Interview mit Reema Poddar, Chief Product Officer von Teradata

Women in Tech: „Frauen MÜSSEN ihre Geschlechtsgenossinnen fördern und unterstützen.“

Dominik Mohilo

In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Reema Poddar, Chief Product Officer für Teradata.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Chief Product Officer für Teradata

Reema Poddar ist der Chief Product Officer für Teradata. In dieser Rolle ist sie Mitglied der Geschäftsführung, die an Steve McMillan, Präsident und CEO, Bericht erstattet. Als äußerst erfolgreiche Führungskraft mit fast 24 Jahren Erfahrung in der Softwarebranche ist Reema Poddar eine angesehene Vordenkerin und eine Autorität auf dem Gebiet der Big-Data-Analyse, des maschinellen Lernens, der künstlichen Intelligenz, der Cloud-Dienste und des industriellen Internets der Dinge. Sie leitet die Bereiche Produktmanagement, Produkttechnik, technologische Innovation sowie Unternehmens- und Cybersicherheit. In dieser Rolle stellt sie sicher, dass die Produktangebote auch das einhalten, was sie versprechen, dem Kunden dabei zu helfen, die Komplexität der aktuellen Analyselandschaft zu überwinden und Antworten auf ihre schwierigsten geschäftlichen Herausforderungen zu finden.

Seit ihrem Beitritt zu Teradata im Jahr 2017 hat Poddar die globale Entwicklungsorganisation vereinheitlicht, leitet ein Team von 1.700 Mitarbeitern und trägt aktiv zur strategischen Gesamtausrichtung von Teradata bei. Sie hat einen kulturellen Wandel innerhalb des Entwicklungswesens vorangetrieben, indem sie sich auf die Lösung von Anwendungsfällen in Unternehmen und den Aufbau eines Frameworks für Schlüsselprodukte und -features konzentrierte. Poddar war eine treibende Kraft hinter der allgemeinen Verfügbarkeit von Teradata Vantage, der einzigen Plattform der Branche für allgegenwärtige Datenintelligenz.

Zu ihren Erfolgen zählt die Beschleunigung der digitalen Transformation, die Verbesserung des Kundenerlebnisses sowie Unternehmen dazu zu befähigen, die Automatisierung, die Entwicklerproduktivität und die operationale Exzellenz zu verbessern. Poddar ermutigt junge Frauen dazu, Rollen in der Technologie und Produktmanagement in Betracht zu ziehen. Bei Teradata setzt sie sich für Diversität ein, indem sie das Frauennetzwerk von Teradata unterstützt. Poddar hat einen Master-Abschluss in Informatik und Elektronik.

Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Als Kind habe ich davon geträumt die Welt zu verbessern, indem ich Menschen in Not helfe. In der Grundschule habe ich mich entschlossen, Kardiologin zu werden, nachdem ich gesehen hatte, wie mein Vater einen massiven Herzinfarkt erlitt. In der Hochschule wuchs mein Ehrgeiz und ich erkannte, dass ich, um die Welt wirklich zu verändern, mehr als einen Patienten gleichzeitig erreichen musste. Die Fortschritte in der Technologie begannen bereits die Patientenversorgung zu verbessern und ich konnte sehen, wie zukünftige technologische Fortschritte außerordentliche Verbesserungen des Gesundheitssystems und der öffentlichen Gesundheit im Allgemeinen ermöglichen könnten. Damals entdeckte ich meine Leidenschaft für die Macht der Technologie (Informatik), und mir wurde klar, dass ich eine Karriere in der Technologie anstreben musste, um die Welt wirklich zu verändern.

Welche Hindernisse musstest du überwinden?

