Interview mit Matt Chotin, Senior Director of Developer Initiatives bei AppDynamics

Kubernetes und die Zukunft: „Unikernels könnten zu Konkurrenten von Containern und Microservices werden“

Dominik Mohilo

Matt Chotin

Kubernetes zählt zu den „Stars“ in der Entwickler-Szene. Unternehmen setzen diese Technik für die Orchestrierung von Containern nun verstärkt in Multi-Cloud-Umgebungen ein. Das bringt neue Herausforderungen mit sich. Eine besteht darin, die Performance von Anwendungs-Containern zu optimieren. Matt Chotin, Senior Director of Developer Initiatives bei AppDynamics, spricht im exklusiven Interview mit JAXenter über die Vorteile von Kubernetes, die Zukunft der Container-Technologie und den Hype um Serverless.

JAXenter: Vor einigen Wochen stellten AppDynamics und Cisco ein Tool vor, mit dem sich Kubernetes in Multi-Cloud-Umgebungen im Produktivbetrieb einsetzen lässt. Warum sind solche Werkzeuge überhaupt notwendig?

Matt Chotin: Zum einen hat sich Kubernetes zum De-facto-Standard für die Orchestrierung von Containern entwickelt. Das zeigt sich daran, dass mittlerweile mit Docker Swarm und Mesophere Marathon zwei konkurrierende Ansätze Kubernetes unterstützen. Viele unserer Kunden experimentieren mit Kubernetes in Entwicklungs- und Testszenarien.

Allerdings haben Nutzer oft Probleme, die Performance von Kubernetes und der Anwendungen transparent zu machen, die über Container-Technologien bereitgestellt werden. Mit Cisco CloudCenter 4.9 lassen sich Container-basierte Applikationen zur Verfügung stellen und verwalten. AppDynamics for Kubernetes fügt eine Monitoring-Funktion hinzu. Sie erkennt dynamische Zustände auf Applikations- oder Cluster-Ebene und triggert bei Lastspitzen oder anderen Anomalien Cisco CloudCenter, um die Leistung zu optimieren.

Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Der Trend zu Multi-Cloud-Umgebungen. Die Zusammenarbeit mit mehreren Cloud-Anbietern wird zum Regelfall, auch in Deutschland. Ein Grund dafür ist, dass jede Anwendung eine Architektur mit speziellen Anforderungen besitzt, die individuelle Lösungsansätze erfordern. Aus solchen Einzellösungen entsteht mit der Zeit eine Multi-Cloud-Umgebung, in der Services auf unterschiedlichen Plattformen miteinander verknüpft sind. Eine Studie von IDC und AppDynamics ergab, dass 75 Prozent der Unternehmen in den kommenden zwei Jahren zwei bis fünf Clouds nutzen zu wollen.

JAXenter: Welche sind die größten Hindernisse für den Einsatz von Kubernetes in IT-Umgebungen, in denen Cloud-Dienste unterschiedlicher Service Provider zum Einsatz kommen?

Die Performance von Applikationen wirkt sich im Zeitalter der Digitalisierung unmittelbar auf den Geschäftserfolg aus.

Matt Chotin: Eine der Herausforderungen, die Nutzer von Kubernetes bewältigen müssen, ist der Mangel an Know-how und Tools, mit denen sich Kubernetes-Cluster verwalten lassen. Zudem haben etliche Entwickler und IT-Administratoren Bedenken, was das Monitoring von Kubernetes in Produktionsumgebungen betrifft. Das gilt vor allem für komplexe Infrastrukturen, in denen Cloud-Dienste unterschiedlicher Anbieter zum Zuge kommen. Denn zu Grundprinzipen von Container-Plattformen wie Kubernetes zählt, dass sich immutable Images nach Bedarf von einer Private Cloud in eine oder mehrere Public-Cloud-Umgebungen verschieben lassen – und umgekehrt. Diese Portabilität funktioniert jedoch nur dann, wenn IT-Fachleute detaillierte Informationen über die Performance der Container und Applikationen erhalten.

Es ist beispielsweise hilfreich, wenn sich die Leistungsdaten von unterschiedlichen Gruppen von Kubernetes Nodes vergleichen lassen. Das ist mit Tagged Metrics möglich. Dazu werden alle Nodes einer Ebene mithilfe von Server-Tags in einer Gruppe zusammengefasst. Diese Tags können von Amazon Web Services, Kubernetes und Docker stammen oder vom Nutzer selbst definiert werden. Der Vorteil ist, dass Fachleute anschließend die Applikations-Performance von Nodes und Node-Gruppen auf der Service-Ebene prüfen können, etwa die durchschnittlichen Antwortzeiten.

