Läuft bei Kotlin?

Kotlin 1.0.1: Wo die JVM-Sprache steht und wo sie hin will

Kypriani Sinaris

©Shutterstock/ALMAGAMI

Kotlin ist in Version 1.0.1 erschienen. In diesem Jahr haben wir uns vermehrt mit der Programmiersprache beschäftigt – Zeit also, nicht nur die neuen Features in diesem Update zu betrachten, sondern auch die Frage zu stellen, wo Kotlin momentan steht und wo es hin will.

Kotlin 1.0.1 ist in der neuen Version mit Gradle 2.12 kompatibel, außerdem wurde in der IDE am Support für IntelliJ IDEA 2016 gearbeitet. Hier gibt es zusätzlich ein Kotlin Education Plug-in. Außerdem wurde der Compiler, die Library und das Gradle Plug-in mit 47 kleineren Bugfixes verbessert und auch die IDE an 39 Stellen optimiert.

Status Quo bei Kotlin

Mitte 2011 erstmals veröffentlicht und seit Februar 2012 als quelloffenes Projekt vorangetrieben, zielt Kotlin auf Java- und JavaScript-Plattformen ab. Die Sprache kann in Bytecode oder JavaScript kompiliert werden; zu ihren Merkmalen gehören ein statisches Typensystem, Objektorientierung, prozedurales Programmieren mittels Funktionen, die Unterstützung für Variable Type Inference und Support für Closures.

Wo Kotlin vor allem für Aufmerksamkeit sorgt, ist die Android-Entwicklung. Hier heißt es, dass Kotlin Javas großer Herausforderer sei. Zu diesem Thema haben wir Benedict Pregler interviewt, Speaker bei der MobileTechCon, die diese Woche in München stattfand:

JetBrains trifft mit Kotlin einen wunden Punkt der Android-Entwickler. JetBrains hat es geschafft, eine stark typisierte Sprache zu erschaffen, welche auch an sehr vielen Stellen sogenannten Boilerplate Code vermeidet, eine flache Lernkurve hat und – meiner Meinung nach – schlussendlich mehr Spaß macht als Java. Nicht zu vergessen ist die sehr gute Integration in die IDE. Hier liegt der Vorteil darin, dass die Sprache von JetBrains kommt, die außerdem den Unterbau von Android-Studio machen und sich mit dem Programmieren und den Wünschen eines Programmierers sehr gut auskennen.

Das Interesse an Kotlin scheint zu wachsen: Wie der aktuelle Google Trend zeigt, sind gerade ab der zweiten Jahreshälfte 2015 die Suchanfragen nach Kotlin gestiegen:

Kotlin vs. Java vs. Scala

Dem Vergleich mit anderen Programmiersprachen wie Java, aber auch Scala stellen sich die Kotlin-Entwickler selbst. So soll Kotlin Java beispielsweise in Bezug auf Lambda Expressions in Kombination mit Inline-Funktionen schlagen. Auch das als Billion Dollar Mistake verschriene Problem der Nullreferenz im Code umgeht Kotlin durch sein Typensystem. Im Vergleich mit Scala geht Kotlin mit Typen-Checks und Casts ins Rennen: So kann in Kotlin geprüft werden, ob ein Objekt mit einem gegebenen Typ in der Runtime konform ist, indem is oder !is verwendet wird. Soweit ein Auszug, den detaillierten Vergleich mit Java und Scala finden Sie auf der Projektseite.

Fazit

Die Programmiersprache Kotlin ist vergleichsweise jung. Sie hat zwar schon einige Anhänger und im Google-Trend spiegelt sich ein wachsendes Interesse wider. Ob sie im Produktiveinsatz tatsächlich auch in größeren Projekten, eine Alternative zu Java oder Scala darstellen kann, dafür müssen wir der Sprache wohl noch ein bisschen Zeit geben.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit Kotlin? Haben Sie sich schon damit beschäftigt? Hinterlassen Sie uns einen Kommentar!

Aufmacherbild: old lighthouse on Kotlin island von Shutterstock / Urheberrecht: ALMAGAMI

Geschrieben von
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris studierte Kognitive Linguistik an der Goethe Universität Frankfurt am Main. Seit 2015 ist sie Redakteurin bei JAXenter und dem Java Magazin.
Kommentare

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2 Kommentare auf "Kotlin 1.0.1: Wo die JVM-Sprache steht und wo sie hin will"

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Jost Schwider
Gast

Der große Konkurrent von Kotlin ist m. E. Groovy, nicht Java oder gar Scala.

Christian
Gast

Wer einen kleinen Überblick über die Merkmale von Kotlin bekommen möchte:
http://helmbold.de/artikel/kotlin/

Aus meiner Sicht sollte Kotlin über kurz oder lang der Normalfall für neue JVM-Projekte werden. Es ist konzeptionell so nah an Java, dass es wirklich ein Ersatz ist, und gleichzeitig ist es so viel besser und die Arbeit damit produktiver, dass es schon gute Gründe braucht, um trotzdem noch Java zu verwenden.