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Interview mit Chris Aniszczyk, COO der Cloud Native Computing Foundation

Kubernetes – Das „verteilte“ Linux der Cloud?

Gabriela Motroc
Chris Aniszczyk

Kubernetes ist das erste Probjekt der Cloud Native Computing Foundation (CNCF), das seinen sprichwörtlichen Abschluss gemacht hat. Das bedeutet, es ist „ausgereift und belastbar genug, um Container branchenübergreifend in Unternehmen aller Größenordnungen zu verwalten“. Wir haben mit Chris Aniszczyk, dem COO der CNCF, über die Popularität von Kubernets gesprochen und darüber, welche Projekte ebenfalls bald graduieren könnten.

JAXenter: Kubernetes ist das erste CNCF-Projekt, das graduiert. Was bedeutet das für die CNCF und was wird sich nach dem „Abschluss“ von Kubernetes ändern?

Chris Aniszczyk: Das CNCF Technical Oversight Committee (TOC) hat Kubernetes als erstes Projekt der CNCF gewählt, da es sich als ausgereift und belastbar genug erwiesen hat, um Container in allen Branchen und in allen Größenordnungen zu verwalten. Die vom TOC festgelegten CNCF-Abschlusskriterien definieren, was ein nachhaltiges, produktionsreifes, ausgereiftes Open-Source-Projekt mit offener Governance ist, auf das Unternehmen setzen können. Nur weil ein Projekt Open Source ist, heißt das nicht, dass es qualitativ hochwertig und nachhaltig ist.

Es gibt Kriterien, die das TOC definiert hat, um Best Practices widerzuspiegeln, die auf alle graduierten Projekte zutreffen müssen:

  • Übernahme der kommerzfreundlichen Apache-2.0-Lizenz und Einhaltung der IP-Richtlinien von CNCF
  • Übernahme und Durchsetzung von Best Practices im Bereich Sicherheit durch die Core Infrastructure Initiative
  • Verabschiedung einer offenen und transparenten Governance
  • Demonstration eines substantiellen kontinuierlichen Flusses von Commits und gemergter Contributions
  • Betreuer aus verschiedenen Organisationen, um die Vielfalt zu fördern.
  • Erfolgreicher Einsatz in der Produktion durch mehrere Organisationen
  • Einen Verhaltenskodex definieren und befolgen

Dieses Konzept des Projektabschlusses ist nicht wirklich neu, da es bei anderen Open-Source-Stiftungen wie der ASF ein Teil des Governance-Prozesses ist. Was die Leute vielleicht nicht wissen, ist, dass die CNCF noch eine junge Stiftung ist und es einige Zeit gedauert hat, bis wir unsere Governance-Prozesse seit unserer Gründung über die Jahre hinweg weiterentwickelt haben. Sarah Novotny lag genau richtig, als sie sagte, dass das Projekt und das Ökosystem das Gesicht der Infrastruktur in der Cloud verändert haben. Als graduiertes Projekt ist Kubernetes in einer noch stärkeren Position, um schneller zu wachsen und eine lebendige, gesunde und vielfältige technische Community zu erhalten.

JAXenter: Was ist das nächste CNCF-Projekt, das seinen Abschluss erreichen wird und wie ist es mit Kubernetes zu vergleichen?

Chris Aniszczyk: Jedes Projekt entscheidet selbst, wann es dem CNCF TOC einen Graduierungsvorschlag unterbreitet und somit der Überzeugung ist, die Kriterien für die Graduierung zu erfüllen. Diese Projekte haben ihre eigenen Communities, einige unserer Projekte integrieren sich in Kubernetes, können aber auch ohne Kubernetes genutzt werden.

Prometheus und Fluentd befinden sich derzeit in der Warteschlange und würden gerne in den kommenden Monaten graduieren.

Prometheus und Fluentd befinden sich derzeit in der Warteschlange und würden gerne in den kommenden Monaten graduieren. Prometheus ist ein Open-Source-Toolkit für das Monitoring von Systemen und das Alerting, das ursprünglich bei SoundCloud entwickelt wurde. Seit der Gründung im Jahr 2012 haben sich viele Unternehmen und Organisationen für Prometheus entschieden. Prometheus bietet eine breite Anwendbarkeit für die Überwachung von Systemen innerhalb und außerhalb von Kubernetes und des nativen Ökosystems der Cloud.

Fluentd ist ein Open-Source-Datensammler für ein einheitliches Logging-Layer mit einem Ökosystem von über 500 Plug-ins und wird von Unternehmen wie Amazon, Microsoft und Nintendo verwendet.