JAXenter: Kubernetes hat in den sogenannten Orchestration Wars den Sieg über Docker Swarm davongetragen. Warum ist Kubernetes so erfolgreich?

Matt Chotin: Ein Grund ist, dass Kubernetes aus Sicht von Entwicklern eine geradezu ideale Plattform ist, um Container aufzusetzen und zu verwalten. Das spiegelt sich in der hohen Akzeptanz von Kubernetes wider. Auf GitHub ist Kubernetes das Projekt, um das sich mit Abstand die meisten Diskussionen drehen. Hinzu kommt eine besonders rege Community, die maßgeblichzum Erfolg von Kubernetes beiträgt. Allerdings gibt es auch bei Kubernetes durchaus noch Verbesserungsbedarf. Ein Punkt, der immer wieder in Diskussionen aufkommt, ist die komplexe Implementierung in Rechenzentren. Außerdem ist es schwierig, auf einem Entwicklungs- oder Testrechner eine Testumgebung zu implementieren.

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JAXenter: Mit Serverless Computing ist derzeit ein weiteres Konzept in aller Munde. Glauben Sie, dass Container-Technologien durch Serverless überflüssig werden?

Matt Chotin: Das lässt sich derzeit nur schwer abschätzen. Beide Ansätze haben ihre Vor- und Nachteile. Für Container spricht, dass sie einem Unternehmen ein höheres Maß an Kontrolle über den gesamten Stack geben, von der Entwicklung bis hin zur Implementierung auf eigenen Servern oder in einer Public Cloud. Dazu ist allerdings das entsprechende Know-how erforderlich, außerdem ein effektives Application Performance Management. Für Serverless Computing spricht, dass sich Entwickler nicht um das Management von Containern und dazugehörige IT-Infrastruktur kümmern müssen. Sie können, vereinfacht gesagt, einfach drauf los coden.

Allerdings ist Serverless derzeit schwieriger zu entwickeln und zu debuggen als Container und die Tools werden eher von den Plattformanbietern kontrolliert. Größere serverbasierte Anwendungen erfordern auch mehr Aufwand bei der Entwicklung, da jede Funktionalität am Ende einen anderen Code erfordert, der weiter orchestriert werden muss. Container eignen sich für Applikationen aller Art, für komplexe Anwendungen ebenso wie für neue Entwicklungsprojekte und bereits vorhandene Applikationen. Serverless Computing ist dagegen besser für Projekte tauglich, die gewissermaßen auf der grünen Wiese starten. Bestehende Software an Serverless-Umgebungen anzupassen, ist in vielen Fällen zu aufwändig. Natürlich werden die beiden Ansätze aber oft gemeinsam genutzt, um das Beste aus beiden Welten zu vereinen.

JAXenter: Welche Trends werden die Weiterentwicklung von Container-Technologien prägen – oder anders gefragt: Was wird der nächste große Schritt sein?

Unikernels könnten in absehbarer Zeit zu Konkurrenten von Containern und traditionellen Microservices werden.

Matt Chotin: Ein Trend ist sicherlich Unikernels, bei denen Applikationen und Betriebssystemumgebungen in einen Container gepackt werden. Allerdings ist dieses Konzept noch nicht so ausgereift, dass es in Produktivumgebungen eingesetzt werden kann. Dennoch können Unikernels in absehbarer Zeit zu Konkurrenten von Containern und traditionellen Microservices werden.

Eine zentrale Rolle wird außerdem ein einheitliches, unified Monitoring von Applikationen und deren Performance spielen. Es wird nicht nur Kubernetes und Container umfassen, sondern IT-Umgebungen und Endgeräte aller Art. Das können Server und Serverless-Komponenten sein, aber auch Smartphones, IoT-Systeme und Microservices. Nicht nur für Entwicklungs- und Testabteilungen ist ein solches Monitoring wichtig, sondern auch für den Geschäftsführer und Chief Information Officer. Denn die Performance von Applikationen wirkt sich im Zeitalter der Digitalisierung unmittelbar auf den Geschäftserfolg aus. Das müssen alle Mitarbeiter berücksichtigen, vom Entwickler bis zum Vorstandsvorsitzenden.

Matt Chotin ist als Senior Director of Developer Initiatives bei AppDynamics tätig.
 
 
 
Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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