In den frühen Jahren meiner Karriere als Führungskraft, transformierte ich das Softwaretechnologiezentrum GE in Indien mit einem Start-Up-Fokus. Ich leitete die Mitarbeiter-, Prozess- und Technologietransformation und erhielt dafür die internationale Auszeichnung für den ersten globalen Standort mit der höchsten Punktzahl für Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit. Hier sah ich mich mit einer männlich dominierten Führungskultur konfrontiert, in der es ein wirklich harter Kampf war, die Kooperation meiner Kollegen zu erhalten. Durch den Aufbau von Partnerschaften und Vertrauen, vermittelte ich eine Start-Up-Mentalität und errichtete eine Hochleistungskultur, die sich auf Dinge wie neue Produktionsinnovationen, neue Produkteinführungen durch Benutzererfahrung, Automatisierung und kontinuierliche Verbesserung konzentriert. Ich habe zahlreiche Lektionen gelernt, aber das Vermitteln einer Hochleistungskultur hat sich überall als nützlich erwiesen.

Hattest du Unterstützung?

Meine Familie war immer mein bester Unterstützer und mein Vater und meine Mutter sind meine Vorbilder. Dabei haben sie nicht einmal das Abitur gemacht. Sie haben mir beigebracht, wie man auf dem Boden der Tatsachen bleibt und jeden respektiert. Mein Vater sagte mir immer: „Erfahrung ist etwas, das dir niemand nehmen kann. Also, probier Neues aus und scheu dich nicht davor, Unsicherheiten zu konfrontieren: sich nicht wohl zu fühlen ist in Ordnung“.

Es gibt noch ein paar andere Menschen, die mich im Laufe der Jahre inspiriert haben, darunter:

Indra Nooyi ist eine indisch-amerikanische Geschäftsfrau, die als Vorsitzende von Pepsi Co. und als CEO für 12 Jahre von 2006-2018 tätig ist. Sie wird durchweg zu den 100 mächtigsten Frauen der Welt gezählt. Im Jahr 2014 wurde sie auf der Forbes-Liste der mächtigsten Frauen der Welt auf Platz 13 geführt. Im Februar 2018 kündigte der International Cricket Council an, dass Nooyi im Juni als erste unabhängige weibliche Direktorin in den ICC-Vorstand eintreten werde – dies in einer Sportart, die normalerweise von Männern ausgeübt wird. Sie nutzt ihr Unterstützungsnetzwerk, um zu lernen und zu wachsen, und bittet jeden ohne jede Hemmung um Hilfe. Sie ist eine großartige weibliche Führerin, die ihre Erfahrungen zum Wohle der Allgemeinheit teilt.

Satya Nadella ist ein amerikanischer Geschäftsmann aus Hyderabad (Indien), der derzeit als CEO von Microsoft tätig ist. Ich schaue zu ihm auf als einem Akteur des Wandels, der sich auf die Stärken der Menschen konzentrieren, anstatt auf ihre Schwächen, neugierig ist und versucht, von der nächsten Generation zu lernen.

Kirsten Green ist die Gründerin und Geschäftsführerin von Forerunner Ventures, wo sie von Frauen geführte Start-Ups, wie Birchbox und Glossier, sowie erfolgreiche E-Commerce-Unternehmen, wie Jet.com und Dollar Shave Club, unterstützt. Sie hat es auf Forbes Liste der besten weiblicher Führungskräfte und Midas Liste der Top-Tech-Investoren gebracht. Sechs der sieben Führungskräfte in ihrer Firma sind Frauen.

Victor Lund war unser Präsident und CEO bei der Teradata Corporation, und jetzt ist er der Executive Chairman des Vorstands der Teradata Corporation. Viele Leute würden annehmen, dass Vic im Herzen ein Technologe ist. Das ist er aber nicht. Eine von Vics größten Fähigkeiten ist es, Kundenprobleme zu verstehen und Lösungen zu deren Bewältigung bereitzustellen. Vic kombiniert einen erfahrenen Geschäftssinn mit einem bescheidenen und zugänglichen Auftreten, das bei unseren Kunden und Mitarbeitern Anklang findet. Ich habe in der kurzen Amtszeit unter seiner Führung viel gelernt.

Versucht nicht perfektionistisch zu sein. Die meiste Frauen versuchen die Dinge zu perfektionen. Glaubt an euch selbst und nehmt euch die Zeit, eure Siege zu feiern, indem ihr euch manchmal auf euch selbst besinnt.

