Wie funktionieren Bitcoins, Ethers und Co?

Kryptowährungen erklärt: Wie funktionieren eigentlich Bitcoins?

Carsten Eilers

© Shutterstock / pedrosek

Beim Stichwort „Kryptowährungen“ fällt einem meist zuerst oder auch ausschließlich Bitcoin ein. Damit kann man sich meist nichts im Laden um die Ecke kaufen, aber z. B. Lösegeld für seine von Ransomware verschlüsselten Daten zahlen. Und spekulieren kann man damit, einige Zeit konnte man das mit viel Erfolg tun, in letzter Zeit allerdings eher erfolglos. Und dann verbraucht die Erzeugung der Bitcoins jede Menge Strom. Macht das die virtuellen Münzen etwa wertvoll? Zeit, mal einen Blick auf das Ganze zu werfen.

Erst einmal eine kleine Klarstellung: Es wird zwar fast immer von „Kryptowährung“ gesprochen, aber eigentlich ist das alles nur Kryptogeld. Als Währung bezeichnet man im weiteren Sinne die Definition des gesamten Geldwesens eines Staates bzw. allgemein eines Währungsraums, im engeren Sinne die gesetzlichen Zahlungsmittel in diesen Währungsraum. Mit keinem von beiden haben Kryptowährungen etwas zu tun. Geld ist dagegen ein allgemein anerkanntes Tausch- und Zahlungsmittel, das kann, muss aber nicht eine Währung sein, sondern wie z. B. in der Nachkriegszeit Zigaretten oder das während der Hyperinflation 1923 ausgegebene Notgeld.

Und auch wenn es so aussieht, als wären Kryptowährungen ganz was Neues, ist das gar nicht so. Das Konzept von digitalem Geld ist schon ziemlich alt. Eine der ersten Implementierungen war das David Chaum entwickelte eCash, das auf den von ihm dazu schon 1982 entwickelten sogenannten „blinden Signaturen“ basierte. Das 1989 von ihm gegründete Unternehmen DigiCash zur Verbreitung von eCash ging pleite, bevor sich eCash für Mikropayments durchsetzen konnte.

Blinde Signaturen anschaulich

Eine blinde Signatur funktioniert folgendermaßen: Jemand signiert etwas, ohne es dabei zu sehen. Er kann später erkennen, dass er das, was er zurückerhält, selbst signiert hat. Er weiß aber nicht, wie es bei der Signatur ausgesehen hat. Anschaulich können Sie sich die blinde Signatur folgendermaßen vorstellen (Abb. 1).

Abb. 1: Blinde Signatur an einem anschaulichen Beispiel

Abb. 1: Blinde Signatur an einem anschaulichen Beispiel

Sie haben eine tolle Idee, die Sie noch niemanden verraten möchten. Trotzdem wollen Sie später beweisen können, dass Sie diese Idee schon hatten. Sie können also nicht einfach zu einem Notar gehen, die Idee aufschreiben und sich Datum und Uhrzeit der Niederschrift bestätigen lassen. Mit einer blinden Signatur lässt sich das Problem lösen: Sie schreiben die Idee auf ein Blatt Papier und stecken es in einen Umschlag, der auf der Innenseite mit Kohlepapier gefüttert ist. Der Notar notiert auf diesen Umschlag das Datum und die Uhrzeit und bestätigt beides mit seinem Siegel und seiner Unterschrift. Das alles drückt sich auf das Papier mit der Idee durch.

Wenn Sie nun jemanden beweisen wollen, dass Sie diese Idee schon viel früher hatten, geben Sie ihm das Blatt aus dem Umschlag, und der legt es dem Notar vor. Der Notar wird dann bestätigen, dass seine Unterschrift und sein Siegelabdruck auf dem Blatt echt sind, er den zugehörigen Umschlag mit diesem Blatt Papier darin also an diesem Tag zu dieser Uhrzeit signiert hat. Was er signiert hat erfährt er aber erst, wenn er das Blatt mit durchgepausten Daten sieht.

