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Interview mit Knut Hechtfischer, Co-Founder von ubitricity

„In einem Lean Business sind die Leute die Essenz“

Hartmut Schlosser

Knut Hechtfischer

Startups schießen wie Pilze aus dem Boden, doch nur wenige schaffen den Durchbruch. Innovation ist dabei immer ein wichtiger Faktor. Im Interview analysiert Knut Hechtfischer, Mitgründer von ubitricity und Speaker auf der DevOpsCon 2017, wie Startups heute etablierte Unternehmen herausfordern können und erklärt, wie man Innovation auch in Traditionsunternehmen zurückbringen kann. Außerdem sprachen wir mit ihm darüber, was ein Lean Business ausmacht.

Wer Knut Hechtfischer gerne einmal persönlich treffen möchte, der hat auf der diesjährigen DevOpsCon in Berlin Gelegenheit. Gemeinsam mit Tim Kunde, Co-founder und CEO bei Friendsurance, veranstaltet er den Startup Hurricane. In diesem Panel betrachten die unsere Speaker, woher die Ideen für Startups kommen und wie diese schließlich umgesetzt werden.

JAXenter: Du bist Teil des „Startup Hurricane“ auf der DevOpsCon, wo du deine Erfahrungen aus dem Startup ubitricity mit einbringst. Worum geht es bei ubitricity genau?

Knut Hechtfischer: Elektroautos brauchen einen eigenen Stromtarif. Damit der Stromtarif für das Auto aber nicht nur zuhause anwendbar ist, sondern zum Beispiel auch am Arbeitsplatz, muss der Tarif mobil sein. Dazu braucht man wiederum Daten, weswegen wir ein Ladekabel entwickelt haben, das den Strom zählt, den Ladevorgang steuert und die Daten übermittelt (M2M). Für das Ladekabel gibt es dann einen Tarif, was eine radikale Neuerung für die Strombranche ist, die heute nur „Festnetz“ kennt und kann. Eine zweite, mobile Zählernummer? Da heißt es meist noch: „Geht ja gar nicht.“ Läuft aber schon.

JAXenter: In dem Panel geht es ja auch um Innovation. Wie würdest du das besonders Innovative bei euch beschreiben?

Wenn die etablierte Technik nicht liefern kann, was ökonomisch Sinn macht, muss man es eben anders bauen.

Knut Hechtfischer: Wir bleiben nicht beim Status Quo stehen, sondern hinterfragen alles. Wenn die etablierte Technik nicht liefern kann, was ökonomisch Sinn macht, muss man es eben anders bauen. Wir sind die ersten, die auf die Idee kamen, die Zähl- und Abrechnungstechnik vom Ladepunkt ins Auto zu verschieben und das Auto mit dem Kabel nachzurüsten. So können wir überall ans Netz und Ladepunkte sogar in Straßenlaternen installieren, wofür wir bereits eine gewisse Bekanntheit erreicht haben.

Das ist aber nur ein Aspekt. Wir übertragen die Geschäftsprozesslogik von „Mobile“ auf den Strom – smartes Endgerät ermöglicht einfachen, mobilen Zugang. Und durch eine individuelle Tarifierung der E-Fahrzeuge werden sie zu direkten Verbrauchern am Stromnetz – ähnlich wie bei tarifierten Haushaltsgeräten im Smart Grid. Das bietet viele Möglichkeiten und neue Geschäftsmodelle.

JAXenter: Heute schaffen es kleine Startups immer wieder, große, etabliert scheinende Unternehmen und ganze Branchen herauszufordern. Weshalb gerade jetzt? Ist es die besondere Innovationsfreude? Sind es neue technologische Möglichkeiten, die es früher so nicht gab? Oder etwas ganz anderes?

