Über die Design-Philosophie von Charles H. Moore

Keep it simple!

Michael Thomas

© Shutterstock.com/bahri altay

Der Programmierer und Blogger Sam Gentle singt ein Loblied auf Programmierer-Urgestein Charles H. Moore, Schöpfer der stackbasierten Programmiersprache Forth, den er als Software-Ästheten bezeichnet. Wie Gentle weiter ausführt, zeichnet sich Moore insbesondere durch seine in Opposition zum heute vorherrschenden Verständnis stehenden, sich gegen Allgemeinheit im Software-Design richtenden Design-Philosophie aus.

Das Kernstück von Moores Philosophie kann einem niemals in Druckform erschienenen, aber auf seiner Homepage verfügbaren Buch mit dem Titel „Programming a Problem-Oriented Language“ entnommen werden. Bereits im ersten Kapitel kristallisiert sich sein Grundprinzip heraus, das sich schlicht und ergreifend mit „keep it simple“ umschreiben lässt. In einem allgemeineren (sic!) Sinne weist Moores Philosophie Frameworks und andere Übergeneralisierungen zurück; da bereits Computer einem allgemeinen Zweck dienen, sollten Programme dies nicht tun. Stattdessen sollten sie sich jeweils auf klar abgegrenzte, spezifische Probleme konzentrieren. Gentle vergleicht Moores Philosophie mit demjenigen der „Engineers“ genannten Aliens aus dem Science Fiction-Roman „The Mote in God’s Eye“. Diese besitzen beispielsweise kein allgemeines Konzept von „Stuhl“, sondern bauen immer individuell abgestimmte Varianten.

Ressourcenknappheit als treibende Kraft

Beide Philosophien entstammen dabei einem Hintergrund, der sich durch eine Armut an Ressourcen auszeichnet, somit ein strenges Haushalten erfordert und Fehler kaum vergibt. Jede Idee muss sitzen. Effizienz – und eine gewisse Eleganz – des Designs ergeben sich somit beinahe schon zwangsläufig.

Doch, so fragt Gentle, ist eine solche Herangehensweise in der heutigen Zeit sinnvoll? In einer Zeit, in der man dank der Fülle an Frameworks und Plattformen nachweislich einfach gut arbeiten kann, auch wenn es nicht unbedingt effizient ist? In gewisser Weise schon, wie Gentle findet. Denn als Programmierer sollte man es ihm zufolge nicht akzeptieren, wenn eine Abstraktion nicht richtig passt oder Probleme löst, die man gar nicht hat. Die Möglichkeit, eine maßgeschneiderte Lösung zu entwerfen, steht einem Entwickler immer offen. Die Softwareentwicklung, so Gentle schließlich, könnte viel gewinnen, wenn sich Programmierer dieses Umstandes häufiger bewusst wären.

Aufmacherbild: Yellow road warning sign , Keep it simple von Shutterstock.com / Urheberrecht: bahri altay

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Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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