Keynote hoch vier: "Volle Breitseite"

Hartmut Schlosser

Am Ende des ersten Tages der JAX-Hauptkonferenz war der Kongress-Saal noch immer gut gefüllt. Schließlich gab es zum Ausklang eine vier Mann starke Keynote: Vier Ingenieure der Canoo AG präsentierten in einem jeweils zehnminütigen Blitzlicht ihre Lieblingstechnologien – brandneue, Evergreens und beides in Kombination. In einer kurzweiligen Session brachten sie diese kleinen Liebeserklärungen voller Witz und Elan auf die Bühne. Dem Publikum boten sie so einen breiten Querschnitt durch die vielfältigen Interessen und Erfahrungshorizonte von vier Entwicklern, die alle unter demselben Dach arbeiten.

Den Anfang machte Gerrit Grunwald, der sich zu seinem „Faible für Grafik, Design und Custom Controls“ bekannte. Sein Blitzlicht war denn auch was für’s Auge: Dass Custom Controls nicht nur mehr Pep in die Anwendung bringen, sondern auch zusätzliche Funktionalität und Properties, demonstrierte er zunächst in zwei anschaulichen Beispielen. Dann stellte er stellte er sich eine 3-D-Animation zur Aufgabe. Mit JavaFX und HTML5 lässt sich zwar mittlerweile problemlos ein echter 3-D-Effekt erzeugen, wie Grundwald zeigte. Aber durch einen alten Trick ist es auch möglich, mit Swing einen 3-D-Effekt simulieren: durch neun aufeinanderfolgende Bilder, die eine Schein-Animation ergeben und den JavaFX- und HTML5-Varianten (beinahe) in nichts nachsteht. Sein Fazit: Selbst 15 Jahre alte Technologien wie Swing haben bei Weitem nicht ausgesorgt, wenn man es versteht, sie sinnvoll einzusetzen.

Gerrit Grunwald mit animierten Custom Controls in Swing, JavaFX und HTML5

Ähnliches ließ Andres Almiray verlauten: „At some point, swing applications will become legacy. But that doesn’t mean they’re outdated“, so sein Statement zu Swing. In seinem Vortrag stellte er GroovyFX vor, ein recht neues Framework, mit dem sich in JavaFX-Anwendungen in Groovy schreiben lassen. Anhand einer Animation veranschaulichte er dann die nahtlose Interoperabilität von Swing- und Javakomponenten.

Andres Almiray demonstriert GroovyFX und Griffon

Im Bereich Geolocation präsentierte Andreas Hölzl sein persönliches Steckenpferd: Apache Lucene. Als Hintergrund stellte Hölzl das Projekt Wikihood vor, ein World Browser, der die Daten von Wikipedia parst und sie aufbereitet. So lässt sich zum Beispiel herausfinden, welcher Stellenwert einzelnen Orten in insgesamt 800.000 Wikipedia-Artikeln eingeräumt wird. Die Frage, die sich ihm stellte, war: Wie kann man all diese Lokalisierungsdaten mit ihren zugehörigen Randdaten sinnvoll verwalten? Hier bietet Apache Lucene die optimale Lösung: Es ermöglicht eine Kombination von räumlichen Queries mit weiteren Kriterien, z.B. Daten zu einer bestimmten Stadt oder Sehenswürdigkeit.

Andreas Hölzl präsentiert Wikihood

Nach Design und Geolocation lud Dierk König, zum zweiten Mal als Keynote-Speaker auf der JAX und an diesem Abend ‚lucky last‘ im Canoo-Viergespann, zu einem Exkurs in die Zahlentheorie ein. Sein Beitrag kreiste um die Frage: Wie bekomme ich eine endlose Rekursion der n-ten Dreieckszahl hin, die nicht in einem Stack Overflow endet? Dazu verwendete König die Sprache Groovy. „Die ist so ähnlich wie Java“, bemerkte der Speaker augenzwinkernd.

Dierk König zeigt die „coolste Schleife, die ihr je gesehen habt“

Die Lösung des Problems lautete: „Neuer Thread, neuer Stack.“ So gelang es schließlich, die – in seinen eigenen Worten – „coolste Schleife, die ihr je gesehen habt“ zu produzieren.

An sämtlichen Griffen in die Trickkisten und Kunststücken, die die vier Entwickler an ihren Lieblingstechnologien vollführten, freuten sich nicht nur die Akteure selbst. Der Funke sprang auch schnell aufs JAX-Publikum über, das begeistert applaudierte. Es könnte ein Keynote-Konzept sein, das Schule macht.

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Hartmut Schlosser
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