Das Protokoll für digitales Geld mit blinden Signaturen

Für das Protokoll wird ein Signatursystem mit folgenden Eigenschaften verwendet: Nachrichten können vom Weihnachtsmann signiert und diese Signatur kann von allen anderen Teilnehmern getestet werden. Es existieren eine Signierfunktion sign() und eine Testfunktion test(), für die gilt:

  1. test( sign(a) ) = a = sign( test(a) )
  2. sign( a * b ) = sign( a ) * sign( b )

Das digitale Geld funktioniert analog zu dem oben beschriebenen Verfahren mit Umschlägen, nur dass der Notar nun die Bank ist, der Erfinder der Kunde und der Zweifler ein Händler:

  • Jeder Kunde wählt eine zufällige Zahl und bildet daraus eine spezielle Zahl n. Diese Zahl entspricht dem Blatt Papier im Beispiel und stellt hier den digitalen Geldschein dar.
  • Er wählt danach eine zufällige Zahl r, die dem Umschlag entspricht.
  • Dann berechnet er test(r) * n, was dem Einstecken des Papiers in den Umschlag entspricht.
  • Das Ergebnis wird der Bank übermittelt, die eine signierte Kopie zurückschickt: sign( test(r) * n ).Dies entspricht dem markierten Briefumschlag
  • Diese Zahl kann als sign( test(r) ) * sign(n) betrachtet und r durch Multiplikation mit seiner multiplikativen Inversen entfernt werden. Man erhält den signierten Gutschein sign(n) (entsprechend dem Entfernen des Briefumschlags). Die Korrektheit der Signatur kann durch Anwendung der öffentlichen Testfunktion test() der Bank überprüft werden, denn wenn alles OK ist, gilt test( sign(n) ) = n.
  • Beim Händler kann geprüft werden, ob test( sign(n) ), also n, eine spezielle Zahl und damit ein gültiger Geldschein ist. Um die mehrfache Einlösung eines Geldscheins zu verhindern, führt die Bank eine Liste bereits eingelöster Geldscheine. Das Geschäft fragt bei der Bank nach, ob der Geldschein eingelöst wird, und akzeptiert ihn nur bei einer positiven Antwort.

Was jetzt noch fehlt, ist eine Regelung, welchen Wert diese virtuellen Geldscheine haben. Das lässt sich z. B. lösen, indem der Kunde für jede blinde Signatur einen bestimmten Betrag einzahlt und die Bank dem Händler beim Einlösen der virtuellen Geldscheine ebenfalls einen bestimmten Betrag auszahlt. Wobei die Beträge kaum identisch sein werden, die Bank möchte ja auch etwas verdienen, sodass sie dem Händler sicher weniger auszahlen wird als sie vom Kunden eingenommen hat.

Diese virtuellen Geldscheine erfüllen insbesondere die Forderung nach Anonymität: Der Händler kennt zwar den Kunden, aber nicht die Bank. Die weiß beim Einlösen nur, dass sie den Geldschein signiert hat und dass er vom Händler eingereicht wurde. Nicht aber, wer die spezielle Zahl erzeugt hat. Denn beim Signieren lag ja nur die durch den Umschlag test(r) verborgene Zahl vor.

Die Blockchain – Grundlage von Bitcoin und Co.

Die aktuellen Kryptowährungen basieren auf einer Blockchain und die basiert auf einigen schon länger bekannten Grundlagen.

