Interview mit Glenn Lamming und Lutz Malburg

Klare Rollen in User Stories

Melanie Feldmann

© Shutterstock / Karashaev

Obwohl Entwickler in kaum einem Agile-Workshop an User Stories vorbeikommen und sie mittlerweile in vielen Prozessen gang und gäbe sind, werden sie dennoch oft nicht richtig eingesetzt. Glenn Lamming und Lutz Malburg haben sich in ihrem Vortrag auf der JAX zum Ziel gesetzt, mit falschen Vorstellungen und verqueren Praktiken bei User Stories aufzuräumen. Im Interview geben sie Tipps, was Entwickler und Product Owner immer im Hinterkopf behalten sollten.

JAXenter: Was sind die Vorteile einer User Story?

Glenn Lamming: Die Vorteile sind vielfältig. Für mich ist der wichtigste der konstante Fokus auf den angestrebten Geschäftswert, der sich bei korrekter Anwendung ergibt.

Lutz Malburg: User Stories helfen dabei klar herauszuarbeiten welche Benutzergruppen mit einem System arbeiten. Dies ist essentiell, da z. B. ein Administrator eines Bestellsystems ganz andere Anforderungen an das System hat, als ein Kunde oder ein Einkäufer.

JAXenter: Woran kann es liegen, dass User Stories falsch angewendet werden?

Glenn Lamming: Wird der Fokus nicht auf den zu erreichenden Geschäftswert gelegt, sondern darauf, was das Entwicklungsteam zu entwickeln hat, ist das Ergebnis, dass es keinen Spielraum für die Kreativität des Entwicklungsteam gibt.

Lutz Malburg: Ein Kardinalfehler ist, dass in den Rollen nicht differenziert, sondern pauschalisiert wird, z. B. „Als Benutzer möchte ich…“ anstatt „Als Kreditsachbearbeiter möchte ich…“. Dies führt zu unklaren Anforderungen an das Zielprodukt und erschwert es für eine Software ein sinnvolles Rollen und Rechtekonzept zu entwickeln oder geeignete Oberflächen für spezifische Benutzergruppen bereitzustellen.

JAXenter: Wie groß ist die Gefahr aus einer User Story doch wieder ein Anforderungsheft zu machen?

Glenn Lamming: Wenn man die Basisregeln, die in unserem Vortrag erläutert werden, einhält, nämlich, „Card, Conversation, Confirmation“, ist diese Gefahr minimiert.

Lutz Malburg: Diese Gefahr besteht dann, wenn man User Stories rein als anderes Format zur Beschreibung von Anforderungen verwendet. In Verbindung mit agilen Verfahren wie Scrum, bei denen sich auch die konkreten Anforderungen an ein Produkt sukzessive mitentwickeln, wird dieses Risiko vermieden.

JAXenter: Was macht eine effektive User Story aus?

Glenn Lamming: Eine klares Verständnis für wen etwas entwickelt wird, was die Erwartungen an den angestrebten Geschäftswert sind und Spielraum für die Kreativität des Entwicklungsteams machen eine User Story aus. Wenn eine User Story richtig eingesetzt wird, sind diese Elemente gewährleistet.

Lutz Malburg: Neben der Definition was erreicht werden soll, enthält eine effektive User Story auch klare Akzeptanzkriterien, dies es erlauben festzustellen wann das angestrebte Ziel der User Story erreicht ist.

JAXenter: Vielen Dank für das Interview!

glenn_lammingGlenn Lamming arbeitet bei der NovaTec Consulting GmbH als Managing Consultant und Scrum.org Professional Scrum Trainer. Sein Hauptfokus liegt auf Produktentwicklungs-Projekten mit Scrum, hauptsächlich in Software-zentrierten Kontext. Glenn mag es vor allem mit Kunden als Trainer und Coach in Kontakt zu treten. Dazu nutzt er seine bisherige Erfahrung in den Bereichen Supply Chain, IT Leadership und Produktmanagement.

 

lutz_malburgLutz Malburg ist Diplom-Informatiker (FH) und verfügt über mehr als zwanzig Jahre Erfahrung in der Leitung von Softwareprojekten und der Softwareentwicklung. Er ist als Senior Managing Consultant und Niederlassungsleiter für den Standort München bei der NovaTec Consulting GmbH tätig. Lutz ist zertifizierter Professional Scrum Master I und unterstützt als Scrum-Coach Kunden vor Ort bei der Einführung und Optimierung agiler Prozesse und hält regelmäßig Schulungen zu Scrum.

Aufmacherbild: Kanban board von Shutterstock / Urheberrecht: Karashaev

Geschrieben von
Melanie Feldmann
Melanie Feldmann
Melanie Feldmann ist seit 2015 Redakteurin beim Java Magazin und JAXenter. Sie hat Technikjournalismus an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg studiert. Ihre Themenschwerpunkte sind IoT und Industrie 4.0.
Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

avatar
400
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: