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Eine Schwalbe macht noch keinen Frühling...

Kritik an Apple: Wie Open Source ist Swift 2.0?

Moritz Hoffmann

(c) Shutterstock.com / Eric Isselee

Die Nachricht, dass Apple die zweite Hauptversion seiner Programmiersprache Swift Open Source stellen würde, hat weltweit für Aufmerksamkeit in den Medien und in der Entwickler-Community gesorgt. Hat Apple etwa seine bisherige Distanz zum Open-Source-Modell aufgegeben? Nein, sagt Bradley M. Kuhn, seines Zeichens Software-Aktivist und Präsident der Software Freedom Conservancy, in einem aktuellen Blogeintrag.

Es ist nicht das erste Mal, dass Apple seine Fühler in Richtung Open Source ausstreckt. So stellte das Unternehmen bereits 2005 die HTML-Rendering-Machine WebKit quelloffen zur Verfügung, behielt trotz Beteiligung anderer Unternehmen allerdings weiter die Kontrolle über das Produkt. Ähnliches erwartet sich Kuhn auch von der Veröffentlichung von Swift 2.0.

Zum einen ist bislang noch nichts darüber bekannt gegeben worden, wie mit Swifts erster Hauptversion verfahren werden soll, zum anderen hat Apple unmissverständlich klar gemacht, dass Swift 2.0 nicht unter dem Signum „Copyleft“ stehen wird, für Kuhn das entscheidende Merkmal von wirklich freier Software.

Open-Source ohne Copyleft?

Mit der Klausel wird in urheberrechtlichen Nutzungslizenzen die Bearbeitungen eines Produkts nur dann erlaubt, wenn alle Änderungen ausschließlich unter den gleichen Lizenzbedingungen weitergegeben werden. Sie soll verhindern, dass veränderte Fassungen des Werks mit Nutzungseinschränkungen weitergegeben werden, die das Original nicht hat. Für Swift hieße das, dass auch die durch die Unterstützung der Community bewerkstelligten Fortentwicklungen von Swift 2.0 wiederum frei sind und frei bleiben.

Es liegt nahe, dass Apple genau das verhindern möchte und sich die weiteren Optionen für Swift offen hält. Copyleft, so Kuhn, war und ist ein natürlicher Feind von Apple. Seit eh und je sei es Apples Strategie gewesen, Copyleft-Produkte durch Non-Copyleft-Produkte zu ersetzen. In diesem Zusammenhang führt Kuhn das Beispiel Samba an. Um die quelloffene Software-Suit nicht in IOS shippen zu müssen, habe sich Apple kurzerhand in die Entwicklungsarbeit eines eigenen non-copyleft-Ersatzprodukts gestürzt.

Typisch Apple…

Kuhn, der selbst lange Zeit in die Kampagnen der Freie-Software-Bewegung um die erste Open-Source- und Copyleft-Lizenz GPL (GNU Public License) involviert war, führt Apples „Hexenjagd“ auf Copyleft-Produkte auf dessen Erfahrungen mit Objective-C zurück. Als NeXT, das Unternehmen hinter Objective-C, das Front-End urheberrechtlich als Eigentum schützen wollte, wurde die freie Verfügbarkeit und Anwendbarkeit vom Guru des Free Software Movement und Autor der GPL, Richard Stallmann, durchgesetzt. In der anschließenden Zusammenarbeit mit NeXT und der Community habe Apple die ganze Zeit über heimlich am Ausstieg aus dem Copyleft-Modell gearbeitet.

Dafür erschien dann das Compiler-System LLVM (Low Level Virtual Machine) als technische Lösung am Horizont, an dessen Verbesserung Apple nach wie vor arbeitet und das unter der NCSA-Open-Source-Lizenz als freie Software veröffentlicht wurde. Ein Gewinn für die Community? Nicht ohne Copyleft-Label, so Kuhn:

On the surface, that seems like a win for software freedom, until you look at the bigger picture: their goal is to end copyleft compilers. Their goal is to pick and choose when and how programming language software is liberated.

Vor diesem Hintergrund betrachtet Kuhn die noch ungeklärte Veröffentlichung von Swift 2.0 nicht als ernsthaften Schritt von Apple in Richtung Freie Software. Vielmehr bescheinigt er Apple den Willen, Open-Source unter eigene Kontrolle zu bringen, um darüber zu bestimmen, welche Teil-Software wann und wie lange der Mitarbeit der Community unterliegen soll:

Apple gives us no bread but says let them eat cake instead.

Scheinfreie Software als Zukunft von Open Source?

Kuhns Einschätzung ergibt folgendes Bild: Während Apple die Open-Source-Community für die Weiterentwicklung der eigenen Produkte nutzt, die zwar technisch universell nutzbar sein sollen, deren potentiell exklusiver Zugriff aber jederzeit bei Apple liegt, tragen die öffentlichen Open-Source-Verlautbarungen zum Marketing des Konzerns bei. Darin sieht Kuhn nichts anderes als den Willen, eine ganze Community den eigenen Produkten zuzutreiben, das Open-Source-Konzept als solches zu manipulieren und gleichzeitig noch einen Imagegewinn davonzutragen:

Many of us software freedom advocates have predicted for years that Free Software unfriendly companies like Apple would liberate more and more code under non-copyleft licenses in an effort to create walled gardens of seeming software freedom.

Sollten sich derlei Warnungen im Bezug auf Swifts zweite Hauptversion bewahrheiten, wird sich Kuhn dem eigenen Bekunden nach nicht über die Bestätigung freuen. Als sicher kann jedenfalls gelten, dass Apple Swift-Code zu Verfügung stellen wird. Kuhn wird wie auch der Rest der Community abwarten müssen, wie frei die Schwalbe Swift tatsächlich fliegt und vor allem…wie lange.

Aufmacherbild: Barn Swallow, Hirundo rustica… von Shutterstock.com / Urheberrecht: Eric Isselee

 

 

 

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Geschrieben von
Moritz Hoffmann
Moritz Hoffmann
Moritz Hoffmann hat an der Goethe Universität Soziologie sowie Buch- und Medienpraxis studiert. Er lebt seit acht Jahren in Frankfurt am Main und arbeitet in der Redaktion von Software und Support Media.
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1 Kommentar auf "Kritik an Apple: Wie Open Source ist Swift 2.0?"

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Jürgen Marquardt
Gast

Ich gehe davon aus, das Swift mit der gleichen Lizenz wie Clang und LLVM ausgestattet wird. Und das ist gut so. Diese pseudoreligöse Open Source Reinheitsgetue finde ich beängstigend