Zum Rücktritt der Apache Software Foundation vom JCP Executive Committee

Kommentar: Apache nimmt Abschied

Bernd Fondermann

Dutzende von JSRs (Java Spezifikationen) hat Apache implementiert. JSF (MyFaces), Servlet & andere (Tomcat), JCR (Jackrabbit), Java Enterprise Edition (Geronimo) und viele viele andere. Niemand hat sich daran gestört, ganz im Gegenteil. Einzig und allein die zentrale Spezifikation, Java Standard Edition, also die Sprache und Ablaufumgebung selber.

Warum? Aus kommerziellen Erwägungen eines einzigen Mitglieds der Java-Welt: Oracle.

Dieser Satz wäre vor zwei Jahren schlichtweg falsch gewesen. Damals hat Oracle nämlich noch die Position der Apache Software Foundation gestützt. Erst mit Kauf von Sun hat sich ihre Meinung um 180 Grad gedreht. Nun gut.

Ich bin sehr dafür, dass auch Oracle mit Java Geld verdient. Ich glaube nicht, dass die Runtime dafür die richtige Wahl ist (siehe Artikel: Love, Peace and Harmony).

Jedenfalls macht es für Apache keinen Sinn, weiter am JCP teilzunehmen, wenn nicht die Garantie besteht, auch JSRs implementieren zu können. Und laut der Statuten ist dies ausschließlich unter der Apache Lizenz möglich. Wer weiß, ob nicht zukünftige JSRs unter Oracles Ägide ähnlich diskriminierenden Einschränkungen unterliegen werden wie heute Java SE?

Dann lieber gar nicht. Schließlich gilt es, unsere User vor Patentklagen zu schützen und ihnen einen uneingeschränkten Einsatz von Apache Software zu ermöglichen. Das Spiel geht jetzt seit Jahren. Am Ende muss man auch bereit sein, konsequent zu sein und zu gehen.

Was wird jetzt aus Java? Es wird weiterbestehen und sich technisch weiterentwickeln. Kein Grund zu Panik oder Kurzschlussreaktionen. Auch Apache Harmony kann weiter entwickelt werden. Es wird sich allerdings voraussichtlich nie „Java“ nennen dürfen. Und das ist die eigentliche Gefahr, die ja auch ursprünglich ein Grund für die Aufstellung des JCP war: dass Java technologisch fragmentiert und divergiert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das im Interesse von Oracle, SAP, IBM oder einem der Millionen Java-Entwickler in aller Welt liegt.

Bernd Fondermann

(Bernd äußert seine eigene Einschätzung zur Lage und spricht nicht im Namen der Apache Software Foundation).

Bernd Fondermann (bernd.fondermann[at]brainlounge.de) ist freiberuflicher Softwarearchitekt und Consultant in Frankfurt a. M. Er beschäftigt sich mit innovativen Open-Source-Technologien wie Apache Hadoop und Lucene und ist Member der Apache Software Foundation und Vice President Apache Labs. Dieser Text gibt seine persönliche Meinung wieder und ist keine offizielle Stellungnahme der Apache Software Foundation.
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Bernd Fondermann
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