Kommentar: Oracle Cloud – To Infinity and beyond!

Claudia Fröhling

Mittwoch Abend betrat Larry Ellison die Bühne, um Oracles neuesten Coup vorzustellen: Die Oracle Cloud. Wie man es von Ellison gewohnt ist, wurden an diesem Abend erneut Superlative vorgestellt: Man hörte von der „umfangreichsten Cloud des Planeten Erde“ und „100 Cloud-Anwendungen und Services“.
Oracle Cloud – das ist doch nichts Neues, werden Sie jetzt sagen. Das haben wir doch schon letztes Jahr auf der Oracle Open World gehört. Was war also die wirkliche Neuigkeit des Abends?

Das Unternehmen aus Redwood Shores bietet ab sofort neue Oracle Fusion Cloud Applications und Services an, und zwar als Zusatz zu den fünf, die bereits auf der Oracle Open World 2011 bekannt gegeben wurden (CRM, HCM, Social Network, Java Service, Cloud Service). Larry Ellison berichtete stolz, dass Oracle jetzt 100 Cloud Applications und Services anbietet. Eine Aufzählung der neuen Services blieben er und Tom Kurian, der die nachfolgende Pressekonferenz leitete, schuldig. Die Liste wird aber nachgeliefert, versprach Kurian. Stellt sich also die Frage: Wie kommt man von fünf Services 2011 auf 100 in 2012? Ab wann wird eine Einheit gezählt? Man darf gespannt sein.

Ellison erklärte, dass sich Oracles Arbeit in Sachen Cloud Computing unter dem Projekt Fusion zusammenfassen lässt, ein Projekt mit mehrjähriger Laufzeit. So steht es auch im Press Release:

Almost seven years of relentless engineering and innovation plus key strategic acquisitions. An investment of billions. We are now announcing the most comprehensive Cloud on the planet Earth

Fusion ist aber kein Projekt, in dem seit sieben Jahren an Oracles Cloud-Strategie gearbeitet wird. In Wahrheit war Fusion anfangs ein Nachfolger der E-Business Suite, PeopleSoft, J.D. Edwards und der Siebel-Systeme, wie Frank Scavo in seinem kritischen Bericht anmerkt.

Ellison’s early presentations indicated that Fusion would be a traditional sold-as-a-license product, deployed on-premises, not a cloud service. To now claim that Fusion was a 7-year cloud development effort is simply not true.

Alles in allem muss man sagen, dass Oracle am Mittwoch ein falsches Signal gesendet hat. Es war auch ein Abend der Übertreibungen und des Konkurrenten-Bashings. Dabei hat Oracle in Sachen Cloud Computing schon einiges geleistet und könnte eigentlich sicherer auftreten:

  • Oracle bietet bereits eine komplette IaaS-Plattform an, ähnlich der von Amazon.
  • Oracles Cloud basiert auf Standards wie SQL, Java und HTML5.

Scavo bringt Oracles Verhalten folgendermaßen auf den Punkt:

Oracle has fallen into a pattern in its public events of overstating its successes, misrepresenting its competitors, and touting statements-of-direction as accomplishments. This is unfortunate because it causes observers to discount what is in fact some very impressive technology. I hope that, in the future, Oracle will take a more understated approach that will do justice to its people, products, and services.

Wie schon angedeutet, war die Veranstaltung am Mittwoch Abend leider mit zahlreichen Seitenhieben gegen die Konkurrenz gewürzt, das hatte einen faden Beigeschmack: Ellison schoss gegen SAP, gegen Salesforce.com und Workday – drei Konkurrenten, die Oracle übertrumpfen muss, um in Sachen Cloud Computing nicht den Kürzeren zu ziehen. Workday ist übrigens die Firma von David Duffield, einst Chef von PeopleSoft, das Ellison vor sieben Jahren kaufte. Ähnliches Szenario bei Salesforce.com, dessen CEO Marc Benioff einst Ellisons Protegé war und bei Salesforce.com besonders das Thema Cloud vorantreibt.

Apropos Bashing: Ellison hat extra für das Cloud-Event am Mittwoch einen Twitter-Account eingerichtet und pünktlich zum Webinar den ersten Tweet abgesetzt. Mal ganz abgesehen davon, dass das für einen der mächtigsten IT-Bosse des Planeten ungefähr sechs Jahre zu spät ist, hatte der erste Tweet eigentlich nur das Ziel, den Konkurrenten SAP zu dissen. Das ist mit Verlaub vor allem eins: enttäuschend.

Alles in allem kann man sagen, dass Oracle seinen Weg in die Cloud mit großem Einsatz vorantreibt. Sobald mehr Details zur Oracle Cloud bekannt werden (wichtig wären die Informationen zu den 100 Applikationen und Services sowie zum Pricing-Modell), wissen wir mehr. Wir halten Sie natürlich auf dem Laufenden!

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Claudia Fröhling
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