Hat jemals jemand versucht, dich vom Lernen oder vom Vorankommen im Beruf abzuhalten

Ja, aber das würde ich nie zulassen.

Worauf bist du in deiner Karriere am meisten stolz?

Vertrauen schaffen und ein leistungsstarkes Team aufbauen, das das Vertrauen, die Transparenz und den kooperativen Ansatz, den wir verfolgen, zu schätzen weiß. Ich habe meinen Ruf darauf aufgebaut, Verhaltensänderungen voranzutreiben, um innovative Produkte zu liefern, die von den Kunden verlangt werden. Der Nettoeffekt dieser Veränderungen hat Transformationen ermöglicht, die bei den Mitarbeitern, Kollegen und Vorständen der Unternehmen, für die ich tätig war – angefangen bei Startups, GE und Teradata – Vertrauen geschaffen haben.

Wieso gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche?

Thomas Edison sagte einmal: „Ich habe nicht versagt. Ich habe nur 10.000 Wege gefunden, die nicht funktionieren werden.“ In den MINT-Disziplinen dreht sich alles um Versuch und Irrtum, und man muss bereit sein, Risiken einzugehen, um eine erfolgreiche Technologin zu sein. Überlegt jetzt einmal, wie viele Familien ihre Kinder großziehen. Wir lassen unsere Jungs viel mehr Risiken eingehen als unsere Mädchen, sei es auf einem Sportplatz oder wenn es darum geht, jemanden nach einem Date zu fragen.

Scheitern bietet wertvolle Lektionen fürs Leben, doch weil wir unsere Töchter vor Enttäuschungen schützen wollen, nehmen wir ihnen die Möglichkeit zu lernen. Glücklicherweise hat mein Vater bei mir einen ganz anderen Ansatz verfolgt und mich herausgefordert, Risiken einzugehen.

Als ich zum Beispiel in Indien aufwuchs, kann ich mich daran erinnern, wie ich es hasste, zum Postamt zu gehen, weil es auf dem Weg dorthin an einer Brückenüberquerung eine ganz spezielle Gruppe von Jungen gab, die andere Kinder, die die Brücke überquerten, hänselten. Ich erinnere mich, dass ich einen Brief abschicken musste und meinen Vater anflehte, mich zum Postamt zu bringen, damit ich diese gemeinen Jungs vermeiden konnte. Nachdem ich meine Notlage erklärt hatte, ließ mich mein Vater nicht nur allein gehen, sondern er gab mir sogar die tägliche Aufgabe, unsere Familienpost jeden Tag zur Post zu bringen! Damals hasste ich es, aber ich weiß, dass mir solche kleinen Dinge halfen, die schwierigsten Situationen zu meistern und zu lernen, wie man die Angst überwindet. Heute bin ich deswegen ein stärkerer Mensch.

Welche Hürden müssen Frauen heute immer noch überwinden?

Frauen MÜSSEN ihre Geschlechtsgenossinnen fördern und unterstützen. Zu viele Frauen betrachten die Zahl der Plätze, die Frauen am Tisch haben, als begrenzt und gehen davon aus, dass ihre größte Konkurrenz die andere Frau am Tisch ist.

Außerdem tendieren Frauen, die in eine Führungsposition kommen möchte, im Allgemeinen dazu, verstärkt eine Type-A-Persönlichkeit zu sein, sogar noch mehr als es bei ihren männlichen Gegenstücken der Fall ist, und werden sich natürlich gegen anderen Type-A-Persönlichkeiten am Tisch stellen. Sei einfach du selbst und konzentriere dich auf deine Stärken, nicht deine Schwächen. Versuch kein Perfektionist zu sein. Die meisten Frauen versuchen, Dinge zu perfektionieren. Glaubt an euch selbst und nehmt euch die Zeit, eure Siege zu feiern, indem ihr euch manchmal auf euch selbst konzentriert.

Nicht jede Frau im technischen Feld muss auch eine Technologin sein. Es gibt andere Rollen, wie Produktmanagerin, Geschäftsanalytikerin, Programmmanagerin, in denen Frauen brillieren können.

