Kreativität fördern

„Sei mal kreativ!“: 5 Tipps, die dabei helfen

Kypriani Sinaris

© shutterstock.com / art4all

Kreativität und neue Ideen sind nicht auf Befehl abrufbar. Zu erwarten, dass sie auf Knopfdruck entstehen, kann nur in Frustration enden. Schließlich brauchen sie Zeit und Freiräume, um zwischen den ganzen To-Do-Listen des Alltags zu wachsen. Gibt es den einen richtigen Weg, um Kreativität im eigenen Unternehmen voranzutreiben? Wir fassen fünf Tipps zusammen.

Viele kennen sicherlich diese Situation: Beim Feierabendbier in entspannter Atmosphäre oder in der Pause zwischendurch kommen einem manchmal die besten Ideen. Das Beispiel zeigt: Viele Menschen sind in einer entspannten Umgebung kreativer. Hier ist der Kopf frei von To-Do-Listen und es gibt keinen Erfolgsdruck. Und für das so wichtige Feedback braucht man noch nicht mal eine Ansage: Denn in so einer Kaffeeküchen- oder Feierabendbier-Situation wird eine Idee durch immer neue Kommentare fast von alleine angefeuert und so weiterentwickelt. Auch wenn nicht jeder Kommentar die Idee weiterbringt, so nehmen die Gesprächsteilnehmer durch die entspannte Atmosphäre auch weniger gute Ideen in Kauf, schließlich ist das nur ein Brainstorming zum Spaß.

Natürlich kann man bei der Arbeit nicht ständig Pausen machen, nur um kreativ in der Kaffeküche die Köpfe zusammenzustecken. Aber durch welche realistischen Bedingungen kann Kreativität und Innovationskraft bei der Arbeit gefördert werden?

1. Erlauben Sie Kreativität

Neue Ideen sollten erlaubt sein. Heißt: Mitarbeitern sollte nicht nur eine gewisse Kreativzeit eingeräumt werden, in der sie bewusst an Ideen weiterarbeiten können. Auch die Botschaft von „oben“ sollte sein, dass diese Arbeit erwünscht ist und nicht in Konkurrenz mit den üblichen Aufgaben steht. Auch wenn es gut ist, wenn schon die Verantwortlichen kleinerer Projekte solche Freiräume schaffen können, so ist hier auch das Management des Unternehmens am Zug. Im Idealfall wird die Erlaubnis zur Kreativität von „ganz oben“ und durch alle hierarchischen Stufen hinweg transportiert.

2. Keine Idee ist gleich eine gute Idee

Ideen müssen entwickelt werden, es muss Feedback eingeholt werden, damit daraus eine gute Idee wird, die länger besteht. Dieser Punkt impliziert, dass der Anstoß hin zu mehr Kreativität nicht von heute auf morgen umgesetzt werden kann. Eine Innovationskultur zu etablieren erfordert langen Atem und nicht nur gute, sondern auch weniger erfolgreiche Ideen – denn aus Fehlern lernt man bekanntlich. Hier sind nicht nur die Mitarbeiter sondern vor allem auch das Management eines Projekts gefragt: Denn dieses muss gleichzeitig die erforderliche Vertrauensbasis zu seinen Mitarbeitern aufbauen, die sagt: „Ich vertraue dir und deinen Ideen und stehe hinter dir, auch wenn deine Idee am Ende nicht erfolgreich ist.“

3. Anreize schaffen

Anreize jeglicher Form können den Ehrgeiz wecken. So könnte ein bestimmtes Budget, das der Projektleiter zur Verfügung stellt, für die Umsetzung einer Idee ein Anreiz sein. Andere könnte in der Vergabe von Punkten einen Ansporn sehen, das Stichwort Gamification fällt oft in diesem Zusammenhang. Auch das Angebot regelmäßiger Feedback-Runden kann ein Anreiz sein. Das signalisiert, dass der Ideengeber mit der Umsetzung nicht alleine dasteht, sondern an die Hand genommen wird.