  • 1991 veröffentlichten Stuart Haber und W. Scott Stornetta ein Verfahren, um über Zeitstempel sicherzustellen, dass der Veröffentlichungstermin bzw. der Zeitpunkt der letzten Änderung digitaler Daten weder rück- noch vordatiert werden kann.
  • 1992 erweiterten Dave Bayer, Stuart Haber und W. Scott Stornetta dieses Verfahren durch den Einsatz von Hash-Bäumen (die nach ihrem Erfinder teilweise auch Merkle-Bäume genannt werden, siehe Kasten „Hash-Bäume“) so, dass verschiedene Dokumente in einem Block zusammengefasst werden können, der dann einen Zeitstempel erhält.
  • 1996 stellte Ross J. Anderson den Eternity Service vor, mit dem die Zensur elektronischer Dokumente verhindert werden kann. Die Idee: Die Dokumente werden über eine große Anzahl Rechner, z. B. das Internet, verteilt. Über Kryptoverfahren werden Manipulationen an den Kopien erkannt.
  • 1998 haben Bruce Schneier und John Kelsey ein Verfahren beschrieben, um mittels Kryptoverfahren sichere Logs auf nicht vertrauenswürdigen Rechnern zu führen.
  • 2008 wurden dann das Konzept von Bitcoin und der Blockchain als verteiltes Datenbankmanagementsystem in einem Paper beschrieben. Ob es sich beim Autor Satoshi Nakamoto um eine reale Person, ein Pseudonym oder auch eine Gruppe handelt, ist nicht bekannt.
  • 2009 wurde die erste Implementierung der Bitcoin-Software und damit die erste eingesetzte Blockchain veröffentlicht.

Eine Blockchain ist wie eine Datenbank, in die zwar jederzeit neue Daten eingetragen, die vorhandenen Daten aber weder verändert noch gelöscht werden können. Wie der Name Blockchain schon verrät, besteht diese Datenbank aus Blöcken, die die Daten enthalten. Im Fall von Bitcoin sind das z. B. Transaktionsdaten wie „Alice hat 1,23 Bitcoin an Bob gezahlt“, es könnten aber auch z. B. Logfile-Einträge oder etwas Ähnliches sein. Jeder Block kann mehrere Einträge enthalten. Wenn ein Block voll ist, kommen die weiteren Daten in den nächsten Block usw.

Ist der Block n voll, wird für die Daten darin ein Hash-Baum berechnet und im Header des Blocks gespeichert. Außerdem wird im Header der Hash-Wert des Headers des vorhergehenden Blocks Yn-1 abgelegt. Jeder Header besteht also aus dem Hash-Baum der zugehörigen Daten und dem Hash-Wert des vorhergehenden Headers. Dann wird der Hash-Wert des Headers berechnet und im Header des folgenden Blocks n+1 gespeichert (Abb. 2).

Abb. 2: Die Blöcke und die daraus gebildete Blockchain

Abb. 2: Die Blöcke und die daraus gebildete Blockchain

Zusätzlich kann der Header noch einen Zeitstempel und einen Wert enthalten, der für die Entscheidung benötigt wird, wer diesen Block zur Blockchain hinzufügen darf. Aber dazu komme ich gleich. Dieser Wert wird manchmal als Nonce bezeichnet, was aber irreführend ist. In der Kryptografie ist ein Nonce eine „Number used once“, also eine Zufallszahl, die in bestimmten Protokollen als eine Art Einmalkennwort oder Replay-Schutz verwendet wird. In der Blockchain dient der Wert dazu, eine bestimmte Bedingung zu erfüllen, und kann durchaus mehrfach verwendet werden.

Hash-Bäume
Hash-Bäume bestehen, wie der Name nahelegt, aus Hash-Werten. Die Blätter sind Hash-Werte von Datenblöcken, z. B. Dateien. Die Wurzel des Hash-Baums wird als Root Hash, Top Hash oder Master Hash bezeichnet. Knoten weiter oben im Baum sind Hash-Werte ihrer Kinder. Mithilfe des Root Hash kann geprüft werden, ob ein vorliegender Baum unverändert ist. Sofern der Root Hash aus einer vertrauenswürdigen Quelle stammt, kann der Rest des Baums auch von einer nicht vertrauenswürdigen Quelle bezogen werden. Stimmt der Root Hash des Baums mit dem vertrauenswürdigen Wert überein, wurde der Baum nicht manipuliert und kann verwendet werden. Stimmen die Werte nicht überein, hat jemand den Baum verändert und er darf nicht verwendet werden. Der Vorteil des Hash-Baums gegenüber einer Hash-Liste besteht darin, dass jeder Zweig des Baums einzeln auf Integrität geprüft werden kann.