JAXenter: Kubernetes ist im Moment sehr beliebt und einige Leute scheinen zu glauben, dass es bereits den Orchestrierungskrieg gewonnen hat. Warum ist Kubernetes erfolgreicher als die anderen Kandidaten?

Chris Aniszczyk: Das Projekt hat große Vorteile, sowohl im technischen als auch im Community-Bereich. Kubernetes hat 2017 vier Veröffentlichungen herausgegeben. Die neueste Version 1.9 enthält ein stabiles Kern-Workloads-API und Beta-Unterstützung für Windows-Server-Container, sodass Benutzer Windows-basierte und .NET-basierte Container auf Kubernetes ausführen können.

Das Projekt hat durch die Unterstützung von CSI enorme Fortschritte in Sachen Cloud Native Storage gemacht. Dies erleichtert den Storage-Anbietern die Unterstützung von Kubernetes und schafft mehr Speicheroptionen und größere Offenheit für Endbenutzer. Außerdem ist Kubernetes im Vergleich zu den 1,5 Millionen Projekten auf GitHub die Nummer 9 in Sachen Commits und die Nummer 2 bei den Helfern und Issues, nur geschlagen von Linux.

Lesen Sie auch: Kubernetes Grundkurs: So baut man (Container-)Anwendungen heute

JAXenter: Kubernetes‘ Popularität wird in diesem Jahr wahrscheinlich noch größer werden – hat es das Zeug zur Lingua Franca?

Chris Aniszczyk: Kubernetes wird von vielen als eines der schnellsten Projekte in der Geschichte von Open Source bezeichnet, also denke ich, dass es absolut das Zeug dazu hat. Meilensteine wie 11.258 beitragende Entwickler, über 75.000 Commits auf GitHub und 158.000 Mitglieder in globalen Meetup-Gruppen zeigen, wie lebendig und groß die Community ist.

Organisationen wie Uber, Bloomberg, Blackrock, BlaBlaCar, The New York Times, Lyft, eBay, Buffer, Ancestry, GolfNow, Goldman Sachs und viele andere verwenden Kubernetes in der Produktion im großen Stil. Drei der größten Cloud-Anbieter bieten ihre eigenen Managed-Kubernetes-Services an. Darüber hinaus nutzen laut RedMonk 71 Prozent der Fortune-100-Unternehmen Container und mehr als 50 Prozent der Fortune-100-Unternehmen Kubernetes als ihre Container-Orchestrierungsplattform.

JAXenter: Mesosphere hat die Unterstützung für Kubernetes auf seiner DC/OS-Plattform hinzugefügt und Apache Spark hat das gleiche mit 2.3, der neuesten Version, getan; sogar Docker ist endlich dabei. Gibt es noch andere Gipfel zu bezwingen?

Ich bin begeistert darüber, dass Docker, Mesos und Spark Kubernetes integrieren, denn sie passen meiner Meinung nach wie die Faust aufs Auge.

Chris Aniszczyk: Ich bin begeistert darüber, dass Docker, Mesos und Spark Kubernetes integrieren, denn sie passen meiner Meinung nach wie die Faust aufs Auge. Ich erwarte, dass andere große Daten- und AI/ML-Projekte Kubernetes verwenden werden, um ihre Workloads zu skalieren und das Betreiben verschiedener Arten von Workloads in der Produktion zu vereinfachen.

Meiner Meinung nach kann Kubernetes das Stück langweiliger Infrastruktur bleiben, während all diese Technologien und Unternehmen ihren Wert auf dieser stabilen Basis aufbauen. Die beste Analogie ist hier, dass Kubernetes zum „verteilten“ Linux (oder POSIX) der Cloud wird, da die Anwender ihre Workloads einfach überall laufen lassen wollen, ohne ihre Anwendungen oder die von unabhängigen Softwareanbietern gegen jede Kubernetes-Umgebung testen zu müssen.

In Bezug auf andere Gipfel, die es zu erobern gilt, freue ich mich darauf, dass AWS die allgemeine Verfügbarkeit von Elastic Container Service for Kubernetes (EKS) ankündigt und es später in diesem Jahr zum Kubernetes-zertifizierten Projekt wird.

JAXenter: Danke!

Chris Aniszczyk ist COO der Cloud Native Computing Foundation (CNCF) und Vizepräsident im Bereich der Developer Relations bei der Linux Foundation.
 
 
Geschrieben von
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc ist Online-Redakteurin für JAXenter.com. Vor S&S Media studierte Sie International Communication Management an der The Hague University of Applied Sciences.
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