Würde unsere Welt anders aussehen, wenn mehr Frauen im MINT-Bereich arbeiten würden?

Die Vereinigten Staaten leiden an einem Mangel von Tech-Talenten und das schadet im Endeffekt kleinen und großen Unternehmen im ganzen Land. Den technischen Talent Pool zu erweitern ist demnach ein ökonomischer Gewinn, egal wie man es betrachtet.

Die Geschlechtervielfalt bietet Frauen zudem nicht nur die gleichen wirtschaftlichen Chancen wie Männern, sondern kann sie auch in die Lage versetzen, Teil einer Erwerbsbevölkerung zu sein, die die größten Herausforderungen unserer Welt wie saubere Energie, Gesundheitswesen und vieles mehr löst.

Teilt eure Erfahrungen im Lernen und Scheitern und ihr werdet anderen helfen, ihre Ziele schneller zu erreichen.

Die Diskussion über Diversität nimmt Fahrt auf. Wie lange wird es dauern, bis wir Ergebnisse der aktuellen Debatte sehen?

Diversität bringt die unterschiedlichsten Menschen mit den verschiedensten Hintergründen und unterschiedlichen Perspektiven zusammen. Am Arbeitsplatz bringen diese Perspektiven unterschiedliche Denkweisen mit sich, die zu unterschiedlichen Problemlösungsansätzen führen.

Diversität fordert uns heraus, anders zu denken, und ermöglicht es uns, die Denkweise des anderen herauszufordern. Die Diversität ermöglicht es uns, unsere Unterschiede zu verstehen und zu schätzen. Diversität ist die geheime Zutat für Teams, um Herausforderungen am Arbeitsplatz zu begegnen und auf einzigartige Weise zu lösen. Ich glaube, bei Teradata sehen wir bereits die Ergebnisse unserer Bemühungen, eine vielseitige Belegschaft einzustellen.

Tipps & Tricks

Konzentriert euch auf eure Stärken: Es ist sehr wahrscheinlich, dass man die Sachen unterschätzen, in denen man von Natur aus gut ist, und gerade mit diesen Dingen kann man oft die größte Wirkung erzielen.

Solltet ihr scheitern, vergesst nicht die Lektion: In der heutigen Zeit ist die schnelle Markteinführung das entscheidende Element, und es gibt immer ein Gleichgewicht, das man zwischen Geschwindigkeit und Perfektion finden muss. Lernt mit dem Streben nach Perfektion aufzuhören und lernt stattdessen, Risiken einzugehen und einen schnellen Fast-Fail-Ansatz zu verfolgen. Rückschläge führen zum Erfolg, solange man aus ihnen lernt.

Findet großartige Mentoren: Sucht nach Menschen, die ihr bewundert und die eure einzigartigen Talente erkennen und von euch verlangen, dass ihr sie nutzt, um euer Potenzial zu maximieren.

Werdet ein großartiger Mentor:  Teilt eure Erfahrungen im Lernen und Scheitern und ihr werdet anderen helfen, ihre Ziele schneller zu erreichen.Wenn ihr jemandem wirklich helft, sein Potenzial auszuschöpfen, kann das eine der emotional lohnendsten Erfahrungen im Leben sein, und es wird euch zu einer besseren Führungskraft machen. Mentorenschaft bietet die Möglichkeit, die Führungskräfte von morgen zu formen, und wenn es gut gemacht wird, kann es den Grundstein für eine Kultur legen, die zum Erfolg führt.

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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Marc Teufel
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Marc Teufel

Ich finde, unabhängig von irgendeinem Geschlecht, müssen wir alle uns gegenseitig respektieren, fördern, unterstützen und gleich behandeln.

Tobias
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Tobias

ja aber darum geht es hier nun mal gerade nicht. Ich würde ja auch nicht unter einem Beitrag über die Rassismus schreiben: „Ich finde wir sollten auch an die Bäume denken“. Ja wir sollten uns alle respektieren und fördern, aber hier geht es darum, dass es besonders wichtig ist, frauen zu fördern, da es momentan nicht genügend von ihnen in technischen berufen gibt