Larry Ellison tritt zurück: Wohin steuert Oracle?

Hartmut Schlosser
© shutterstock.com/ drserg

Larry Ellison tritt von seinem Posten als Oracle CEO zurück. Diese Meldung wandert seit gestern durch die internationale Medienlandschaft. Doch obwohl sich nun die beiden bisherigen Vizes Safra Catz und Mark Hurd die Führungsspitze bei Oracle teilen wollen, dürfte sich zunächst nicht viel am bisherigen Kurs ändern. Der Grund dafür heißt: Larry Ellison.

Larry Ellisons‘ Oracle

„Ich werde weiterhin tun, was ich in den letzten Jahren getan habe – und sie werden weiterhin das tun, was sie die letzten Jahre über getan haben“, wird Ellison in der Washington Post zitiert. Larry macht unmissverständlich klar, dass von Ruhestand keine Rede sein kann. Offiziell wird der gerade 70 Jahre jung gewordene Multimilliardär (in der Bloomberg-Liste der reichsten Menschen der Welt rangiert Ellison mit 46 Milliarden US-Dollar auf Platz 7) den bisherigen Executive Chairman Jeff Henley ersetzen und als CTO die Führung der Technologieabteilung übernehmen.

Safra Catz, die bisher Oracles Finanzen vorstand (CFO), wird fortan für die Bereiche Manufacturing, Legal und Finance zuständig sein. Damit wird Catz’ Befugnis lediglich erweitert, denn einen neuen CFO wird es nicht geben. Der Ex-HP-Chef Mark Hurd soll die Abteilungen Sales, Services und Vertical Industry übernehmen.

„Safra und Mark machen einen spektakulären Job und verdienen die Anerkennung durch ihre neuen Titel“, kommentierte Ellison gegenüber Analysten.

Bilanzen

Neben diesen Titel-Wechselspielen wurden die jüngsten Quartalszahlen Oracles bekannt gegeben. Demnach ist der Umsatz im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2015 im Jahresvergleich um drei Prozent auf 8,6 Milliarden US-Dollar gestiegen – Analysten hatten mit 200 Millionen US-Dollar mehr gerechnet. Auf der Stelle tritt der Netto-Gewinn von 2,2 Milliarden US-Dollar.

Die Börse reagierte mit Kurssenkungen der Oracle-Aktie, die zuletzt mit 2 Prozent im Minus notierte. Oracle konterte und kündigte Aktienrückkäufe in Höhe von 13 Milliarden US-Dollar an.

Herausforderungen: Cloud, Java

Ellison, der Oracle im Jahr 1977 mitgegründet hatte, übergibt die Führung an Catz und Hurd also durchaus mit einigen Hausaufgaben. Die traditionellen Datenbanken werden heute zunehmend in eine IT-Landschaft eingebettet, in der Cloud-Computing-Systeme eine tragende Rolle spielen. Stand Ellison der Cloud lange Zeit skeptisch gegenüber, hatte Oracle sich ihr in jüngerer Vergangenheit doch geöffnet und entsprechende Cloud-Angebote ihrer „On Premise“-Software ins Portfolio geholt.

Die Übernahme Sun Microsystems brachte Oracle bekanntlich die Programmiersprache Java ins Haus. Monetarisieren ließ sich die Übernahme indes (noch) nicht – vor allem auch wegen des stagnierenden Hardware-Geschäfts. Implikationen für Java selbst sind bisher allerdings nicht in Sicht. Wenn davon auszugehen ist, dass sich im Tagesgeschäft bei Oracle nicht viel ändert, dürfte zumindest mittelfristig auch am eingeschlagenen Kurs für Java festgehalten werden.

Larry Ellison selbst schien sich in der Vergangenheit ohnehin eher für Yachten und Hawaii-Inseln zu interessieren. Man erinnere sich an die Oracle World im letzten Jahr, als Ellison seine angekündigte Keynote an Thomas Kurian übergab, um selbst bei der Siegesfeier seines American-Cup-Teams dabei zu sein.

Und wieder steht die nächste Oracle World inklusive JavaOne vor der Tür (28.9. bis 2.10.). Zitierfähige Aussagen vom wortgewaltigen Ellison über die Zukunft von Oracle – und vielleicht auch von Java – sind also durchaus nicht auszuschließen!

Aufmacherbild: drserg / Shutterstock.com

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

avatar
400
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: