Klassische Anforderungen agil erfasst

Use Cases werden nach drei Ebenen unterteilt. Die häufigsten Use Cases sind jene, die User Goals widerspiegeln. Sie beschreiben, wie ein bestimmter Akteur ein bestimmtes Ziel verfolgt. „Pizza bestellen“ oder „Außenstände mahnen“ sind typische Use Cases dieser Ebene. Bei Sub-Functions handelt es sich hingegen um Teilabläufe, die für sich gesehen zwar nicht zur Erreichung eines konkreten Ziels führen, jedoch in verschiedenen Use Cases immer wieder vorkommen und somit ausgelagert wurden. Ein Beispiel hierzu ist der im Kasten „Beispiel 3: User Level Use Case“ referenzierte Use Case 0815.

Beispiel 3: User Level Use Case

Use Case 4: Anforderungen bearbeiten

Primärer Akteur: Manager

Level: User Level

Vorbedingung: –

Nachbedingung: –

1. Der Manager öffnet eine Anforderung

2. Das System zeigt den Namen, Telefonnummer und E-Mail-Adresse des Mitarbeiters sowie die angeforderten Produkte

3. Der Manager genehmigt die Anforderung

4. Das System benachrichtigt den Mitarbeiter

5. Das System erstellt eine Bestellung und versendet diese an den Lieferanten via E-Mail

2a. Die Bestellung würde das vorhandene Budget überschreiten

2a.1 Das System informiert den Manager über das aktuelle Budget sowie über das Ausmaß der Überschreitung.

2a.2 Weiter mit Punkt 2 im Hauptszenario

3a. Der Manager lehnt die Anforderung ab

3a.1 Der Manager erfasst eine Begründung

3a.2 Das System benachrichtigt den Mitarbeiter

3b. Der Manager gibt an, alle vergangenen Anforderungen des Mitarbeiters einsehen zu wollen

3b.1 Siehe Use Case 0815: Vergangene Anforderungen einsehen

3b.2 Weiter mit Punkt 2 im Hauptszenario

[.]

Daten

Produkt: Name, Produktnummer, Beschreibung, Bild, Preis

Geschäftsregeln

Von Bestellungen über € 5000 wird auch die Geschäftsführung via E-Mail informiert.
Ein Manager darf nur die Anforderungen seiner direkt untergebenen Mitarbeiter einsehen/ bearbeiten.

Offene Punkte: keine

Darüber hinaus beschreibt ein Use Cases der Ebene Sumary Goal die Verwendung eines gesamten Systems bzw. Teilsystems, indem verschiedene Use Cases der Ebene User Goal, auf die auch verwiesen wird, zusammengefasst werden. Der Kasten „Beispiel 4: Summary Use Case“ demonstriert dies. Use Cases dieser Ebene bieten einen ersten Überblick über das sich in Planung befindliche System. Summary Use Cases stellen eine textuelle Alternative zu den von der UML gebotenen Use-Case-Diagrammen dar. Diese bieten zwar einen grafischen Überblick über die Use Cases eines (Teil-)Systems, beinhalten dafür jedoch keine Informationen über eine – zumindest mögliche – Ablaufreihenfolge.

Beispiel 4: Summary Use Cases

Use Case 4711 – Produkte bestellen

Level: Summary Use Case

1. Der Einkäufer importiert die Produktlisten (siehe Use Case 1: Produktlisten importieren) und gibt bestimmte Produkte frei (siehe Use Case 2: Produkte freigeben).

2. Der Mitarbeiter fordert bestimmte Produkte an (siehe Use Case 3: Produkte anfordern).

3. Der Manager genehmigt die Anforderung bzw. lehnt diese ab (siehe Use Case 4: Anforderungen bearbeiten).

Ein Beispiel für ein zum soeben betrachteten Summary Use Case passendes Use-Case-Diagramm zeigt Abbildung 1. Das Rechteck stellt die Systemgrenzen dar. Die Use Cases befinden sich innerhalb des Systems; die Akteure außerhalb. Die Verbindungen zwischen Akteuren und Use Cases zeigen, welcher Akteur welche Use Cases nutzt. Die Include-Beziehung zwischen den Use Cases 4 und 0815 verdeutlicht, dass ersterer den letzteren einbindet.

Abb. 1: Beispiel eines Use Case-Diagramms

Zur Ermittlung von Use Cases werden zunächst die betroffenen Akteure sowie deren Ziele (User Goals) ermittelt. Für jedes Ziel wird dabei ein User Goal Use Case dessen Happy-Day-Szenarios definiert. Danach erfolgt ein Brainstorming, um herauszufinden, unter welchen Bedingungen vom Happy-Day-Szenario abgewichen werden muss. Daraus ergeben sich die einzelnen Alternativen. Pro Alternative wird dann noch der Ablauf festgelegt.

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