Die Musik, der Takt, die Harmonien und der Dirigent, samt Konzertsaal und Komponist

Kubernetes – Wo ist denn das Orchester?

Jan Winter

© Shutterstock / Leremy

Wenn wir den Begriff „Orchestrierung“ hören, denken wir natürlich an Container, Docker und Kubernetes. Dennoch ruft der Begriff, gerade wenn man ihn zum ersten Mal hört, oft auch Bilder von Dirigenten, Geigern und Saxofonisten hervor. In diesem Artikel sucht Jan Winter, Softwareentwickler bei der itemis AG, nach den Gemeinsamkeiten zwischen Musik und dem Managen von Containern.

Seit ich den Begriff Container „Orchestrierung“ zum ersten Mal gehört habe, drängten sich Fragen in mein melodisches Gedanken-Geplätscher: Wo ist die Musik bei Kubernetes? Was ist der Takt? Wo finde ich die Harmonien? Fragen über Fragen und weit und breit keine Antwort. Immer bloß diese Worthülse im Raum – nichtssagend und mächtig. Manchmal glaube ich, dass Informatiker verzweifelt nach der musikalischen Schönheit im Bit-Sumpf suchen. Wenn schon keiner Versteht, was wir tun, dann möchten wir wenigstens, dass es schön klingt.

Am meisten drängte mich die Frage nach dem Takt. Wo ist diese treibende, pochende Kraft im ominösen Cluster. Ich würde sagen, es sind die Container Probes – also die Liveness Probe und die Readiness Probe. Beide pochen unaufhörlich im festen Rhythmus des Cluster-Systems. Sie halten die Container am Laufen und brummen stoisch im Hintergrund. Disharmonien und Holpern lässt mich hellhörig werden und besorgt ins Innere blicken. Immer auf der Suche nach dem Sand im Getriebe (oh, falsches Bild). Kubernetes reguliert dann selbst das Stocken und Stolpern, um unverzüglich die Balance wiederherzustellen.

Okay, der Takt ist da, und was fehlt sind die Harmonien? Mmmh…, das könnten doch die Services sein. Die Schnittstellen zum Benutzer. Genau wie die Musik für den Zuhörer. Deren ausgewogenes Miteinander bestimmt den Wohlklang im Bit-einander. Sind sie falsch ausbalanciert, jault es schief aus dem Inneren oder heult laut herum, bevor der Service leise stirbt. Sind sie allerdings richtig gestimmt, schnurrt das Kubernetes-Kätzchen. Anfragen werden fortwährend erfolgreich beantwortet – von jedem Ort, zu jeder Zeit. Harmonie und Balance beeinflussen die Wahrnehmung des Zuhörers allgegenwärtig.

Und wer ist der wichtigste Helfershelfer auf dem Weg zu Takt und Harmonie? Genau, die „Erste, Zweite, … Geige“. Sie fungieren als Vermittler zwischen dem Dirigenten und dem Orchester. Die Diven im Cluster. Bei Kubernetes könnte das der Kube Proxy sein. Das unverständliche, unerklärliche Ding im Herzen jedes Nodes. Er bestimmt die Balance der Service-Harmonien. Schwingen sie im Einklang, ist das System ausgewogen. Verlangt der Nutzer, mit mehr Last, „alegro“ nach mehr Takt, „forte“ nach lauterer Musik, dann bemerkt er es als Erstes. Er nimmt intuitiv diese Forderung auf, um das System „subito“ auszugleichen. Mehr Container, zusätzliche Routen verteilen die neue Last. Und umgekehrt „piano“ natürlich auch.

Entwickler als Dirigenten

Nun stellt sich mir die Frage nach dem Verantwortlichen. Wer ist der Komponist und Dirigent des Clusters? Wir – der gemeine Informatiker, der unaufhörlich YAML-Noten schreibt. Immer das Detail vor Augen und die Gesamtheit im Blick. Unaufhörlich klimpert er auf den Containern herum, stimmt deren Instrumente, dirigiert das Service-Orchester, um den Datenstrom am Klingen zu halten. Die Protagonisten im Scheinwerferlicht ohne Applaus.

Das wichtigste Werkzeug sind dabei YAML-Dateien. Wie die Noten, die Komposition zu Papier bringen, beschreibt YAML jeden Service und deren Container-Konfiguration. Es stimmt die Cluster-Instrumente, dirigiert das Orchester, gibt den Takt vor durch Probes, beschreibt die Harmonien durch Services und komponiert die Musik durch die Balance der Datenströme.

Und wo passiert die ganze Magie? Im Klangkörper. Dem sehr fein abgestimmten Raum, wo Takt und Harmonie zur Musik verschmelzen, um der Zuhörermasse zu gefallen. Das könnte das Cluster-Netzwerk selbst sein? Das all überspannende Ding, wo jede Anfrage im harmonischen Wohlklang seinen Adressaten findet. Welcher gar nicht merkt, wie fein seine Sinne gestreichelt werden. Aber wehe dem, das System ist aus dem Takt. Wenn eine Anfrage langsam oder garnicht beantwortet wird. Dann ist die Empörung groß. „Stümperei“ und „Unfähigkeit“ brabbelt die Masse vor sich hin, mit wildem Geklimper auf der Tastatur und ungestümen Geklicke auf der Maus, um nach kurzer aber lauter Empörung die Seite zu verlassen.

Orchestrierung ist also doch nicht nur eine Worthülse. Es ist mehr. Es ist ein Bild, um Klang in ein komplexes System zu bringen. Um es greifbar zu machen, ohne Informatik studiert zu haben. Begebt euch auf die Suche nach der Musik im Kubernetes-System, dann landet ihr vielleicht auch bei meinen Bildern und lernt das Orchester kennen. Vielleicht bist du der nächste Beethoven im Kubernetes-Universum. Die kubernetische Reise hat ja gerade erst begonnen…

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Geschrieben von
Jan Winter
Jan Winter arbeitet seit 2012 bei itemis in Leipzig und sagt über sich selbst: „KISS ist mein Mantra, Clean Code meine Bibel, REST nicht nur ein Nebenprodukt, Docker die Erleuchtung und Blockchain eine Offenbarung.“
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