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Klare Worte zu GlassFish: Open Source – not Charity!

Hartmut Schlosser

Wo liegt die Zukunft von GlassFish?, hatten wir Sie in unserem letzten Quickvote gefragt. Das ist natürlich eine schwierige Frage, denn niemand weiß wirklich, wie der Java-EE-Server sich ohne die kommerzielle Oracle-Version weiterentwickeln wird. Dennoch war das Stimmungsbild, das Sie gezeichnet haben, recht deutlich – sprich: eher negativ:

  • Der Wegfall des kommerziellen Supports durch Oracle wird GlassFish nicht schaden. 6%
  • GlassFish wird ohne kommerziellen Oracle Support bald bedeutungslos sein. 32%
  • Ich rechne damit, dass GlassFish ohne Oracle Support zwar nicht bedeutungslos wird, doch aber an Qualität verlieren wird. 42%
  • GlassFish nur als Open-Source-Variante weiterzuführen, ist positiv. Eine Chance für die Community und andere Anbieter! 20%

Gesamtstimmen: 96

 Die meisten von Ihnen sehen also durchaus die Gefahr, dass GlassFish den erreichten Qualitätsstandard nicht wird halten können. Allerdings gesellt sich jetzt zu den immerhin 20%, die sagen, GlassFish als reines Open-Source-Projekt sei eine Chance für die Community und andere Anbieter, der bekannte GlassFish Evangelist Reza Rahman hinzu. In einem Blogpost macht er seine Position klar:

–        Oracles Fokus auf gewinnbringende Projekte sei absolut legitim. Er sorgt dafür, dass etliche Leute ihre Rechnungen bezahlen können und Essen auf den Tisch bekommen.

–        Außerdem schaffe Oracle so eine Stabilität, die insbesondere im Vergleich zu den „chaotischen“ Sun-Zeiten zu begrüßen sei.

–        GlassFish bleibe für Oracle weiterhin ein wichtiges Projekt: Open Source sei die beste Möglichkeit, so schnell wie möglich eine hochqualitative Referenzimplementierung für Java EE zu erreichen, die von der Innovationskraft der Community getrieben ist.

–        Welcher Unabhängige beteiligt sich gerne an einem Projekt, das direkt mit dem kommerziellen Erfolg eines fremden Unternehmens verbunden ist? Ein Anbieter-neutraler Standard und eine Implementierung, die auf die Erklärung und Verbreitung des Standards abzielt, sei deshalb der bessere Weg.

Für diejenigen, die die oberen Argumente für falsch halten, hat Reza ebenfalls deutliche Worte parat: Ihr habt jetzt jede Gelegenheit, die Position Oracles zu widerlegen. Nichts hält Euch davon ab, ein kommerzielles Business um GlassFish herum aufzubauen. Ihr könnt dann sogar von den Arbeiten profitieren, die Oracle-Angestellte weiterhin in GlassFish stecken werden. Denn das sei die wahre Natur von Open Source: „That’s what open source today is really about, not charity.“

Reza liegt mit dieser Aussage nicht weit entfernt von TomEE-Cherfentwickler David Blevins, der den Oracle-Rückzug von einem kommerziellen GlassFish so kommentierte: „Open Source isn’t free“. Blevins fordert deshalb nichts Geringeres als eine Veränderung der Industrie, in der oft massenweise Geld in Unternehmen verschwendet wird, ohne auch nur daran zu denken, die Communitys zu unterstützen, die die eingesetzte Open Source Software geschrieben haben.

Wir kommen hier im Grunde wieder zum bekannten Problem der Tragedy of Commons, das aktuell auch in der Eclipse Community diskutiert wird: Wie kann man dem Schicksal entrinnen, dass ein für immer größere Gruppen frei verfügbares Gut nicht erodiert, da niemand mehr Verantwortung für die Pflege des Guts übernehmen will? Bei Blevins hört sich das so an:

There has to be a middle ground between paying extreme prices for proprietary software and nothing for Open Source software.

Wir sind gespannt, wie es mit GlassFish weitergeht. Oracles Ideen dazu werden in einem Webcast am 9. Dezember zu hören sein. Hier nochmals der offizielle Ankündigungstext:

Anfang November 2013 hat der GlassFish-Produktmanager John Clingan im GlassFish Blog „Aquarium“ angekündigt, dass es für GlassFish 4.0 keine kommerzielle Version von Oracle geben wird.

Für die kommerziellen Versionen von GlassFish Server 2.1.x und 3.1.x gibt es weiterhin den Oracle Support, gemäß der „Lifetime Support Policy“. Für Java EE 7 und die darauf folgenden Java EE Versionen wird WebLogic Server als einziger kommerzieller Java EE kompatibler Applikationsserver von Oracle angeboten. Oracle wird weiterhin in GlassFish Open Source Server investieren, um eine entwicklerfreundliche Open-Source Referenzimplementierung mit GlassFish, sowie ein SDK der Java EE Plattform in Zukunft bereitzustellen.

Aufgrund der vielen und oftmals irreführenden Interpretationen dieser Ankündigung wird am 9.12.2013 ein WebCast in deutscher Sprache stattfinden, mit dem Ziel die Oracle GlassFish-Strategie detailliert zu erklären und auch auf Fragen der Teilnehmer in Deutschland einzugehen.

Eine Teilnahme an dem Webcast ist über eine öffentlich zugängliche Webex-Adresse möglich.

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, JavaFX, Eclipse und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
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