Kein Social-Media-API für Java: JSR 357 abgelehnt

Hartmut Schlosser

Der Java Specification Request (JSR) für ein allgemeines Social Media API in Java ist vom JavaSE/EE-Exekutiv-Komitee abgelehnt worden. Im Rahmen des JSR 357 sollte ein API für den Zugriff auf soziale Informationsnetzwerke wie Facebook, Twitter, Google+, LinkedIn, Xing und Yammer entstehen, das auf Standard-Technologien wie OpenSocial 2.0, fb4java, Twitter4J, Google+ Java API und Yahoo!´s Social APIs aufbauen sollte.
In der Abstimmung hat der JSR acht von 16 Nein-Stimmen erhalten. Fünf der Mitglieder stimmten dem JSR zu, zwei Enthaltungen und eine Nicht-Beteiligung (Intel) gab es.

Gründe für die Ablehnung nennen viele der Parteien in den Kommentaren. So merkt IBM an, dass der Fokus des vorgeschlagenen JSR zu weit gefasst sei, um in einer funktionierenden Spezifikation zu resultieren, die von der breiten Java-Community angenommen werden könne. Der Bereich der Social-Media-Programmiermodelle sei schnelllebig und deshalb der Versuch, eine übergreifende API-Struktur auf diese dynamische Masse an Standards aufzusetzen, zu früh.

IBM believes it is too early in the life cycle of the social media environment to put a JSR 357 Java API into the marketplace which would – at best – cause confusion and potentially impede the development of the current broad based work being done.

IBM selbst bevorzugt den Ansatz, nach der Marktkonsolidierung verschiedene, spezifischere Spezifikationen einzubringen, die die jeweiligen Besonderheiten der Social-Media-Bereiche berücksichtige.

Die London Java Community begrüßt zwar den Versuch, einen Konsens im Bereich der Social Media zu finden, sieht aber Probleme in dem gewählten Ansatz der Domänenmodellierung, der zu starr sei, um den schnellen Weiterentwicklungen gerecht zu werden. Zudem werde der Mobile-Bereich nicht genügend berücksichtigt.

The lack of focus on mobile is also a significant drawback – in 2012, social media is increasingly being driven by mobile applications – it makes no sense to have a social JSR which is not co-ordinated with the ME standards process.

Ähnliche Kommentare gibt es von SAP, HP, Azul Systems, Ericsson AB, Eclipse Foundation und Google zu hören. Selbst Twitter, das sich der Stimme enthalten hat, merkt an, dass der JSR „etwas zu früh“ komme.

While we were initially excited about this proposal, we think it’s a bit too early to start standardizing on social and encourage folks to look at third party libraries for support to connect to the myriad of social networks available.

Dieses Mal sind auch die Kommentare der Ja-Stimmer interessant, beispielsweise Credit Suisse. Trotz Bedenken bzgl. des breiten Fokus und der unzureichenden Sicherheitsaspekte seien die Credit-Suisse-Kunden, deren Belange man hier vertrete, an einer Konvergenz der verschiedenen Industrie-Standards interessiert.

Goldman Sachs & Co. schlägt vor, den zu breit angelegten Fokus einzuschränken und um zusätzliche JSRs zu ergänzen, die sich beispielsweise gezielt um Sicherheits- und Identitätsfragen kümmern.

Auch Oracle stimmt mit ja, um einer nächsten Präzisierung nicht im Wege zu stehen.
SouJava bezieht sich auf die negativen Kommentare, räumt indes ein, dass sich die SpecLeads in den letzten Tagen aufgeschlossen gegenüber den monierten Punkten gezeigt und genauere Informationen nachgeliefert habe.

We understand that the spec lead is sensible to those issues, and has offered more detailed information during the past few days. We urge the spec lead to take actions to address the issues raised, so this JSR can succeed. That said, we also believe that there is enough experimentation in the market in the projects presented in the JSR, and that it is possible to create a specification that is specific enough to deal with the issues raised, and broad enough to be valuable for the Java community.

Die Diskussion wird nun in den Blogs weitergeführt. Beispielsweise übt Markus Eisele Kritik am derzeitigen JCP Exekutiv-Komitee, in dem politisch agierende Mitglieder entgegen aller technologischen Sinnhaftigkeit einen JSR aus dem Rennen werfen könnten:

As of today the combination of simply technical voting members like the LJC and the political voting members like SAP and IBM leads to a very easy and fast rejection of a JSR. Markus Eisele

Laut den JCP-Regularien haben die Spec-Leads nun 14 Tage Zeit, den JSR anzupassen und nochmals neu vorzulegen. Alexismp hält dies auf dem Aquarium-Blog angesichts der massiven negativen Kommentare für eine große Herausforderung. Er sieht die Ablehnung dennoch als Zeichen für das gute Funktionieren des JCP

Standardization is a difficult task and the JCP (the Executive Committee in fact) played its role by pointing out the challenges ahead of such a JSR as it was envisioned by its submitters, and thus the risk of never completing. If anything this proves that the JCP is working as expected.

Ganz aufgeben sollte man den JSR indes nicht. Wer die Spec Leads Werner Keil und Antoine Sabot-Durand kennt, weiß, dass schnelles Aufgeben nicht deren Sache ist.

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Hartmut Schlosser
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