Krisenhelfer Open Source - JAXenter
Zehn Gründe sich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten mit Open Source zu beschäftigen

Krisenhelfer Open Source

Dr. Michael Bark

Angesichts der Wirtschaftskrise verspüren IT-Verantwortliche derzeit vor allem eines: Kostendruck. Gewinner der Krise sind deswegen Produkte und Lösungen, die helfen, Kosten einzusparen, und die gleichzeitig einen hohen Grad an Flexibilität erlauben. Ein möglicher Ansatzpunkt in diesem Zusammenhang ist das Thema Open Source: Der folgende Artikel zeigt zehn Gründe auf, warum es für Unternehmen lohnend sein kann, sich mit Open Source und seinen vielfältigen Einsparpotenzialen auseinanderzusetzen – gerade, aber nicht nur in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.

1. Unabhängigkeit von Herstellern

Der Einsatz erprobter, stabiler Applikationen, die sich an offenen Standards orientieren, ist ein lang anhaltender und nachhaltiger Trend in der IT. Ein Grund dafür gewinnt gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise an Bedeutung: Durch Open-Source-Systeme lassen sich Abhängigkeiten von in der Regel teuren Herstellern reduzieren. Diese haben naturgemäß ein hohes Interesse daran, den Kunden durch proprietäre Erweiterungen an sich zu binden. Open Source dagegen bedeutet Unabhängigkeit von Herstellern und mehr Flexibilität, den Marktschwankungen zu begegnen. Problematisch kann der Einsatz proprietärer Software nämlich dann werden, wenn der Hersteller aufgrund der Krise die Weiterentwicklung seiner Software nicht mehr gewährleistet, den Support einstellt oder im schlimmsten Fall sogar Konkurs anmeldet. Für diesen Fall wären die getätigten Investitionen gefährdet. Die Verfügbarkeit des Quellcodes dagegen garantiert einen gewissen Investitionsschutz.

2. Kostenloser Support

Einsparpotenziale ergeben sich auch im Bereich Support, denn die Anwender von Open-Source-Systemen können den kostenlosen Support von Communities, Foren, Blocks und Tutorials nutzen. Bei kommerziellen Lösungen sind äquivalente Leistungen in dieser Form gar nicht erhältlich bzw. werden ansatzweise durch die Wartungsgebühr „erkauft“.

3. Reduktion der Entwicklungskosten

Mit freien integrierten Entwicklungsumgebungen wie beispielsweise Eclipse lassen sich auch die Entwicklungskosten reduzieren. Eclipse ist neben NetBeans von Oracle ein Quasi-Standard. Durch die hohe Anzahl von Plug-Ins können Entwickler dabei auch individuelle Ausprägungen ihrer Projekte berücksichtigen. Ein weiterer Vorteil in diesem Zusammenhang: Entwickler mit entsprechenden Skills sind am Markt leichter zu rekrutieren und ihr Gehalt ist deutlich günstiger als das der Spezialisten für proprietäre Entwicklungsumgebungen. Reduzieren lassen sich Entwicklungskosten auch durch den Einsatz von freien Frameworks und Bibliotheken, die eine effiziente Implementierung ermöglichen und bewährte Lösungsansätze bieten.

4. Bereitstellung von Prototypen

Da es in einer frühen Phase eines Projekts in der Regel schwierig ist, Budgets einzuwerben, ist bei Evaluierung, Erprobung und Proof of Concept der Einsatz von Open-Source-Produkten sehr hilfreich. Durch die kostenfreie Nutzung von Open-Source-Systemkomponenten wie Datenbanken, Applikationsservern oder Content Management Systemen können Mitarbeiter Prototypen entwickeln und bereitstellen und damit die Risiken minimieren, die mit der Umsetzung der produktiven Applikation einhergehen. Im Prinzip ist es wie beim Autokauf: Müsste man für die Probefahrt eines neuen Autos bereits die volle Kaufsumme aufbringen, wäre der Handlungsspielraum sehr eingeschränkt.

5. Wartungsgebühren vs. Umstellungskosten

Will man die laufenden Betriebskosten senken, sollte man auch die jährlichen Wartungsgebühren für die eingesetzte Software kritisch beleuchten: Nach der Amortisation der Lizenzkosten kann sich der Wechsel zu einem Open-Source-Produkt lohnen, wenn die jährlichen Wartungsgebühren – in der Regel 20 Prozent des Listenpreises – höher sind als die anfallenden Kosten einer Umstellung auf Open Source. Hierbei müssen natürlich auch die Funktionalität, die Leistungsfähigkeit und Support-Fragen berücksichtigt werden.

6. Einsparpotenziale bei Infrastrukturkomponenten

Einsparpotenziale beim Betrieb bergen auch Open-Source-Infrastrukturkomponenten, die wiederum unterschiedliche Bereiche abdecken. Der Einsatz von Open-Source-Datenbanken beispielsweise wird mittlerweile kaum noch kontrovers diskutiert. Neben der bekanntesten Open-Source-Datenbank MySQL, die 2009 von Oracle erworben wurde, existiert eine Reihe weiterer ausgereifter Systeme von PostgreSQL über Firebird bis hin zu Ingres. PostgreSQL beispielsweise ist durch Features wie Transaktionen, benutzerdefinierten Funktionen, Stored Procedures, Triggers oder Subqueries vergleichbar mit den kommerziellen Pendants von Oracle, Microsoft oder IBM. Weitere Infrastrukturkomponenten, die nicht so sehr im Rampenlicht stehen, übernehmen Überwachungs- und Verwaltungsaufgaben. Mit dem Open-Source-System Nagios etwa können Unternehmen die gesamte IT-Infrastruktur kontrollieren. Nagios bietet dazu eine Sammlung von Modulen zur Überwachung von Netzwerken, Hosts und speziellen Diensten an sowie eine Web-Schnittstelle zum Abfragen der gesammelten Daten und ist vergleichbar mit kommerziellen Produkten wie Tivoli von IBM oder dem HP Systems Insight Manager.

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Dr. Michael Bark
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