Interview mit Dr. Roland Huß

„Die Container-Technologie und Kubernetes sind definitiv kein Auslaufmodell“

Dominik Mohilo

Dr. Roland Huß

Der Hype um Docker scheint ein wenig abzuflauen, die Container-Technologie ist mittlerweile definitiv im Mainstream angekommen. Stattdessen steht immer mehr die Orchestrierung und die Möglichkeiten von Kubernetes im Fokus. Im Interview von der DevOpsCon 2017 in München spricht Dr. Roland Huß, Principal Software Engineer bei Red Hat, über den Exodus der Docker-Jünger hin zu Kubernetes, die Zukunft der Container und sein Projekt Syndesis.

JAXenter: Roland, wie wird man zum Cloud-native Java-Entwickler?

Dr. Roland Huß: Das ist eine gute Frage. Es ist erst einmal so, dass Java-Entwicklung auch im Cloud-native Umfeld immer noch Java-Entwicklung bedeutet und sich an der Stelle nicht fundamental unterscheidet. Es gibt natürlich gewisse Dinge, die man beachten muss. Letztendlich geht es ja hauptsächlich um verteilte Anwendungen und mit diesen kommt eine ganze Reihe neuer Herausforderungen auf einen zu. Man muss sich eben damit beschäftigen, z.B. mit Sachen wie der Service Discovery, also wie man seine abhängigen Services findet, oder dem Circuit Breaking und wie man auch Abhängigkeiten zwischen Services entkoppeln kann. Das sind alles Themen, mit denen sich ein Cloud-native Entwickler, wie man so schön sagt, beschäftigen sollte.

JAXenter: In deinem Talk auf der DevOpsCon 2017 in München ging es um Kubernetes Patterns. Ist die Entwicklung mit Kubernetes und Containern die Zukunft oder eher ein Auslaufmodell?

Was man vor zwei, drei Jahren noch mit reinen Docker Tools gemacht hat, verschiebt sich jetzt alles in Richtung Kubernetes.

Dr. Roland Huß: Da ist die Antwort erstmal ganz klar. Es ist, meiner Meinung nach, definitiv die Zukunft. Was man vor zwei, drei Jahren noch mit reinen Docker Tools gemacht hat, also Rumgespiele, bei dem Docker eben die Grundlage war, verschiebt sich jetzt alles in Richtung Kubernetes. Man kann sagen, dass Kubernetes der kleinste, gemeinsame Nenner wird, auf dem letztlich alle aufbauen. Das sieht man ja schon bei Docker, die Kubernetes nativ integrieren und bei Mesos geschehen ganz ähnliche Dinge. Die Container-Technologie und Kubernetes sind definitiv kein Auslaufmodell und man sollte sich mehr damit beschäftigen, weil es vielleicht sein kann, dass exklusive Anwendungen nur noch für progressive Plattformen wie Kubernetes deployt werden.

JAXenter: Was unterscheidet denn Kubernetes und die Entwicklung von Anwendungen auf Cloud-native Plattformen von klassischen Ansätzen?

Dr. Roland Huß: Das habe ich ja schon vorher kurz angedeutet. Im Prinzip ist es so, dass man sich einfach mit verteilten Anwendungen beschäftigen muss. Das, was früher alles schön lokal in der eigenen Anwendung vorhanden war (der klassische Monolith, der auch seine Vorteile haben kann für gewisse Bereiche), wird hier abgelöst. Das Stichwort ist hier Microservices von verteilten Diensten und das bringt ganz neue Herausforderungen mit sich.

Ein Service kann nun z.B. jederzeit wegfallen und dann muss man sehen, dass jemand sich darum kümmert und diesen wieder startet. Dafür sind Plattformen wie Kubernetes sehr gut geeignet, ebenso für Dinge wie die Autoskalierung. Und der Entwickler muss sich eben auch damit auseinandersetzen, dass er die Services abdecken kann, die er nutzt und die die Plattform anbietet. Ich glaube, dass die Umstellung garnicht mal so groß ist, es sind letztlich Kleinigkeiten. Die Programmierung wird sich deswegen nicht großartig verändern. Wichtig ist es, seine Tools zu kennen, das war schon immer so und ist eigentlich auch das Wichtigste.