Knut Hechtfischer: Vor allem haben sich die technischen Randbedingungen geändert. Jeder kommt leichter an Wissen, Netzwerke sind weniger exklusiv, die Märkte sind größer, die Rechtslage harmonisierter geworden und Prototypen kann man drucken – kurzum: Es ist einfacher, loszulegen. Erfolg garantiert das noch nicht, denn diese Erleichterungen gelten ja für alle. Es gibt also auch mehr Wettbewerb – und das gleich global.

Interessant ist, dass Anpassungen in großen Unternehmen manchmal so langsam ablaufen, dass sie von den genannten Vorteilen später profitieren. Da gibt es dann keinen Prozess, um mal schnell einen Prototypen zu drucken oder um etwas testweise einzukaufen, was man noch nicht kennt. In diese „Trial-and-Error“-Lücke stoßen Startups.

DevOps Docker Camp

Teilnehmer lernen die Konzepte von Docker und die darauf aufbauenden Infrastrukturen umfassend kennen. Schritt für Schritt bauen sie eine eigene Infrastruktur für und mit Docker auf.

Alle Termine des DevOps Docker Camps 2018 in der Übersicht

München: 19. – 21. Februar 2018
Berlin: 14. – 16. März 2018

JAXenter: Wie kann man in saturierten, traditionellen Unternehmen die Innovation zurück bringen? Hast du hier einen Tipp aus deiner Praxis?

Knut Hechtfischer: Fehlinvestitionen sollten nicht nur Vorständen nachgesehen werden. Ein Einkäufer sollte nicht unbedingt behaupten müssen, er wüsste genau, warum er etwas kauft, sondern er müsste probieren und sofort abschreiben dürfen. Das gilt erst recht für öffentliche Beschaffung. Es ist einfach unvertretbar, den Eindruck zu vermitteln, irgendwer wüsste heute, was in drei Jahren rückblickend richtig gewesen sein wird. Das wird aber immer versucht, was tendenziell zu eher konservativen Entscheidungen, einem Mangel an Experimenten und letztlich zu verspäteten Erkenntnissen darüber führt, was es gibt, was funktioniert und wie man damit wann Geld verdient. Man kann sich doch bestens vorstellen, wie jemand beim Konzern gefragt wird, wieso er denn bitte bei einem Startup etwas bestellt habe, da hätte man doch wissen müssen, dass das nicht zukunftssicher sei.

JAXenter: Du hältst deinen Talk ja im Rahmen des Lean Biz Days auf der DevOpsCon. Was ist für dich die Essenz eines Lean Business?

Häufig denkt man doch noch zu kompliziert.

Knut Hechtfischer: Wenig Umwege und möglichst keine Leute, die sagen, sie hätten keine Zeit und seien „dafür“ ja eigentlich nicht zuständig. Die Leute sind die Essenz. „Mission driven“ und deswegen lösungsorientiert. Und dann – das haben wir auch hart lernen müssen – ist immer genau zu überlegen, ob der gewählte „beste“ Weg wirklich eine gute Idee ist. Häufig denkt man doch noch zu kompliziert und popelt in der dritten Ableitung der Optimierungsaufgabe rum, statt einfach den Sack zuzumachen.

Was ist die Kernbotschaft deiner Session, die jeder mit nach Hause nehmen sollte?

Knut Hechtfischer: Der nächste Schritt zum großen Erfolg ist immer einfacher, als man zunächst denkt. Er ist nämlich kleiner.

Knut Hechtfischer co-founded ubitricity in 2008 with the idea of enabling a smart and sustainable charging of electric vehicles (EVs) everywhere EV-users go. Knut, who developed the basic technical and commercial ideas behind ubitricity in 2007, is primarily responsible to implement and further develop the product architecture and the strategic roadmap of ubitricity including the ongoing formation and strengthening of ubitricity’s partnership base. Since 2015 Knut focused on the implementation of the Mobile Charging System in the UK market. Today he is in charge of UK market development. He is an industry expert and a frequent speaker at various seminars and conferences around Europe and is writing articles for diverse publications on energy and e-mobility.
Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, JavaFX, Eclipse und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
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