Die Sicherheit der Blockchain

Dadurch, dass jeder Block den Hashwert des Headers seines Vorgängers enthält, sind die Blöcke untereinander verknüpft und schützen sich gegenseitig sowohl vor zufälligen Änderungen, z. B. durch Speicher- oder Übertragungsfehler, als auch vor gezielten Manipulationen. Wenn sich die in einem Block gespeicherten Daten nachträglich ändern, ändert sich dadurch auch sein Hash, wodurch er nicht mehr zum im nächsten Block gespeicherten Wert passt. Außerdem ist der Vorgänger-Hash Teil des Headers und fließt dadurch auch in die Berechnung des eigenen Hash-Werts ein, der im Header des nächsten Blocks gespeichert wird. Um die Daten in einem vorhandenen Block unbemerkt manipulieren zu können, müsste daher die gesamte Blockchain ab diesem Block neu berechnet werden. Was zwar theoretisch möglich ist, aber zum einen in einer dezentralen Blockchain auffallen würde und zum anderen umso aufwendiger ist, je weiter der zu manipulierende Block in der Historie der Blockchain zurückliegt.

Konsens im Netzwerk herstellen

Die Blockchain baut auf einem P2P-Netzwerk auf. Daher muss es eine Regelung geben, über die festgelegt wird, wie ein neuer Block an die Kette angehängt wird. Es wäre ja ziemlich ungünstig, wenn mehrere Leute gleichzeitig einen neuen Block an ihre lokale Version der Blockchain anhängen und diese dann verbreiten. Welche Version wäre dann die richtige? Und was passiert mit den falschen? Für das Anhängen neuer Blöcke wird daher ein Konsensverfahren verwendet. Das bekannteste ist der sog. Proof of Work, der nebenbei auch noch die Sicherheit erhöht.

Proof of Work

Beim Proof of Work darf derjenige einen bestimmten Block beisteuern, der eine Aufgabe, i. A. ein kryptografisches Rätsel, als Erster löst. Dazu wird z. B. gefordert, dass der Hash Wert eines gültigen Blocks einer bestimmten Regel gehorcht, z. B. dass er nicht größer als eine festgelegte Obergrenze ist. Nun ist der Hash-Wert über die gespeicherten Hash-Werte und den Zeitstempel immer gleich. Und da kommt der oben erwähnte Nonce-Wert ins Spiel. Der muss so lange geändert und danach muss immer wieder erneut der Hash-Wert berechnet werden, bis die Regel erfüllt ist. Sofern der verwendete Hash-Algorithmus keine Schwachstelle enthält, besteht die einzige Möglichkeit zum Berechnen eines gültigen Blocks (= Hash-Werts) darin, so lange Werte durchzuprobieren, bis es passt. Wer als Erstes einen gültigen Hash-Wert präsentiert, darf den Block an die Blockchain anhängen. Dafür bekommt man meist eine Belohnung. Gültig ist dabei immer die Version der Blockchain, in der die meiste Arbeit geflossen ist.

Weitere Konsensverfahren
Der Ansatz des Proof of Work hat einen großen Nachteil: Er verbraucht Unmengen an Energie. Es gibt aber auch umweltschonendere Ansätze:
Proof of Stake
Ein alternativer Ansatz, um die Berechtigung zum Erzeugen von Blöcken zu vergeben, wird als Proof of Stake bezeichnet. Dabei hängt die Wahrscheinlichkeit, einen gültigen Block zu erzeugen, nicht von der eingesetzten Rechenleistung ab, sondern davon, wie lange der Benutzer Mitglied des Netzwerks ist oder wie viel der Kryptowährung er besitzt. Wer z. B. ein Drittel alle Münzen besitzt, hat über einen Zufallsalgorithmus eine Chance von z. B. 1:3, einen neuen Block zu erzeugen.
Proof of Authority
Ein weiteres Konzept besteht darin, dass nur bestimmte, vertrauenswürdige Benutzer neue Blöcke erzeugen dürfen. Zum Beispiel könnten Krankenhäuser eine Blockchain verwenden, um Infektionen in einem bestimmten Gebiet nachzuvollziehen. Jedes Krankenhaus erhält dann einen eigenen Signaturschlüssel, der zum Erstellen neuer Blöcke befugt. Ärzte oder Krankenkassen könnten die Daten dann nachvollziehen, aber keine eigenen Daten an die Blockchain anfügen. Dieser Ansatz widerspricht aber dem eigentlichen Konzept der Blockchain, dass es keine zentrale Stelle gibt und alles dezentral organisiert ist.