JAXenter: DevOps und Docker, das hattest du ja schon in der Vergangenheit betont, passt wie die Faust aufs Auge – führt Kubernetes diesen Ansatz jetzt weiter fort?

Dr. Roland Huß: Für mich ist das entscheidende Merkmal von Containern die uniforme Oberfläche. Es gibt Leute, die kümmern sich um das, was in dem Container passiert, die Entwickler. Und dann gibt es die, die sich darum kümmern, wie diese Container betrieben werden, die Operators. Letztlich interessiert es aber nicht, wie dieser Container aussieht und was da drinnen vonstatten geht.

Für mich ist das entscheidende Merkmal von Containern die uniforme Oberfläche.

Und es ist genau diese Trennung, die auch in der realen Welt dazu beigetragen hat, die Sache durch ein technisches Mittel aufzuteilen und diese Prozesse wirklich aufzugliedern. Es ist ja auch sehr wichtig für DevOps, wie man diesen Übergang technisch realisieren kann. Dafür sind Container einfach immer noch super geeignet und das dürfte auch noch in der Zukunft so weitergehen. Ich glaube auch, dass ich auf diese Frage in den kommenden Jahren etwas ganz ähnliches antworten werde.

JAXenter: In unserem letzten Gespräch haben wir kurz über dein neues Projekt Syndesis gesprochen. Kannst du vielleicht noch einmal kurz anreißen, worum es dabei geht und was es da aktuell für neue Entwicklungen gibt?

Dr. Roland Huß: Syndesis ist eine hybride Integrationsplattform, mit der eine Enterprise-Integration auch für Leute möglich wird, die keine Programmierer sind. Bei Red Hat ist ja Apache Camel das Herz dieser Enterprise-Integration, ein Toolkit, mit dem man sehr schöne Interationen wie z.B. von Twitter nach Sales Force programmieren kann. Und die Frage war da natürlich die, wie man das jemanden möglich machen kann, der davon keine Ahnung hat. Stichwort Businessanalysten, die zwar wissen, wie die Businessprozesse aussehen, aber von der tieferliegenden Technik wenig Ahnung haben. Und das ist die Idee hinter Syndesis, dafür eine gute Oberfläche anzubieten. Es ist auch ein Open-Source-Projekt und ist dafür gedacht in OpenShift zu laufen.

Mit Syndesis ermögliche ich z.B. das besagte Szenario: Wenn jemand meinen Namen auf Twitter eingibt, wird automatisch auch ein Kontakt im Sales Force eröffnet. Dieses kann man dann graphisch definieren. Gerade sind wir in der technischen Preview-Phase 2 und bieten Syndesis zum Ausprobieren an. Das ganze nennt sich dann Fuse Online und mit einem Probe-Account, den sich jeder anlegen kann, kann man es einfach mal anwenden und durchspielen. Ich bin hier sehr gespannt auf Feedback und möchte noch einmal betonen: Jeder kann es gerne ausprobieren, jederzeit.

JAXenter: Vielen Dank für das Interivew, Roland!

Roland Huß ist ein Principal Software Engineer bei Red Hat, der unter anderem an Entwicklertools für Kubernetes und OpenShift arbeitet. Er entwickelt seit nunmehr zwanzig Jahren zumeist in Java, hat aber nie seine Wurzeln als Systemadministrator vergessen.
Roland ist ein aktiver Open-Source-Enthusiast, Entwickler der JMX-HTTP Bridge „Jolokia“ und betreut das fabric8 Docker Maven Plugin. Er hat eine heiße Leidenschaft für Chilis und leidet heiß mit dem FCN.
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Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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