Klassische Anforderungen agil erfasst

User Stories

Da die im letzten Abschnitt beschriebenen Use Cases die Verwendung des Systems durch bestimmte Akteure beschreiben und dabei auf die unterschiedlichen alternativen Abläufe eingehen, handelt es sich dabei prinzipiell um umfangreiche Dokumente. Dies gibt sowohl dem Auftraggeber als auch dem Auftragnehmer ein gewisses Maß an Sicherheit, was gerade bei Fixpreisprojekten wünschenswert ist. Allerdings führt dies auch zu administrativem Overhead, vor allem im Fall von sich ständig ändernden Anforderungen. Dieser Nachteil soll durch User Stories kompensiert werden.

Bei User Stories handelt es sich um eine sehr leichtgewichtige Alternative zu Use Cases. Unter einer User Story versteht man wenige – in der Regel ein bis zwei Sätze – die ein gewünschtes Leistungsmerkmal aus Sicht eines Benutzers beschreiben. Beispiele hierzu sind „Als Arzt kann ich für meine Patienten bewilligungspflichtige Medikamente anfordern“ oder „Als Buchhalter kann ich eine Liste mit allen offenen Rechnungen abrufen“. User Stories stellen somit keine umfassende Beschreibung der gewünschten Anforderungen dar. Sie sind, um die Worte aus [3] zu verwenden, lediglich ein Versprechen auf ein Gespräch – ein Gespräch, dass kurz vor der Implementierung zwischen dem jeweiligen Bedarfsträger und dem Entwickler stattfindet. Somit wird das Festlegen von Details so lange wie möglich hinausgezögert. Dies unterstützt agiles Vorgehen, da somit vermieden wird, dass im Nachhinein umfangreiche Anforderungsspezifikationen anzupassen sind.

User Stories werden verwendet, um sich zum einen mit den gewünschten Leistungsmerkmalen vertraut zu machen sowie um zum anderen den groben Aufwand der gewünschten Anforderungen abschätzen zu können. Als Medium zum Erfassen von User Stories schlagen [Beck04] und [Cohn04] Story Cards vor. Dabei handelt es sich um kleine handliche Kärtchen, auf denen die Stories sowie zusätzlich Notizen oder Testfälle notiert werden. Die User Story „Als Arzt kann ich für meine Patienten bewilligungspflichtige Medikamente anfordern“ könnte beispielsweise mit den folgenden Testfällen/Notizen versehen werden:

  • Auf mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten prüfen
  • Auf das Vorhandensein von gleichwertigen, jedoch kostengünstigeren Alternativen prüfen
  • Versicherungsstatus des Patienten prüfen

Zusätzlich werden auf diesen Kärtchen Informationen wie die Priorität aus Sicht des Auftraggebers oder der Aufwand sowie das Risiko aus Sicht des Entwicklungsteams festgehalten. Die Kärtchen werden anschließend nach diesen Kriterien sortiert und zu einem Projektplan angeordnet. Im Zuge der Erstellung dieses Plans können die Kärtchen nach Belieben hin- und herverschoben werden, bis sich ein brauchbares Ergebnis ergibt. Ferner können die Kärtchen zur Visualisierung des aktuellen Fortschritts an einer zentralen Stelle aufgehängt werden.

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