Lasst uns doch einfach Java forken

Hartmut Schlosser

Macht es Sinn, einen Java-Fork anzustreben?

Sascha Labourey argumentiert in seinem Blogeintrag „Time to Fork Java? si vis pacem, para bellum“ dafür, dass eine Allianz aus Industriegrößen wie IBM, Google, RedHat, VMware die Chance hätte, die Java-Community mit einer Alternative zu Oracles Java-Stack für sich zu gewinnen. Zumindest würden solche Abspaltungs-Bestrebungen einen auf lange Sicht unhaltbaren Druck auf Oracle ausüben, der die Ellison-Truppe zu einer liberaleren Haltung gegenüber Java zwingen könnte.

„Wer den Frieden will, der rüste zum Krieg“, konkludiert Labourey, denn Oracle-CEO Larry Ellison werde seine Haltung nicht ohne massive Verschiebungen in „der Willensschlacht um Java“ ändern.

Der Erfolg einer Allianz gegen Oracle hänge dabei davon ab, wie schnell die teilnehmenden Unternehmen handelten, wie gut ihre Gegenvorschläge zu Oracles Lösungen seien und in welchem Maße die Unternehmen die Java-Welt davon überzeugen könnten, dass sie zu konstruktiver Zusammenarbeit ohne Partisanen-Allüren im Stande seien.

Doch genau hier liegt für Fabrizio Giudici der wunde Punkt einer jeden solchen Java-Fork-Bewegung, wie er in seinem Antwortblog „Forking Java, not a good idea at the moment“ ausführt. Das Dilemma besteht für ihn darin, dass die Community einerseits von sich aus nicht die nötige Kraft für einen Fork aufbringen könne und, wie auch Labourey eingesteht, auf die Unterstützung führender Java-Unternehmen angewiesen sei.

The community alone can’t sustain a fork of the JDK (OpenOffice, but also GlassFish, NetBeans or other stuff are a totally different thing – I think that people should really sit down and realize first what’s inside the VM). Fabrizio Giudici

Andererseits würde die vorgeschlagene Allianz aus IBM, Google, RedHat, VMware etc. schwerlich die nötige einstimmige Handlungsmacht entfalten können, seien die Interessen der Einzelunternehmen doch zu disparat. Viel wahrscheinlicher als ein neutral regierter Körper zur Verteidigung der Interessen der Java-Community sei eine Foundation, in der Unternehmen ihre eigenen Machtspiele weiterführen und die Java-Community als Geisel der Unternehmenspolitik instrumentalisieren würden.

Unternehmen setzten nämlich nur dann auf die Community-Karte, wenn es den Eigeninteressen dienlich erscheine – die Grenze zum wohltätigen Diktator sei dabei fließend.

I’ve got a strong feeling that a foundation managing Java, instead of being a neutral body supported by the corporates, would be their hostage for their politics, with the community playing the useful idiot. Fabrizio Giudici

Zudem würde ein Java-Fork für Giudici momentan zum falschen Zeitpunkt kommen. Gerade jetzt, da nach Jahren der Stagnation unter Sun mit der Oracle-Java-Roadmap für JDK 7 und JDK 8 endlich eine solide Strategie vorgelegt worden sei, solle man besser abwarten, wie die nächsten Java 7/8 Meilensteine ausfielen und wie ernst Oracle die Versprechen gegenüber der Community nehme.

In the end, Oracle must solve some essential points in the way it wants to relation with other corporates and the community, but I’d feel better with a single Java steward. Let’s follow how they are going to pursue the Java 7 and 8 milestones and the commitments to the community that they renewed at J1. Fabrizio Giudici

Stellt sich allerdings die Frage, ob es in 2012 dann nicht zu spät für einen Java-Fork à la IBM, Google, RedHat, VMWare – und nicht zu vergessen SAP – wäre.

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Hartmut Schlosser
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