Der 51-Prozent-Angriff

Beim Proof of Work gibt es einen möglichen Angriff, um einen vorhandenen Block zu manipulieren. Wenn der Angreifer mehr als die Hälfte der fürs Mining verwendeten Rechenleistung besitzt, kann er einen alternativen Verlauf berechnen, der dann zur Realität wird. Und dann wäre es möglich, z. B. Geld doppelt auszugeben. Oder was auch immer die angegriffene Blockchain sonst für Manipulationsmöglichkeiten bietet.

Von der Theorie zur Praxis

Das ist jetzt nur die prinzipielle Funktionsweise einer Blockchain. Für eine Anwendung fehlen noch einige wichtige Bausteine: Irgendjemand muss ja prüfen, ob die gespeicherten Daten auch korrekt sind, als z. B. die geforderte Transaktion wirklich erfolgen soll. Und irgendwer muss dann die Hash-Werte berechnen. Beides ist von den jeweiligen Anwendungsfällen abhängig, und damit kommen wir zu den Kryptowährungen.

Kryptowährungen auf Blockchain-Basis

Ein grundlegendes Problem digitaler Währungen ist ihre einfache Kopierbarkeit: Digitale Daten und damit auch eine digitale Münze kann man beliebig oft kopieren. Die bis zur Einführung der Blockchain übliche Lösung bestand darin, dass eine vertrauenswürdige zentrale Instanz in irgendeiner Form die Transaktionen überwacht. Das möchte man aus Gründen des Datenschutzes natürlich nicht, aber wie das Beispiel eCash zeigt, wären auch mit einer zentralen Instanz anonyme Zahlungen möglich, wenn man das denn will. Was zumindest die Strafverfolger nicht möchten, weshalb die immer versuchen werden, solche Lösungen zu verhindern oder zumindest zu erschweren. Aus deren Sicht ist es schon schlimm genug, dass man mit Bargeld anonym zahlen kann (wobei bei Papiergeld über die Seriennummern zumindest eine gewisse Rückverfolgbarkeit gegeben ist).

Bitcoin und andere Kryptowährungen sollten ohne vertrauenswürdigen Dritten auskommen. Es musste also ein Weg gefunden werden, das mehrfache Ausgeben von Geld ohne Koordinierungsstelle zu verhindern. Die Lösung ist das Führen öffentlicher Konten in der Blockchain. Die enthält alle jemals stattgefundenen Transaktionen, sodass sich daraus auch automatisch ablesen lässt, wie viele Bitcoins ein bestimmter Benutzer besitzt, wobei der Benutzer nur anhand seiner Bitcoin-Adresse identifiziert wird. Solange er sich außerhalb des Bitcoin-Systems nicht zu erkennen gibt, ist dieser Benutzer keiner realen Person zuzuordnen.

Die Bitcoin-Blockchain

Die Bitcoin-Blockchain wird in einem Peer-to-Peer-Netzwerk gespeichert, dessen Knoten von den sog. Maintainern verwaltet werden. Die Nutzer der Kryptowährung, die selbst keine Maintainer sein müssen, greifen mit einem Wallet (Brieftasche) genannten Client auf das P2P-Netzwerk zu und führen dort Transaktionen aus. Das Wallet ist für die Verwaltung der Bitcoins zuständig. Das verfügbare Guthaben sind die für die eigene Bitcoin-Adresse eingegangenen Gutschriften, die noch nicht wieder ausgegeben wurden.