4. Die Arbeitsumgebung kritisch hinterfragen

Schauen Sie sich um, arbeiten Sie in einer Umgebung, die Kreativität fördert? Nicht jedes Unternehmen wird in der Lage sein, separate Kreativräume anzubieten. Trotzdem spielt die Arbeitsumgebung eine große Rolle: Hat der Mitarbeiter die nötigen Werkzeuge, um ein Idee umzusetzen? Ermöglicht der Arbeitgeber Zugang zu erforderlichen Tools und bietet er beispielsweise Kreativ-Trainings an? Und weiß der Mitarbeiter überhaupt, wie er eine neue Idee vorschlägt und sie den Weg zu Entscheidern findet? All diese Punkte sollten ein mal kritisch hinterfragt werden, um der Idee an sich ein paar Steine aus dem Weg zu räumen.

5. Erkennbare Bedeutsamkeit der Kreativität

Dieser Punkt findet sich in jedem der genannten wieder. Zeigen Sie Ihren Mitarbeitern, dass Sie ihre Ideen und Projekte wahrnehmen. Schenken Sie diesen auch Aufmerksamkeit durch regelmäßige Feedback-Runden. Durch eine solche erkennbare Bedeutsamkeit wird gleichzeitig auch die Eigeninitiative des Ideengebers erhöht und er bekommt nicht den Eindruck, dass seine Arbeit sowieso kaum bemerkt und später im Sande verlaufen wird. Auch das genannte Belohnungsmodell kann so eine Erkennbarkeit widerspiegeln. Oder Sie erstellen eine Art Hall-of-Fame guter Ideen – Hauptsache es ist sichtbar, dass Kreativität anerkannt wird.

Beispiele erfolgreicher Kreativmodelle

Big Player des Silicon Valley sind schon seit Jahren Vertreter der Creative Time: So erlaubte beispielsweise Google seinen Mitarbeitern 20 Prozent ihrer Arbeitszeit für eigene Projekte zu verwenden. In dieser Zeit konnten sie eigene Ideen nachgehen und Projekte vorantreiben, aus denen dann teilweise Erfolgsgeschichten wie Gmail wurden. Mittlerweile setzt Google diese 20-Prozent-Regel zwar nicht mehr ein, stattdessen arbeiten nun kleinere Teams an neuen Ideen, die unter dem Schirm des Google-X-Projekts stehen. Aber auch hier ist die Idee, ähnlich der 20-Prozent-Regel: Kreativität verträgt keine Ablenkung und braucht einen eigenen Entfaltungsraum.

Adobe setzt auf seine sogenannte Kickbox. Dabei handelt es sich erst mal genau um das, eine Box. Darin befinden sich einige Hilfestellungen für den Weg zu einem erfolgreichen Projekt, unter anderem ein Sechsstufenplan. Dieser nimmt die Idee praktisch an die Hand und hilft, sie weiterzuentwickeln. Außerdem werden darin Tools vorgeschlagen, die in der Startphase helfen könnten, sodass man am Ende ein durchdachtes Geschäftsmodell in der Hand hält. Ein wichtiger Faktor dabei: Die Kickbox ist skalierbar. Damit kann sie in Unternehmen und Projekten unterschiedlicher Größe Anwendung finden. Denn nachdem Adobe dieses Konzept firmenintern schon getestet hat, lässt sich dieses auch für die Anwendung in der eigenen Firma auf der Projektseite herunterladen.

Gebäude 16 und 17 haben bei Microsoft eine besondere Bedeutung: Hier gibt es keine Büros. Die Gebäude sind die größten auf dem Gelände des Softwareunternehmens. Darin sind verschiedene Kreativräume, in denen gearbeitet, diskutiert und getüftelt werden kann. Die Entwickler wollen damit feste Strukturen aufbrechen und den Mitarbeitern auch mal den Freiraum bieten, beim Ping Pong auf neue Ideen zu kommen.

 

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Geschrieben von
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris studierte Kognitive Linguistik an der Goethe Universität Frankfurt am Main. Seit 2015 ist sie Redakteurin bei JAXenter und dem Java Magazin.
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