch die Sachbearbeiter (die späteren Anwender des Systems) und die Entwickler müssen miteinander ins Gespräch kommen. Den Rahmen bilden dabei natürlich die klaren, gemeinsamen Zielvorgaben des Business- und des IT-Managements.

Für Softwareentwicklungsprojekte gibt es bereits Prozesse, welche die Prinzipien des Lean-Managements anwenden, zum Beispiel Scrum als Managementrahmen, eXtreme Programming mit Best Practices der Softwareentwicklung und Feature Driven Development. Sie alle betrachten keinesfalls nur die IT-Seite, sondern regeln klar, wie die fachliche Projektsteuerung von der Business-Seite übernommen wird.

Dipl.-Inform. Henning Wolf ist Geschäftsführer der akquinet it-agile GmbH in Hamburg. Er verfügt über langjährige Erfahrung aus agilen Softwareprojekten (eXtreme Programming, Scrum, FDD) als Entwickler, Projektleiter und Berater. Darüber hinaus hat er zahlreiche Artikel und Tagungsbeiträge über agile Softwareentwicklung verfasst und ist Autor der Bücher „Software entwickeln mit eXtreme Programming“ und „Agile Softwareentwicklung“. Henning Wolf hilft Unternehmen und Organisationen agile Methoden erfolgreich einzuführen.

Poppendieck, Mary und Poppendieck, Tom: Lean Software Development: An Agile Toolkit. Addison-Wesley, 2003.

Poppendieck, Mary und Poppendieck, Tom: Implementing Lean Software Development: From Concept to Cash. Addison-Wesley, 2006.

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