Das Wallet kann entweder eine Software auf dem Rechner des Benutzers sein, oder ein davon unabhängiges Hardware-Wallet. Aber das ist auch nur ein spezialisierter Miniaturrechner, auf dem eine Wallet-Software läuft. Es gibt auch Wallets als Webanwendungen – aber warum sollte man Dritten die Verwaltung seiner virtuellen Geldbörse anvertrauen?

Transaktionen starten

Bei der Einrichtung erzeugt das Wallet ein Public-Key-Schlüsselpaar, das für den Schutz der Transaktionen verwendet wird. Die Bitcoin-Adresse ist ein Fingerprint des öffentlichen Schlüssels. Wenn ein Benutzer Bitcoins ausgeben will, sendet sein Wallet an das Bitcoin-Netzwerk eine Transaktionsnachricht mit der Information, wie viele Bitcoins an welche Bitcoin-Adresse übertragen werden sollen. Damit niemand Transaktionen im Namen eines Dritten durchführen kann, werden die Transaktionsnachrichten mit dem privaten Schlüssel des Benutzers signiert.

Erhält ein Knoten eine Transaktionsnachricht, überprüft er anhand der lokal gespeicherten Blockchain automatisch, ob der Absender im Besitz der genannten Menge Bitcoins ist. Trifft dies zu und werden einige andere Kriterien erfüllt (u. a. muss natürlich die Signatur korrekt sein), ist die Transaktion gültig und wird an alle erreichbaren Knoten weitergeleitet. Dieser Vorgang wiederholt sich, bis die Nachricht im gesamten Netzwerk verbreitet wurde.

Transaktion durchführen

Mit der Verbreitung der Transaktionsnachricht ist die Transaktion aber noch nicht vollzogen. Erst nachdem sie in der Blockchain eingetragen wurden, kann der Empfänger über die Bitcoins verfügen. Da dies einige Zeit dauern kann, eigenen sich Bitcoins nur bedingt als Sofortzahlungsmittel.

Für das Eintragen sind bestimmte Maintainer, die Miner, zuständig. Sie sammeln die Transaktionsnachrichten und fassen sie zu einem Block zusammen, der an die Blockchain angehängt wird. Damit das nicht jeder frei nach Belieben tun kann, was zu einem ziemlichen Chaos führen würde, muss jeder Block (wie oben beim Proof of Work beschrieben) ein Gültigkeitskriterium erfüllen, nämlich einen Hash-Wert unter einer bestimmten Obergrenze enthalten. Zurzeit wird gefordert, dass die ersten achtzehn Stellen des Hash-Werts 0 sind.

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Dieses Kriterium macht das Mining (Schürfen) eines gültigen Datenblocks extrem aufwendig. Wer zuerst einen gültigen Hash-Wert berechnet, darf den Block an die Blockchain anhängen. Für die Berechnung des Hash-Werts werden die Miner mit einer bestimmten Anzahl neuer Bitcoins, derzeit beträgt die Anzahl 12,5, belohnt. Die erfolgreichen Miner haben also durch die Rechenarbeit 12,5 neue Bitcoin-Münzen geschürft. Zusätzlich bekommen die Miner für die Transaktionen Transaktionsgebühren von den Auftraggebern. Dabei gilt: Je mehr der Auftraggeber für das Eintragen der Transaktion in die Blockchain bezahlt, desto schneller wird seine Transaktion verarbeitet.

Ein Beispiel für eine Transaktion

Nehmen wir an, Alice hat fünf Bitcoins an Bob überwiesen. Einen Teil davon, z. B. drei Bitcoins, möchte Bob nun an Carol überweisen. Dazu erstellt er eine Transaktion, die folgende Daten enthalten muss:

  • Bobs öffentlichen Schlüssel als Absender
  • Carols Bitcoin-Adresse als Empfänger
  • Den zu übertragenen Betrag von drei Bitcoins

Diese Transaktion signiert Bob mit seinem privaten Schlüssel, sodass sie nicht manipuliert werden kann, und sendet sie an das Bitcoin-Netzwerk. Aus dem öffentlichen Schlüssel kann Bobs Bitcoin-Adresse berechnet werden, woraufhin in der Blockchain nachgesehen werden kann, ob er den zu übertragenen Betrag wirklich zuvor erhalten und bisher nicht ausgegeben hat. Nachdem diese Transaktion geprüft und in die Blockchain aufgenommen wurde, kann Bob nur noch über zwei Bitcoins aus der Transaktion von Alice verfügen, dafür besitzt Carol nun drei Bitcoins aus der Transaktion von Bob.

