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Kolumne

Lagebericht Eclipse-IDE: Wie ein Profi arbeiten

Simon Scholz, Lars Vogel
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Diesmal geht es in unserer Kolumne um die optimale Verwendung der Eclipse IDE. Natürlich hat jeder seine eigenen kleinen Tricks, aber ein paar Funktionen sollte jeder Nutzer kennen, um mit Eclipse noch besser arbeiten zu können.

Shortcuts für die Mausmüden

Merkt ihr euch ungern Shortcuts? Dann merkt euch zumindest einen: STRG + 3 auf Windows und Linux oder CMD + 3 auf dem Mac. Damit öffnet ihr den Quick Access, der es euch erlaubt, beliebige Aktionen in Eclipse auszuführen. Neue Java-Klasse anlegen? Kein Problem: Einfach STRG + 3 drücken und „New Java“ eingeben, das reicht aus. Quick Access ist also die eierlegende Wollmilchsau unter den Shortcuts oder auch ein „Shortcut to rule them all“.

Der Shortcut für Quickfixes (STRG + 1) ist allseits bekannt und bietet gute Lösungsansätze, passend zum Kontext, in dem sich die Selektion oder der Cursor befindet. Das gilt auch für das Erstellen von Variablen. Noch etwas schneller geht die Variablenzuweisung mit dem weniger bekannten Shortcut STRG + 2 und anschließender Eingabe des Buchstaben L. Übrigens gilt dies nicht nur für neu erstellte Objektinstanzen mittels new, sondern auch bei Methodenaufrufen, die einen Rückgabewert haben.

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Die Navigation durch den Sourcecode geht natürlich auch sehr viel schneller, wenn man sich gewisser Tastenkürzel bedient: Um schnell zu einer Methode einer Klasse springen zu können, hilft der Shortcut STRG + O, wodurch ein Pop-up mit den Methoden einer Klasse oder eines Interface angezeigt wird, in dem man auch Filter anwenden kann. Durch erneutes Drücken von STRG + O werden auch noch die Methoden der Elternklassen angezeigt.

Beim vielen Navigieren durch den Sourcecode ist es ebenfalls hilfreich, wieder zurück navigieren zu können. Dies geht mit dem Shortcut ALT + linke Maustaste am schnellsten. Um wieder vorwärts navigieren zu können, kann man die Kombination Alt + rechte Maustaste nutzen. Um alle Aufrufer einer Methode zu ermitteln oder die Verwendung einer Klasse festzustellen, hilft das Kürzel STRG + SHIFT + G, das die Ergebnisse in der Search View auflistet (Abb. 1). Wer weitere zentrale Shortcuts lernen will, kann gerne unsere Eclipse-Shortcut-Karte herunterladen.

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Abb. 1: Finden aller Referenzen der „ISideEffect“-Klasse mittels STRG + SHIFT + G

Mehr Platz, weniger Sorgen

Wer mehr Platz zum Programmieren benötigt, kann den Fullscreen-Modus via Window | Appearance | Toggle Full Screen auswählen, der seit Eclipse 4.6 (Neon) verfügbar ist. Dies geht auch direkt über Quick Access oder ALT + F11. Die Toolbar lässt sich über Window | Appearance | Hide/Show Toolbar ausblenden. Die Größe des Texts lässt sich zudem ganz einfach via STRG + + oder STRG + – anpassen. Wer trotzdem noch zu langen Text in einer Zeile hat, nutzt am besten Word Wrap (ALT + SHIFT + Y) und bricht damit lange Zeilen in logische Zeilen um.

Unter Windows | General kann man Eclipse mitteilen, dass man keine Dialoge sehen will, wenn Eclipse die Arbeit auch störungsfrei im Hintergrund erledigen kann. Diese Einstellung haben wir für Eclipse 4.7 auch gleich standardmäßig aktiviert, damit ihr im nächsten Release nicht mehr daran denken müsst.

