Keine Fata Morgana

Unterstützung von Seiten der Politik

Ägyptens ICT-Industrie wird auch für ihre deregulierte und privatisierte Struktur geschätzt. Ermöglicht wurde dies durch politische Grundsatzentscheidungen und eine der Branche prinzipiell sehr wohlgesonnene Regierung. Laut einer offiziellen Zielvorgabe für Ägyptens Outsourcing-Markt möchte man bis 2019 Umsätze in Höhe von 1,1 Milliarden US-Dollar erzielen, was mehr als einer Vervierfachung der Zahlen von 2005 entspricht. Die Regierung hat hierfür systematisch an der Entwicklung einer Outsourcing-freundlichen Infrastruktur gearbeitet.

So wurde im letzten Jahrzehnt massiv in Infrastruktur, Breitbandangebot, Bildungsprogramme und Telekommunikation investiert. Auf diese Weise möchte das Land internationale Unternehmen dazu bewegen, ihre Service Delivery Center in Ägypten anzusiedeln. „Ägypten steht am Scheideweg der nächsten IT-Revolution“, sagt Dr. Tarek Kamel, Ägyptens Minister für Informations- und Kommunikationstechnologie. „Wir sind bekannt für unsere Innovationskraft, sind ein junges, energisches Land mit Menschen, denen Technologie quasi in die Wiege gelegt wurde. Deswegen setzen wir uns bei neuen Technologien auch so ehrgeizige Ziele – wir wollen zum Zentrum für Innovation und Forschung, IT-Sicherheit und Grenzen überschreitende Zusammenarbeit werden.“

Förderung des Talentpools

Ägypten verfügt heute über einen relativ großen und schnell wachsenden Pool von IT-Spezialisten, deren Mehrsprachigkeit bei der Geschäftsabwicklung mit internationalen Kunden einen klaren Vorteil darstellt. Das Land kann jährlich auf 330.000 Absolventen zurückgreifen; 20.000 davon haben sich in den Bereichen IT und Ingenieurwesen spezialisiert. Viele der Experten sprechen zudem nicht nur fließend englisch und arabisch, sondern auch deutsch, französisch, italienisch und spanisch.

Um diesen Talentpool weiter auszubauen, hat die Regierung verschiedene Initiativen ins Leben gerufen. So wurde 1993 das Information Technology Institute (ITI) in Kairo von der Regierung gegründet, das Hochschulabsolventen spezielle Trainingsprogramme in der Software-Entwicklung anbietet. Außerdem organisiert das Institut IT-Kurse und berufliche Weiterbildung für Angehörige der ägyptischen Regierung sowie für Mitarbeiter in Ministerien und lokalen Zentren der politischen Entscheidungshilfe.

Mit der Egyptian Education Initiative (EduEgypt) gibt es auch im privaten Sektor eine entsprechende Initiative, die sich für die Verbesserung der ITK-Ausbildung einsetzt. Sie wird von führenden IT-Unternehmen wie Cisco, HP, IBM, Intel und Microsoft unterstützt. Darüber hinaus wird in Ägypten allen Studenten unabhängig von ihrem Fachbereich vor ihrem ersten akademischen Grad IT-Wissen vermittelt.

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