Wie viel ist ein Bitcoin wert?

Bei eCash ergibt sich der Wert der virtuellen Geldscheine aus dem Betrag realen Geldes, den die Bank für eingereichte Geldscheine gutschreibt. Bitcoins dagegen haben keinen materiellen Wert. Es wird zwar viel Energie für ihre Erzeugung verschwendet, aber die ist weg, ohne dass es einen materiellen Gegenwert dafür gibt. Als Vergleich nehme ich gerne Aluminiumblöcke, deren Erzeugung auch extrem energieaufwendig ist. Danach hat man aber wenigstens etwas in der Hand, das man weiterverarbeiten kann.

Dass Bitcoins trotzdem einen Wert haben und sogar in Geld realer Währungen umgetauscht werden können, liegt einzig und allein an deren Akzeptanz. Ihr Wert ergibt sich also daraus, wie viel jemand bereit ist, dafür zu zahlen, um dann mit den Bitcoins etwas zu bezahlen, was er mit normalem Geld nicht kaufen kann oder will, denn sonst könnte er ja gleich damit zahlen.

Dadurch war lange Zeit auch die Spekulation mit den Bitcoins möglich: Da immer mehr Leute Bitcoins toll fanden und haben wollten, hat das den Preis dafür in die Höhe getrieben. Also haben manche Leute Bitcoins nur gekauft, um sie später mit Gewinn wieder zu verkaufen und einige Zeit lang auch Käufer dafür gefunden. Inzwischen sind die Bitcoins nicht mehr so begehrt, also sinkt ihr Preis. Wer nicht aufgepasst hat, sitzt nun auf Bitcoins, die viel weniger wert sind, als er dafür bezahlt hat.

Fazit

Kryptowährungen wie Bitcoins sind keine Währungen, sondern reine Tausch- und Zahlungsmittel. Ob sie langfristig einen Wert haben, hängt allein davon ab, ob sie sich als ein solches Zahlungsmittel durchsetzen. Früher hat man schon mal mit Muscheln bezahlt, dann mit echtem Gold, jetzt mit bedrucktem Papier und Zahlen auf Kontoauszügen. Muscheln wird man heutzutage höchstens noch bei Sammlern los, während Gold nach wie vor etwas wert ist. Aber das kann man ja auch immer noch als reines Material verwenden, z. B. in der Elektronik. Beim bedruckten Papier und den Zahlen auf den Kontoauszügen hängt ihr aktueller Wert von der Inflation ab. Und der kann sich schnell ändern, wie das oben schon erwähnte Notgeld aus der Zeit der Hyperinflation 1923 beweist, das damals seinen Wert meist schneller verlor, als es ausgegeben werden konnte. „Wert“ ist also immer sehr relativ.

Wir werden in Zukunft sicher mit irgendeiner digitalen/virtuellen Währung zahlen, einfach weil das in der Onlinewelt praktisch ist. Ob das dann aber eine Kryptowährung ist und wenn ja welche, hat mir mein Kaffeefilter heute Morgen allerdings nicht verraten wollen.

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Geschrieben von
Carsten Eilers
Carsten Eilers
Dipl.-Inform. Carsten Eilers ist freier Berater und Coach für IT-Sicherheit und technischen Datenschutz und Autor einer Vielzahl von Artikeln für verschiedene Magazine und Onlinemedien. Sie erreichen ihn unter www.ceilers-it.de, sein Blog finden Sie unter www.ceilers-news.de.
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