Ein Feature, das in IntelliJ bereits als Standardeinstellung vorgegeben ist, ist das automatische Speichern. Wer diese Funktion auch in Eclipse gerne hätte, kann sie unter Window | Preferences | General | Editors | Autosave aktivieren.

Magie mit Java-Tools

Wer gerne effizienter programmiert, setzt unter dem Eintrag Windows | Preferences | Java | Editor | Typing die Flag für Semicolons und Braces. Danach fügt die IDE diese Elemente an der richtigen Stelle ein, egal, wo sich der Mauszeiger befindet. Falls das mal schief geht, macht Backspace die automatische Änderung rückgängig. Möchte man inmitten einer existierende Call Chain einen Methodenaufruf ändern und den alten Methodenname überschreiben lassen, sollte man unter Window | Preferences | Java | Editor | Content Assist die Funktion Completion Overrides aktivieren. Via Show annotations kann man sich anschauen, wer die letzten Änderungen an einer Zeile durchgeführt hat und was die Änderungen waren (Abb. 2). Um den Dialog zu öffnen, reichen ein rechter Mausklick auf dem Ruler und die Auswahl des entsprechenden Menüeintrags.

Abb. 2: Sherlock Holmes mit dem Show-Annotations-Menü spielen

Abb. 2: Sherlock Holmes mit dem Show-Annotations-Menü spielen

Plug-in Management in Eclipse

Wer kennt das nicht: Man hat sich ein richtig schönes Eclipse mit seinen liebsten Plug-ins konfiguriert und traut sich nicht, die neueste Version der Entwicklungsumgebung herunterzuladen. In Wirklichkeit ist das gar kein Problem, denn man kann seine Plug-ins auch via File | Export | Install | Installed Items to File exportieren. Beim Wizard kann man dann noch die Komponente auswählen – eine gute Gelegenheit, um altes Zeug loszuwerden. Analog geht das Importieren der exportierten Datei dann mit dem neuen Eclipse.

Noch entspannter geht es, wenn man einen Account auf der Eclipse-Webseite hat. Im Marketplace loggt man sich mit seinem Account ein oder erzeugt bei Bedarf einen. Dann sucht man sich die gewünschten Plug-ins heraus und drückt den *-Button. In einem frisch installierten Eclipse kann man nun den Marketplace-Client über Help | Eclipse Marketplace starten und sich unter Favorites einloggen. Von dort aus ist es dann möglich, die benötigten Plug-ins zu installieren.

Fazit

Soweit zu unserer kleinen Auswahl cooler Eclipse-Features. Habt ihr noch andere Funktionen, die wir in einer der nächsten Ausgaben erwähnen sollen? Oder kennt ihr Features aus anderen IDEs, die ihr in Eclipse vermisst? Dann schickt uns doch bitte eine E-Mail an eclipse@vogella.com. Wenn wir genug neue Tipps bzw. Anregungen für zukünftige Entwicklungen bekommen, werden wir sie in einer der nächsten Ausgaben unserer Kolumne vorstellen. Denn wenn man seine IDE gut kennt, kann man viel besser damit arbeiten.

Geschrieben von
Simon Scholz
Simon Scholz ist Eclipse Platform und e4 Committer. Er entwickelt auch am PDE, und Eclipse Gradle Tooling mit und nutzt seine langjährige Eclipse-RCP- und Plug-in-Erfahrung für Kundenimplementierungen, Eclipse-RCP-Workshops und Schulungen. Zudem hält er regelmäßig Vorträge auf Softwarekonferenzen bzgl. verschiedener Eclipse-Technologien.
Lars Vogel
Lars Vogel
Lars Vogel ist Geschäftsführer der vogella GmbH, die Kunden im Bereich Eclipse, Android und anderen Themen unterstützt. Als Project-Management-Committee-Mitglied, Eclipse-Projektleiter und Committer hilft er dem Eclipse-Projekt. E-Mail: lars.vogel@vogella.com
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